Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche




Tagesübersicht Leipziger Internet Zeitung
Alle Nachrichten von: heute | gestern | vorgestern

Fünf Minuten vor dem Tod: Wie die Leukämie Thorsten Nikolais Leben veränderte

Frank Schütze
Thorsten Nikolai.
Thorsten Nikolai.
Weihnachten 2007. Es war ein arbeitsreiches Jahr gewesen. Jetzt sollte Zeit bleiben. Zum Abschalten. Zum Entspannen. Thorsten Nikolai war müde. Eigentlich war er immer müde. Morgens nach dem Aufstehen. Und auch nach dem Frühstück verspürte er das Bedürfnis gleich wieder ins Bett zu gehen. So ging das ein paar Tage lang.

Anzeige

„Ich habe mir anfänglich nichts dabei gedacht. Vermutet, dass sich mein Körper eben die Auszeit nimmt, die er braucht.“, sagt er heute rückblickend.

Erst als die Kräfte zunehmend schwanden, die kleinste Belastung seine Lungen kräftig pumpen ließ, wurde der Geschäftsführer eines Leipziger Logistikunternehmens misstrauisch. Irgendetwas stimmte nicht. Er ging zum Arzt, machte einen Bluttest. Die Diagnose eindeutig und niederschmetternd zugleich – Leukämie. Rund vier Wochen habe er noch zu Leben, wenn nicht gleich etwas passiere.

Schon am darauffolgenden Tag lag Thorsten Nikolai in der Leipziger Universitätsklinik – Krebsstation. Die Chemotherapie und die aufwendige Suche nach einem geeigneten Stammzellenspender waren jetzt die Gedanken, die dem Unternehmer durch den Kopf schossen. Nikolai: „Ich habe angefangen, mich mit der Krankheit zu beschäftigen. Wollte verstehen, was da mit meinem Körper passiert.“ Im Grunde sei es ähnlich wie mit der Logistik, erzählt er. „Knochen, Muskeln, Sehnen und Blut muss der menschliche Körper perfekt miteinander verzahnen, damit das große Ganze reibungslos funktioniert. Wenn es der Organismus allerdings nicht mehr schafft, die lebensnotwendigen Bestandteile abzustimmen beziehungsweise ein wesentlicher Baustein ausfällt, hat man ein Problem.“

Chemotherapie.
Chemotherapie.
Foto: Frank Schütze
Und genau das hatte Thorsten Nikolai. Sein Körper hatte die Bildung roter und weißer Blutkörperchen eingestellt. Der Sauerstofftransport im Blut war verhindert, die Immunabwehr zur Bekämpfung von Infekten zerstört. Alles was noch da war, fiel anschließend der Chemotherapie zum Opfer. Der 46-Jährige besaß von nun an kein Immunsystem mehr. Seine einzige Chance – Keimfreiheit. Schon der kleinste Erreger kann in solchen Momenten das Leben kosten. Ein Risiko, was man nicht eingehen kann. Völlig isoliert und durch Plastikfolie geschützt vor dem normalen Leben sah Thorsten Nikolai die Welt da draußen. Unfähig die Hand seiner Frau zu berühren und der Tochter über die Wange zu streicheln, um zu zeigen: Es wird schon alles gut werden.

Nikolai ist ein Kämpfer. Einer, der nie aufgibt. Auch nicht, als die Entzündung seiner Speiseröhre ihm beinahe das Leben kostet. Vielmehr beginnt er gedanklich konkret seinen Tag zu strukturieren. Entschlossen schmiedet er Pläne für die Zeit danach: „Ich habe mich irgendwie immer geweigert zu akzeptieren, dass diese Krankheit mein Leben beendet. Sobald es etwas besser ging, nahm ich mein Handy und mein Laptop zur Hand und arbeitete. Das brachte mich auf andere Gedanken und die Geschäfte mussten ja auch weitergehen.“

