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Kanalnachbarschaft: Stippvisite bei Ute Volz, Geschäftsführerin des Halle 14 e.V.

Iris Rösch, Regine Thümmler und Kerstin Grießmeier
Kunstwerkstatt Halle 14.
Kunstwerkstatt Halle 14.
Das Projekt "Kanalnachbarschaften" wurde in der L-IZ am 26. November vorgestellt. Seitdem waren die jungen Webdesignerinnen fleißig: übermorgen soll ihre Website ans Netz gehen. Die ersten Lokaltermine rechts und links des Karl-Heine-Kanals haben sie absolviert. Den ersten in der Halle 14 der Baumwollspinnerei.

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Dort sprachen sie mit Ute Volz, der Geschäftsführerin des Halle 14 e.V., über Kunst, Vermittlung und den Leipziger Westen.

Frau Volz, wie kommt man auf die Idee, eine riesige, verfallene Fabrikhalle auf dem Spinnereigelände für Kunstprojekte zu nutzen?

Die Idee stammte von dem Münchner Kunstsammler Karsten Schmitz, der die Halle 2002 zum ersten Mal sah und ihr Potenzial erkannte. Die finanzielle Unterstützung durch seine Stiftung Federkiel machte unsere Arbeit hier möglich.Wir haben mit Ausstellungen im unsanierten Rohzustand begonnen. In der Zwischenzeit wurden die 20.000 Quadratmeter hier schrittweise instandgesetzt und saniert. Dadurch können auch unsere Projekte wachsen. Inzwischen sind wir ein eigenständiger Verein, der Halle 14 e.V. und unsere Schwerpunkte sind internationale Gruppenausstellungen auf den großen Ausstellungsflächen, ein Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche, unsere Kunstbibliothek und – ganz neu – die Veranstaltungsreihe LOUNGE14, wo wir einmal monatlich ein Forum für Diskussionen über zeitgenössische Kunst eröffnen. Die erste Lounge fand am 3. Dezember statt. Dabei sollen aber nicht nur Kunstexperten unter sich sein – als Plattform mit Saloncharakter soll sie Kunstinteressierte und alle, die es werden wollen, ansprechen.

Ute Volz.
Ute Volz.
Foto: Karin Lange
Wie kann ein Verein die Sanierung für ein so großes denkmalgeschütztes Gebäude stemmen?

Als wir 2007 die Finanzierungszusage für ein EU-Projekt zum Bau unseres Besucherzentrums erhielten, standen wir vor einer recht grotesken Situation: Einerseits war das Dach der Halle völlig undicht, andererseits sollte hier nun ein Besucherzentrum entstehen. Im Nachhinein war dies wohl genau der richtige Weg, wir konnten unsere Förderer überzeugen, dass wir es ernst meinen und die Dachsanierung konnte schließlich finanziert werden. Inzwischen hat sich auch auf den Ausstellungsflächen viel getan und im Keller entstehen Lager und Werkstätten, momentan geht es mit der Sanierung der Außenfassade weiter. Unser neuestes Projekt ist ein Kursraum für die „Kreativen Spinner“. Wir gehen also Schritt für Schritt vorwärts, doch die Finanzierung ist immer problematisch, weil die Größe der Halle auch hohe Kosten für jede Baumaßnahme bedingt.

Auf Ihrer Webseite sprechen Sie auch Privatpersonen als Förderer Ihres Projektes an. Wie stark setzen Sie auf private Förderer?

Jeder kann Förderer der Halle14 werden. Damit wollen wir unser Förderkonzept erweitern – einerseits um Geld einzuwerben, andererseits um die Zusammenarbeit zwischen der Halle14 und anderen Kunsteinrichtungen und Künstlern voranzutreiben. Darüber hinaus erhalten wir Unterstützung durch unterschiedliche Stiftungen und die Stadt Leipzig. Je nachdem, was gefördert werden soll, kann da durchaus eine bunte Landschaft an Geldgebern entstehen. Direkte Unterstützung in Form einer Schenkung erhalten wir auch aus der Schweiz: Unsere Kunstbibliothek mit etwa 30.000 Büchern und anderen Medien wurde im Wesentlichen aus dem Archiv der Kunstmesse Art Basel aufgebaut. Sie wird jährlich erweitert.

