Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche





Tagesübersicht Leipziger Internet Zeitung
Alle Nachrichten von: heute | gestern | vorgestern

Abrisspläne in Eutritzsch: Stadtforum ruft zur Demonstration auf

Ralf Julke
Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) macht Druck. Sie will die Gunst der Stunde nutzen und mit Abrissgeldern des Stadtumbau-Programms Ost abreißen, was derzeit noch unsaniert ist und den Bestand der städtischen Wohnungsgesellschaft belastet. Eines der nächsten Opfer soll der Häuserkomplex Zerbster Straße 1 bis 7, Hohmannstraße 9 bis 12, Heinz-Kapelle-Straße 1 bis 4 in Eutritzsch werden.


Wenn es nach derzeitigen Absprachen mit der Stadtverwaltung geht, dann darf sie das auch. Dann rollen demnächst die Bagger und reißen eine der frühesten Anlagen des sozialen Wohnungsbaus in Leipzig weg, die zur Zeit ihrer Errichtung beispielgebend für Deutschland war, vergleichbar dem Rundling in Lößnig. Erbaut hat die Anlage 1923 der Architekt Alfred Liebig. Noch ist die Häuserzeile intakt und macht sichtbar, dass hier mit Sorgfalt auch ein architektonisch gelungenes Stück Wohnungsbau erhalten werden kann.

Es geht um 175 Wohnungen, die in ihrem Zuschnitt sogar ideal geeignet wären, ein zentrales Anliegen der LWB selbst zu erfüllen: „Angesichts eines steigenden Bedarfs an günstigen kleinen bis mittleren Wohnungen wird es künftig stärker darum gehen, entsprechende Angebote zu schaffen“, verheißt die Gesellschaft in ihrer Strategie für das laufende Jahr. Und hat nicht nur die Wohnanlage in Eutritzsch, sondern gleich ein halbes Dutzend ähnlicher Anlagen im Stadtgebiet zum Abriss beantragt.

Und die Stadt spielt das Spiel ohne Grenzen mit, erklärt mit Abrissgenehmigungen die Stadtteilentwicklungspläne (STEP) gleich reihenweise für ungültig und gibt wichtige Areale des Stadtraumes zur Planierung frei. Segnet damit aber auch 15 Jahre Politik ab, die mit einem Millionen-Aufwand versucht hat, das Neubaugebiet Grünau zu erhalten, während die LWB innerstädtische Wohnanlagen stets versuchte, an Privatinvestoren zu verkaufen. Was auch im Fall der Zerbster Straße nicht gelang.

Übrigens ein Warnzeichen für die nach dem Dresdner Verkauf der WOBA aufblühenden Träume eines gleichwertigen Verkaufs der LWB: Ein attraktiver Preis im Milliarden-Bereich lässt sich nur mit weitgehend saniertem Bestand und hohem Vermietungsgrad erreichen. Zwei Parameter, die die LWB durch ihre massiven Abrisse im Stadtgebiet jetzt sichtlich verbessern will. Auf Kosten nicht nur der Stadtstruktur, sondern auch der Steuerzahler. Denn gerade im Vorzeigeprojekt Grünau flossen selbst in den letzten fünf Jahren noch Millionen an Fördergeldern.

Eine Entwicklung, die die SPD-Landtagsabgeordnete Margit Weihnert so kommentiert: „Es besteht Gefahr, dass die begrenzt zur Verfügung stehenden Ressourcen des Stadtumbaus allein schon in solchen Stadtbereichen aufgezehrt werden, die seriös ohnehin kaum zu halten sind."

Nicht ohne Grund verlangen jetzt westdeutsche Kommunen von Dresden die gezahlten Fördergelder zurück. Es ist ein Unding, eine städtische Gesellschaft mit Fördergeldern erst marktreif zu sanieren und dann den Erlös einzustreichen. Das sollte auch Leipziger Verkaufs-Enthusiasten zu denken geben.

Dass die Leipziger Wohnungsgesellschaft jetzt so radikal abreißen will, hat rein formale Gründe: Der Abriss von Wohnraum wird im Stadtumbau-Programm Ost zu 100 Prozent aus Bundesmitteln gefördert. Im Klartext: Wer Häuser egal welchen Erhaltungsgrades mit der Abrissbirne vom Markt nimmt, kann sich mit der Aktion sogar eine goldene Nase verdienen. Bei Aufwertung, also der zukunftsträchtigen Sanierung von Wohnanlagen, tragen zwar Bund und Land jeweils ein Drittel der aufgewendeten Summe, die Stadt aber muss selbst ein Drittel beisteuern. Und das Geld hat sie - nach all den finanziellen Eskapaden der letzten Jahre - nicht mehr.

