Exotischer Neuzugang im Zoo: Europas erstes Ohrenschuppentier jetzt in Leipzig
Redaktion
23.12.2007

Foto: Zoo Leipzig
Frank Oberwemmer. Vorgestern Abend traf im Zoo Leipzig ein exotischer Neuzugang ein: ein männliches Ohrenschuppentier. Das ausgewachsene Tier kommt als Geschenk aus dem Zoo Taipeh. Alle Schuppentierarten werden aufgrund ihrer schwierigen Ernährungsweise nur sehr selten in Zoos gehalten. In europäischen Tiergärten werden derzeitig keine Schuppentiere gehalten. Auch für Leipzig ist es der erste Vertreter dieser Art.
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Als Untermieter der grauen Riesen wird es ein Gehege in der asiatischen Tempelanlage "Ganesha Mandir" beziehen. "Wir haben uns sehr lange bemüht, diese wertvolle Tierart bei uns halten zu können. Das Gehege ist entsprechend der Vorgaben des Zoo Taipeh nach modernsten Haltungsbedingungen eingerichtet worden", so Zoodirektor Dr. Jörg Junhold.

Foto: Zoo Leipzig
Zur Vorbereitung auf den neuen Schützling verbrachte eine Tierpflegerin bereits im letzten Jahr zwei Wochen im Zoo Taipeh, um von den dortigen Kollegen vor allem die Fütterung zu lernen und Erfahrungen im Umgang mit dem Tier zu sammeln. Selbstverständlich wurde es auch von den Tierpflegern, die es betreuen werden, persönlich abgeholt. Bevor es für die Besucher erstmalig zu sehen sein wird, erfolgt die Unterbringung des Tieres in einer vorgeschriebenen Quarantäneeinrichtung. Nach einer mehrwöchigen Eingewöhnungszeit, wird es dann in das vorgesehene Gehege gesetzt.
Das Ohrenschuppentier ist in den Wäldern von Nepal bis Südchina sowie auf den Inseln Taiwan und Hainan beheimatet. Diese Art lebt überwiegend am Boden, ist aber auch ein sehr guter Kletterer. Die lange Zunge und die Zahnlosigkeit weisen diese Säugetiere als spezialisierte Insektenfresser aus. Es ist außerdem durch zahlreiche außergewöhnliche Eigenschaften gekennzeichnet, so zieht es seine überlange Zunge bis in die Brusthöhle ein, da diese im Maul nicht genügend Platz findet. Charakteristisch und namensgebend ist sein dachziegelartig angeordnetes Schuppenkleid, welches sich beim Zusammenrollen in einen für Feinde fast undurchdringlichen Schutzpanzer verwandelt. Ferner leben Ohrenschuppentiere einzelgängerisch und ernähren sich von Ameisen und Termiten, welche sie mit der Zunge aufnehmen und in ihrem mit verhornten Wänden ausgestatteten Kaumagen zermahlen. Bei akuter Bedrohung richtet sich der Vierbeiner auf und ergreift auf den Hinterbeinen rennend die Flucht.
Die drei asiatischen Schuppentierarten sind in ihren freilebenden Beständen bedroht. Vor allem der Handel mit den Schuppen für medizinische Zwecke, der Haut und dem Fleisch führt zum verstärkten Jagddruck auf diese wehrlosen Säugetiere. Dazu kommt noch der zunehmende Verlust des Lebens-raumes. Um den Handel mit den asiatischen Arten zu kontrollieren, sind diese seit 1975 im Cites-Anhang II aufgeführt. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) sind alle Schuppentierarten derzeit noch in der Kategorie "geringes Risiko, aber mit zunehmender Gefährdung" aufgelistet. In der Zukunft ist mit wachsendem Jagdruck und Bedrohung zu rechen, so dass auch die Etablierung dieser Tiere in den Zoologischen Gärten von wichtiger Bedeutung ist.
Aber nicht nur das Ohrenschuppentier kann als neue Tierart kurz vor Weihnachten im Zoo Leipzig begrüßt werden. Am vergangenen Donnerstag kamen zwei Weißbauchzwergseidenäffchen, ein junges Paar, im Zoo an. Ihr neues Zuhause wird ein Gehege im Neuen Vogelhaus sein. Bisher wurden in Leipzig die Westlichen Zwergseidenäffchen gehalten. Diese wurden an einen anderen Zoo abgegeben.
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