Baudenkmale retten: Leipziger Denkmalstiftung nimmt langsam Konturen an
Ralf Julke
08.10.2007
Die Zeit vergeht. Der Zahn der Zeit nagt. Es vergeht kein Jahr mehr, in dem nicht weitere unsaniere Baudenkmale in Leipzig abgerissen werden oder von allein in sich zusammenstürzen. Wie vor wenigen Wochen erst in der Gothaer und in der Friedrich-Ebert-Straße- Was tun? Die Idee des Stadtforums Leipzigs, das seit einige Jahren schon um den Erhalt jedes Denkmals kämpft, war, eine Stiftung zu gründen. Die Idee wird langsam fassbar.
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Und: Die Idee wird auch von der Stadtverwaltung gut geheißen. Denn das "Rettungsprogramm", mit dem die Stadt Gelder freischaufelt, um einige wenige sehr markante Gebäude auf den Weg der Besserung zu bringen, reicht natürlich vorn und hinten nicht. Zehn Gebäude stehen jeweils auf den Prioritätenlisten 1A und 2A, werden - je nach Finanzlage - "abgearbeitet". Mit Geldern aus dem Stadtumbau Ost und einem städtischen Eigenanteil kann der Hausbesitzer das Dach abdichten, Fenster sichern und Wände gegen Nässe schützen.
Was dann meist das kleine Quäntchen ist, das ein Haus rettet bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine Sanierung sich endlich "rechnet". Was oft der Fall ist, wenn Straßenbaumaßnahmen die Umgebung aufwerten oder der Stadtteil selbst eine eigene Dynamik entwickelt und Vermietung endlich wieder lukrativ wird. Wie etwa beim Eckhaus Wolfgang-Heinze-Straße 28 in Connewitz.
Man könnte fast sagen: Gäbe es da eine städtische Strategie, die Viertel um Viertel wieder auf den "grünen Ast" bringt, die schöne "Gründerzeitstadt" wäre auch beim Faktor Attraktivität schon viel weiter. Noch zersplittert sich alles, gelten im einen Fall Abrissstrategieen, im anderen Werterhaltung in Beständen, die keine wirkliche Perspektive haben, werden Geschäftsstraßen - ohne Not - ruiniert und selbst in lebendigen Stadtteilen Diskussionen geführt, als müsse man gerade erst die Folgen eines chinesischen Kommunismus überwinden. Kritikpunkt nicht nur der Denkmalschützer, sondern gerade - und zu recht - der Hausbesitzer.
Was das Stadtforum jetzt mit der Stiftung beabsichtigt, soll genau da helfen: Eigentümer notleidender Baudenkmale sollen beraten und unterstützt werden, bei fehlendem Eigentümer soll ein Betreuer bestellt werden nach Art. 233 § 2 Abs. 3 EGBGB), Öffentlichkeitsarbeit zur (städtebaulichen) Denkmalpflege soll aufgebaut werden, sogar - wo alles klemmt - der Erwerb von Baudenkmalen ermöglicht werden. Und das ganze als Privatinitiative. Was neue Freiräume eröffnet, beim Verwirklichen der ehrgeizigen Ziele genauso wie beim Einwerben von Finanzen.
Die dann Privaten und Kommunen helfen sollen bei der Erbringung des Eigenanteils, wenn es dann tatsächlich an die Sanierung gehen soll. Und wenn die Stiftung derart hilft, notwendige Sanierungen anzuschieben, steht natürlich auch die dadurch folgende Aufwertung des Quartiers im Blickpunkt. Initialzündung nennt man so etwas. Was dann wieder zur Stärkung der lokalen Wirtschaft beiträgt (sofern nicht der nächste Großinvestor wieder ein "Stadtteilzentrum" hinklatschen will.) und zur Schaffung und Sicherung lokal angesiedelter Arbeitsplätze. Schüchtern in Klammern schreibt das Stadforum "(integrierter Stadtentwicklungsansatz)".
Man sei in guten Verhandlungen mit der Verwaltung, teilt das Stadtforum mit. Und hoffe auch auf Startförderung vom Bund. Was noch gesucht würde, sei ein treffender Name für das Ganze. "Leipziger Denkmalstiftung" böte sich an, klingt auch besser als das bislang diskutierte "Stiftung Denkmal & Baukultur Sachsen", auch wenn der Trend da hingehen muss. Denn wenn die Idee in Leipzig funktioniert, muss sie auch für alle anderen Städte des Freistaats mit seinen 107.000 registrierten Baudenkmalen fruchtbar gemacht werden. So bald wie möglich. Die Zeit läuft.
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