Für die LWB kommt hinzu, dass 15 Jahre falscher Sanierungsstrategie jetzt mit dem Abrissbagger aus der Welt geschafft werden können. Gedacht ist der Stadtumbau Ost dafür eigentlich nicht. Als er aufgelegt wurde, sollte er dazu beitragen, insbesondere ostdeutschen Kommunen das Zurück-Schrumpfen auf eine bezahlbare und zukunftsfähige Größe zu ermöglichen. Mit Betonung auf „zukunftsfähig“, denn im Rahmen der demografischen Entwicklung werden ostdeutsche Kommunen künftig in der Regel kleiner, einwohnerärmer und auch finanziell schlechter ausgestattet sein. Sie werden sich die in den letzten Jahrzehnten aufgeblähten Infrastrukturen nicht mehr leisten können. Und - was die Sache verschärft - je weniger Einwohner sie haben, um so teurer werden die noch vorhandenen Infrastrukturen für jeden Einzelnen. Jeder Kilometer Gas- und Wasserleitung, jede zusätzliche Stromleitung, jeder zusätzliche Abwassersammler tauchen auf der Betriebskostenabrechnung mit auf. Bei allen wichtigen Versorgungsparametern haben Leipzigs Stadtplaner drauflos gebaut, als gelte es, eine Millionenstadt zu versorgen. Ganze neue Wohngebiete wurden an den Stadtgrenzen hochgezogen. Ohne Druck übrigens. Seit Mitte der 90er Jahre ist das Überangebot von Wohnungen in Leipzig mit rund 30.000 relativ konstant. Nur innerstädtische Wohnviertel wie die Südvorstadt sind mittlerweile zu über 90 Prozent ausgebucht. Übrigens ohne Zutun der Stadtplaner oder der städtischen Wohnungsgesellschaft.

Das Revival des einst berühmten Leipziger sozialen Wohnungsbaus haben andere, vor allem traditionelle Leipziger Wohnungsgenossenschaften, ausgelöst. Nur die stadteigene LWB hat den Trend völlig verschlafen und die Fördergelder lieber in Plattensanierungen investiert. Ohne dass es übrigens gelungen wäre, die Nebenkosten in den sozialistischen Fließbandbauten signifikant zu senken. Die liegen im Gegenteil deutlich über dem Leipziger Durchschnitt. Eine Botschaft, die bislang die Stadtplaner auch noch nicht erreicht hat.

Aber was können Leipziger Bürger tun gegen den drohenden Abriss der inneren Stadt? Demonstrieren, meint das Stadtforum Leipzig, ein Zusammenschluss von immerhin 20 Leipziger Vereinen und Initiativen. Am Sonntag, 9. April ruft das Stadtforum Leipzig auf, sich zur Demonstration am Wohnblock Zerbster Straße einzufinden. Beginn der Demonstration ist 14 Uhr und es ist wohl eine der ersten Gelegenheiten, zu der Leipziger Bürger öffentlich demonstrieren können gegen eine kurzsichtige, rein von Bilanzeffekten getriebene Stadtpolitik ohne Vision - und ohne Verantwortung.



Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks




Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Leipziger Stadtbad: Dach ist bald dicht, Turm kommt drauf, Damenbad wird entwölbt

Vorm Abbruch: Das Gewölbe soll mit allen Details wieder hergestellt werden.
Es laufen derzeit einige Vereine und Stiftungen mit leuchtenden Jahreszahlen durch die Landschaft: 2013 ist eine davon, 2015 eine andere. Die Förderstiftung Leipziger Stadtbad hat jetzt die 2016 aufgepflanzt: In dem Jahr wird ihr Pflegekind 100 Jahre alt. Und da soll's auch wieder leben. mehr…

Wohngeldkürzungen: Staatsminister Markus Ulbig begrüßt halben Verzicht

Wohngeld bleibt, Heizkostenzuschuss fällt?
Ein bisschen ist er zurückgerudert, der Peter Ramsauer, derzeit Bundesbau- und -verkehrsminister. So wie seine Kollegin Ursula von der Leyen im Sozialministerium hatte auch Ramsauer einen wichtigen Sozialposten in seinem Budget in die Sparpläne der Bundesregierung gepackt: 200 Millionen Euro aus dem Wohngeldetat. mehr…

Internationaler Besuch in der Alten Börse: Pianist Seo Hang Churl gibt Klavierkonzert

Alte Handelsbörse.
Er studierte Musik und Klavier in Südkorea und Deutschland, erhielt Meisterkurse im Klavierspielen und konzertierte auf renommierten Bühnen dieser Welt: Der Pianist Seo Hang Churl kommt nach Leipzig. mehr…

