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Es gibt auch solche Konzerte – Kategorie C am 13. März im Lagerhof

Michael Freitag
Foto L-IZ.de Archiv: Der Lagerhof Leipzig Heimstatt für Hooligan-Konzert
Musik ist Geschmackssache. Der Eine freut sich darauf, Herrn Silbereisen im Sitzen zu konsumieren, andere wiegen sich in den Klängen von Lacrimosa mit verzücktem Lächeln hin und her, Metaller schütteln die Köpfe bei Soulfly bis zu Nackensteife. Aber was machen eigentlich gewaltbereite Fußball-Hooligans, wenn sie ihr Konzert aussuchen?

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Sie gehen am 13. März in den Leipziger Lagerhof und pogen zur Band “Kategorie C“, wenn das Konzert nicht von staatlicher Seite untersagt wird.

Kann man sich seine Fans aussuchen und wie hat die Band “Kategorie C“ oder seit Neuerem “KC – Hungrige Wölfe“ sich entschieden? Die Frage haben sich ehedem auch die Band “Böhse Onkelz“ gestellt und sich nach Jahren eindeutig positioniert – nach Jahren des Erfolges auch in eben jener Szene, die sie dann als “blöde Nazis“ bezeichneten. Augenscheinlich haben sie Nachfolger, entstehend aus einer ähnlichen Gemengelage, gefunden. Seit Jahren geistert zur Bremer Musikkappelle “Kategorie C“ die Bezeichnung Naziband durch die Lande und werden Konzerte untersagt. Die Band distanziert sich seit Neuerem gegenüber der neofaschistischen Szenerie auf ihrer Internetseite.

Ob das etwas am Gesamtbild ändert?

Immer wieder wird zu Recht darauf hingewiesen, dass Sänger Hannes Ostendorf 1991 an einem Angriff auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt war und dass er der Bruder des NPD- und Blood and Honour-Aktivisten Henrik Ostendorf ist und bleibt. In Texten der Band wie im Song “So sind Wir“ ist die Hauptaussage, dass man sich nicht von einem undefinierten Weg abbringen lassen will und Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung beständig in Betracht oder eher vorzieht. Der Bandname “Kategorie C“ ist Polizeijargon und bezeichnet die Fans eines Fußballspieles, welche nur mit einem Ziel in der Nähe eines Stadions herumstreichen. Um gewaltsame Kommunikation mit den anderen Gestalten vom jeweiligen Gegnerclub auszuüben. Meist natürlich in den unteren Ligen, meist im Osten Deutschlands.

Foto L-IZ.de Archiv: Wo sonst DAF & Kosheen musizierten, spielen nun Kategorie C

Aber was ist das eigentlich für ein Phänomen, welchem auch solche Menschen, wie der heutige Präsident von Lokomotive Leipzig Steffen Kubald in jüngeren Jahren ebenfalls frönten. Da treffen sich junge Männer auf einer Wiese, um sich gegenseitig nach Strich und Komma zu verprügeln. Das stößt zu Recht auf, aber wer sich den Film “Fightclub“ mal in Ruhe angesehen hat, weiß auch, worum es hier geht. Man bleibt dabei unter sich.

Es geht um das alte Jägerthema von Männern, scheinbare Freundschaft und ein Zusammengehörigkeitsgefühl, wie es sich eben in Subkulturen bildet, die sich über gemeinsame "Schlachten" neben dem Stadion definieren. Man hält zusammen und geht bis an körperliche Grenzen, für die früher Männer in Kriegen hoch dekoriert wurden. Sinn suchende Bürohengste sind das negative Gegenbild geworden, vielleicht auch, weil ihre "Vergehen" meist größere Auswirkung haben, als Musikkonsumenten in einem entbehrlichen Konzert.

Mehr zum Thema:

Leserbrief zum Thema Auftritt der Band "Kategorie C" am 13. März im Lagerhof
Von J. Frohburg (u. a. beim Ladenschlussbündnis aktiv): Beobachtungen eines "unpolitischen" Abends: Auch Nazis dürfen mal "unpolitisch" sein ...
Und wer 383.208 Aufrufe bei MySpace zu verzeichnen hat, wie die Band "Kategorie C", ist ganz augenscheinlich mit seinen Aussagen über eine andere Realität nicht ganz allein. Das sollte wohl eher tiefe Bedenken hervorrufen, schließlich sind die Konzerte der Band schneller ausverkauft, als man “Kommerz“ sagen kann.

Gesichert wird man an diesem Abend die vollständige Riege der Blue Caps im Lagerhof antreffen können, samt der Schnittmengenvertreter mit den Nationalen Sozialisten aus Reudnitz. Also eben die, welche ehedem schnellstmöglich den Tod Michelles zur politischen Propaganda nutzten und nun scheinbar den Wachschutz für das NPD-Büro an der Odermannstraße stellen. Weil genau hier ihre einfachen, dumpfen Wahrheiten in die Welt gebrüllt werden. “Wir stehn auf Fußball und Gewalt“ lautet eine Kernaussage der musikalisch eher mittelmäßigen Band aus Bremen. Von Politik in der Tat keine Spur.

Die von der Antifa an diesem Tag angesetzte Demonstration in der Nähe des Lagerhofes ist vor dem Hintergrund, gegen Gewalt zu sein, ein Teil eines bekannten Spiels. Hier möchte man die Absetzung der Veranstaltung erreichen. Sollte sie dennoch stattfinden, steht eines fest. Am Freitag kann man im Lagerhof jede Menge alkoholisierte Männer treffen, die nicht wissen, wohin mit ihrer Kraft. Spielen wird dann eine Combo, bei der die Musikanten auf der Bühne versuchen, seit Neuerem betont unpolitisch aufzutreten.

Die Wirklichkeit dieser Band und ihrer gesamten Fanszene verbirgt sich dann wohl doch eher etwas unfreiwillig hinter den Zeilen des "Kategorie C" - Songs “Eine nächste Runde“:

“Es ist wieder mal ein Tag von Vielen,
an dem die Wut mich fast zerfrisst,
Die Probleme mich zerreißen
Und ich nicht weiß, was richtig ist.“

Richtigstellung (12. März 2009): Es ist nicht die Antifa, sondern das Ladenschlussbündnis, welches zur Demonstration gegen dieses Konzert aufgerufen hat. Analog zur Stadt Haltern (bei Essen) ist man bemüht, dass Konzert nicht stattfinden zu lassen. Dort hatten Bürgermeister und Gemeinde entschieden, solcherlei Konzerte in ihrer Stadt nicht zu dulden. Ob das Konzert in Leipzig stattfinden wird, ist noch offen.


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