Halle 14: Hier begegnen Kinder der Kunst ...
Halle 14: Hier begegnen Kinder der Kunst ...
Foto: Karin Lange
Eines Ihrer Projekte sind „Die Kreativen Spinner“, ein Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche. Was macht Kreative Spinner?

Die Idee hinter dem Projekt ist, Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Zugänge zur Kunst zu ermöglichen und dabei das unglaubliche Potenzial der Spinnerei zu nutzen, die viele Künstler als Arbeitsort gewählt haben. In gemeinsamen Projekten und Workshops mit Künstlern und Ausstellungsmachern des Spinnereigeländes lernen sie Kunst durch authentische Begegnungen kennen. Im Gegensatz zu anderen Kunstvermittlungsprogrammen, die auf Selbstverwirklichung, Kreativitätsschulung oder auf das Erlernen von verschiedenen handwerklichen Techniken konzentriert sind, wollen wir die Hemmungen abbauen, Kunst zu begegnen.

... und richtigen Künstlern.
... und richtigen Künstlern.
Foto: Karin Lange
Wie funktioniert das?

Die Kinder begegnen dem Künstler, erfahren direkt wie und womit er arbeitet. Einiges können sie auch selbst ausprobieren – also schon eine Art handwerklicher Schulung, die aber zeigen soll, was aus diesem Handwerk entstehen kann. Es geht nicht darum, aus den Kindern kleine Künstler zu machen, sondern die Welt einmal aus anderen Augen zu sehen. In einem Workshop lernten die Kinder etwa die Künstlerin Christiane Baumgartner kennen, die Geschwindigkeitsmotive in einer sehr langwierigen Technik, dem Holzschnitt, darstellt – in der direkten Auseinandersetzung konnten sie hinterfragen und verstehen, warum sie das tut. Für die Künstler ist dieser Ansatz ebenfalls interessant und spannend.

Die Halle 14 ist mittlerweile ein recht großes Kulturprojekt. Arbeiten Sie auch mit bislang weniger etablierten Kunsteinrichtungen zusammen?

Ja, es gab schon eine Zusammenarbeit mit dem Kunstraum D21. Wir wollen uns im Stadtteil vernetzen. Dabei können auch feste Kooperationen entstehen. Dabei geht uns nicht um eine Konkurrenz – wir wollen gemeinsam den Stadtteil beleben. Zudem können wir unsere riesige Halle 14 mit ihren fünf Etagen ohnehin nicht alleine füllen und haben deshalb von Beginn an Partner gesucht, die zu uns passen. So nutzen die Columbus Art Foundation und Universal Cube unabhängig von uns Ausstellungsflächen in der Halle. Unser Netzwerk außerhalb der Spinnerei ist uns aber vor allem wichtig, weil wir schon aus baulicher Sicht einen Inselcharakter haben aber nicht im eigenen Saft schmoren wollen.

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Was zeichnet für Sie persönlich Plagwitz aus? Wohnen Sie selbst im Leipziger Westen?

Ja, ich wohne in Plagwitz, habe allerdings auch noch keinen anderen Stadtteil als Wohnviertel kennengelernt. Ich empfinde Plagwitz als sehr vielseitig und im Fluss. Man merkt, hier passiert was. Auch die verschiedenen Akteure, Unternehmen oder Initiativen aus dem Kulturbereich engagieren sich sehr für ihren Stadtteil. Interessant ist, dass Plagwitz ihnen einen Freiraum lässt, wo Bewegung noch möglich ist. In vielen anderen Städten gibt es dieses Potenzial nicht mehr.


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