Finale für den ersten Werner-Bräunig-Preis: Wer bekommt den Lorbeer, André Hille?
Ralf Julke
14.01.2010
André Hille.
Auf der Leipziger Buchmesse wird am 13. März zum ersten Mal der Werner-Bräunig-Literaturpreis vergeben. Der Debütpreis erinnert an den 1976 gestorbenen Autor, einen unruhigen und unbequemen Geist, der durch seine Kompromisslosigkeit, vor allem aber durch seine kraftvollen Texte begeistert.
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Ausgeschrieben wurde er von der Leipziger Textmanufaktur und dem Aufbau Verlag Berlin. Das Besondere: Die auserkorene Autorin oder der erkorene Autor erhält einen mit 5.000 Euro Vorschuss dotierten Verlagsvorvertrag mit dem Aufbau Verlag. Die L-IZ sprach mit dem Autor und Gründer der Textmanufaktur André Hille (35).
Wie sieht es denn aus mit dem neuen Werner-Bräunig-Literaturpreis, der am 13. März erstmals vergeben werden soll? Wieviel Kandidaten hat die Textmanufaktur schon gekürt dafür?
Es gibt eine Longlist von 15 Kandidaten, die über das Jahr 2009 aus den Seminaren der Textmanufaktur ausgewählt wurden. Diese Autorinnen und Autoren sind in einer Anthologie vertreten, die der Textmanufaktur Verlag herausgibt. Und aus ihnen wählen das Aufbau-Lektorat und ich die aussichtsreichsten 6 Finalisten für das Wettlesen am 13. März aus. Der Sieger erhält einen mit 5.000 Euro dotierten Verlagsvertrag mit dem Aufbau Verlag.
Warum wurde Werner Bräunig als Namenspatron erkoren?
Hier gibt es viele Bezüge: Zum einen der Bezug zur Region. Bräunig wurde in Chemnitz geboren, hat in Leipzig am Literaturinstitut unterrichtet und ist in Halle gestorben. Sein Leben ist also sehr eng mit dem sächsisch-mitteldeutschen Raum verbunden. Bräunig war kein Elfenbeinturm-Autor. Er hat viel gejobbt, kam aus dem "richtigen" Leben, wie viele der Teilnehmer an den Textmanufaktur-Kursen auch. Und gerade hier versteckt sich oft interessante, erfahrungssatte Prosa. Beeindruckt hat mich auch seine Kompromisslosigkeit. Und das sind viele Autoren der Textmanufaktur auch: Sie schreiben hartnäckig neben Arbeit und/oder Familie an ihrem Roman und feilen an ihren Sätzen.
Ein weiterer Aspekt ist das Grenzüberschreitende. Bräunig hat sich in Westdeutschland als Gelegenheitsarbeiter durchgeschlagen, kam dann wieder zurück in den Osten. Der Werner-Bräunig-Literaturpreis soll also mitnichten ein „Ost-Preis“ sein, sondern gerade die Grenzüberschreitung betonen. Es geht um ungewöhnliche, gute, lebensgetränkte und authentische Prosa, egal ob der Autor/die Autorin aus Berlin, München oder Wien kommt. Ein letzter Aspekt: Mich begeistert an Bräunig vor allem, dass er sowohl Geschichten erzählen als auch wunderbar mit Sprache umgehen kann. Das ist, wenn man so will, das Ideal, an dem die Texte gemessen werden.
Gründer der Textmanufaktur: André Hille.
Foto: Marie-Luise Marchand
Gibt es für Autoren noch Chancen, am Wettbewerb teilzunehmen?
An diesem ersten Wettbewerb leider nicht mehr. Für den Preis 2011 werden allerdings jetzt schon wieder die ersten Projekte in den Seminaren ausgewählt.
Werden bestimme Literaturformen bevorzugt? Oder ein aktueller Zeitbezug wie bei Bräunig?
Es sollte sich um Prosa handeln, ansonsten ist die Literaturform sehr offen und muss keinen Zeitbezug zu Bräunig haben.
Haben Sie selbst eine besondere Beziehung zu Bräunig? Oder kam die Idee vom Aufbau Verlag?
Ich habe natürlich den „Rummelplatz“ begeistert gelesen. Dann bin ich an den Verlag mit der Idee einer Kooperation herangetreten, und bei Aufbau wurde diese Idee dann zum „Werner-Bräunig-Literaturpreis“ weiterentwickelt. Im Moment ist dem Verlag das Entdecken deutschsprachiger Autoren sehr wichtig, und so kam die Idee zu richtigen Zeit. Gemeinsam haben wir dann das Konzept entwickelt und ausgebaut.
Den Prosa-Nachwuchs fördern: André Hille.
Foto: Marie-Luise Marchand
Wie wird die Kür des ersten Preisträgers aussehen? Gibt es eine Jury?
Ja, es gibt eine Jury. Im Leipziger Club „Horns Erben“ werden die sechs Finalisten jeweils etwa eine halbe Stunde vor Publikum lesen. Die Jury, die letztlich den Preisträger bestimmt und den Hauptpreis vergibt, besteht aus Angela Drescher (Aufbau-Lektorin), Jenny Erpenbeck (Autorin) und Burkhard Müller (Literaturkritiker der Süddeutschen Zeitung).
Wann und wo wird die Auszeichnungsveranstaltung stattfinden?
Ausgezeichnet wird der Sieger/die Siegerin direkt nach dem Wettlesen am 13. März im Horns Erben. Anschließend wird bei einer Release-Party das Erscheinen der Jahresanthologie und der Preisträger gefeiert.
Wann gibt es das nächste Buchprojekt aus der Textmanufaktur?
Geplant ist ein Buch pro Halbjahr unter dem Motto „Bücher für Autoren“. Die Reihe startet zur diesjährigen Leipziger Buchmesse mit dem sehr lesenswerten und unterhaltsamen Buch „Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben“ von Titus Müller. Aktuelle Informationen finden sich unter www.textmanufaktur-verlag.de
Und wie sieht's mit eigenen literarischen Texten aus? Oder bleibt neben der Arbeit in der Textmanufaktur keine Zeit mehr dafür?
Im Alltag ist wenig Zeit. Ich versuche, mir einmal oder mehrmals im Jahr kleine „Zeitinseln“ zu schaffen, wo das Schreiben im Vordergrund steht. So war ich über den Jahreswechsel vier Wochen im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop und habe mein aktuelles Prosaprojekt vorangetrieben. Aber gerade diese Vielseitigkeit zwischen organisatorischer, inhaltlicher und wirtschaftlicher Arbeit macht mir eine Menge Spaß.
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