Neuerung bei den LVB: Leipzig-Pass-Mobilcard gibt's ab 1. August auch an Automaten

Fahrkartenautomat der LVB.
Die Leipzig-Pass-Mobilcard ist ab kommenden Sonntag, 1. August, nunmehr auch an den Automaten der LVB an den Haltestellen erhältlich. Das teilen die Leipziger Verkehrsbetriebe mit. mehr…

Ökolöwe kritisiert Leipziger Beschaffungsprogramm: 106 Neuwagen, 2 Millionen Euro, nur zwei Marken

Neues Rathaus zu Leipzig.
In der nächsten Stadtratssitzung am 18. August wird die Drucksache Nr. V/608 zur Ersatzbeschaffung von Dienstkraftfahrzeugen für die Stadtverwaltung Leipzig dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt. Insgesamt sollen bis 2014 immerhin 106 PKW und Kleintransporter der Marken VW und Ford beschafft werden – eine Ausschreibung ist nicht geplant. mehr…

Am Samstag: Verkehrsraumeinschränkungen wegen Global Space Odyssey

Zu Verkehrsraumeinschränkungen in der Innenstadt und im Leipziger Westen kommt es am Samstag, 31. Juli, zwischen 12 und 19 Uhr, wegen des Umzuges „Global Space Odyssey 2010 – 24/7 Kultu(h)r tickt anders“. Das teilt das Leipziger Ordnungsamt mit. mehr…

Arktis-Forschung: Nach jahrhundertelanger Abkühlung steigen die Temperaturen rapide an

Halbinsel Kola: Blick auf das Kunjok-Tal im Norden des Khibiny-Gebirges .
Teile der Arktis haben sich im letzten Jahrhundert deutlich abgekühlt. Doch seit 1990 steigen die Temperaturen auch dort stark an. Das geht aus einer Rekonstruktion der Sommertemperaturen der letzten 400 Jahre mit Hilfe von Baumringen aus Regionen nördlich des Polarkreises hervor, über die das Umweltforschungszentrum berichtet. mehr…

Vorlaute Vorstadtindianer: Arcade Fire veröffentlichen ihr Drittwerk "The Suburbs"

Arcade Fire übertreffen sich mit "The Suburbs" selbst. Das Album erscheint am 30. Juli in Deutschland
Das dritte Album entscheidet meist, wohin es eine Band gemeinhin treibt. Hat ihre Musik Bestand? Erfindet sich eine Kapelle ständig neu oder bewahrt sie ihren Charakter? Das sind Fragen, mit der sich die L-IZ an der neuen Scheibe der kanadischen Rockformation Arcade Fire im folgenden Review reibt. Am Freitag den 30. Juli erscheint ihr neues Album "The Suburbs". mehr…

Keine Zweifel in Sachen Pop: Delphic machen im Conne Island Halt

Delphic
Kein Jahr ist die Band alt und schon zählen sie zu den Großen. Delphic aus Manchester haben mit "Acolyte" 2010 ein bemerkenswertes Album veröffentlicht, das sie im August auch in Leipzig vorstellen wollen. Warum die Kapelle bei der Musikpresse so viel Aufsehen erregt? Man sagt ihr eine musikalische Nähe zu den legendären New Order nach. mehr…

Ärger in der Eisenbahnstraße: Leipzig will gegen den Freistaat klagen

Eröffnung der neuen Eisenbahnstraße 2004.
Es knirscht im Gebälk. Wirklich reibungslos war die Arbeit der sächsischen Staatsregierung mit ihren Kommunen und insbesondere der Stadt Leipzig von Anfang an nicht. Im Fall Eisenbahnstraße kommt es jetzt wohl zum Showdown vor Gericht. Der Anlass: Eine kleine Definitionsfrage zum Preis von 273.646,30 Euro. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Leipziger Termine.
Anzeigen.
Studium an der FOM
Zur Website der WG Unitas

Kostenfreie Servicehotline
0800-6645454

Zur Website der WG Unitas
Zur Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH

AKTUELLE MELDUNGEN:

SCHNELLER SERVICE:

Tickets & Abonnements
LVB-Online-Shop
Tarifauskunft
Sie kennen das Ziel,
wir den Weg dorthin.
Route planen
Veranstaltungshinweise der IHK Leipzig

Veranstaltungshinweise:

Mehr Service unter:

Zur Website der IHK Leipzig
Aktuelle Dossiers.
Anzeigen.
Näher dran
Leipziger Leselust Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher Leipziger Autoren und Verlage.
Link-Tipps.
Bildblog



Anzeige