In den Behandlungspausen, wenn der Unternehmer für ein paar Wochen nach Hause durfte, schwang er sich auf sein Fahrrad. Den Mundschutz vorm Gesicht. Eingeschränkt aber nie gebrochen. Bis zu 30 Kilometer rang er sich in einem Ritt ab. Er wollte fit sein für die kommenden Therapien, Reserven haben. Gleichzeitig lief in der Universitätsklinik fieberhaft die Suche nach einem geeigneten Knochenmarkspender. Eine Eigenspende hatten die Ärzte ausgeschlossen, auch die nahen Familienangehörigen passten nicht. Schlussendlich blieben nur die weltweite Datenbank und die vage Hoffnung, dass bei irgendeinem registrierten Spender mindestens sechs von zehn möglichen Merkmalen übereinstimmen. Erst ab dann kann eine Transplantation versucht werden.

Thorsten Nikolai hatte Glück: „Insgesamt vier Menschen waren ausreichend mit mir kompatibel. Laut den Ärzten war das eine sehr hohe Trefferzahl. Ich bin offensichtlich ein sehr gewöhnlicher Mensch“, scherzt der 46-Jährige heute. Wohlwissend, dass weltweit gerade einmal 13 Millionen Menschen, die doch recht aufwändige Prozedur einer Knochenmarkentnahme in Kauf nehmen würden und sich mit ihren Merkmalen haben registrieren lassen. „Wenn es einen dann selber betrifft, führt es einem sehr deutlich vor Augen, wie sehr man auf andere Menschen angewiesen ist und wie wenig uns allen das bewusst ist“, sagt Nikolai.

Die Transplantation konnte durchgeführt werden. Und obwohl seine Spenderzellen gegen seinen Körper massiv reagierten und nur durch den Einsatz von Cortison eine Zerstörung seiner eigenen Organe verhindert werden konnte, meisterte Thorsten Nikolai auch diesen letzten Weg erfolgreich.

Das Erlebnis Leukämie hat sein Leben umgekrempelt: Unternehmer Thorsten Nikolai.
Das Erlebnis Leukämie hat sein Leben umgekrempelt: Unternehmer Thorsten Nikolai.
Foto: Frank Schütze

Heute gilt er offiziell als geheilt. Seine Abwehrstoffe sind zwar teilweise noch mit dem Immunsystem eines Kleinkindes vergleichbar. Dass heißt, die Anfälligkeit auf Viren und Bakterien ist nach wie vor groß. Aber Stück für Stück kämpft sich Thorsten Nikolai zurück in sein altes Leben. „Obwohl, nicht ganz“, schränkt er ein: „Die Krankheit hat mich schon verändert. Meine Einstellung zum Leben und auch meine Prioritäten. Ich bin dankbarer geworden, habe zunehmend den Blick für das Wesentliche und die kleinen Wunder der Natur.“ Dazu zählen für ihn Begebenheiten wie das Beobachten einer Ameisenkolonie bei ihrer mühseligen Arbeit. Auch die Einstellung zur Arbeit hat sich verändert.

„Ich habe einen zweiten Assistenten eingestellt, der mich in vielen Belangen entlastet. Eines ist mir klar geworden: Vom Geld habe ich nichts, wenn ich nicht mehr lebe“, sagt der Unternehmer heute. Ein Gefühl ist dem 46-Jährigen aber besonders verhaftet geblieben – Dankbarkeit. Die Freude darüber, noch einmal neu anfangen zu können. Ein zweiter Geburtstag sozusagen. „Ich weiß, wie schwer es war, dem Tod von der Schippe zu springen. Jetzt möchte ich helfen, dass auch andere die Krankheit überwinden können“, sagt Nikolai und engagiert sich im Verein „Zusammen gegen den Krebs.“ Und noch ein Projekt hat er in diesem Jahr angeschoben. „Ich habe in meinem Unternehmen zwei Lehrstellen geschaffen, die ausschließlich für an Leukämie erkrankte Jugendliche beziehungsweise für junge Menschen, in deren Familien, die Krankheit den normalen Lebensrhythmus völlig zerstört hat, freigehalten werden“, erzählt der Logistiker und ergänzt: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie Leukämie eine ganze Familie in Mitleidenschaft zieht. Ich bin froh und dankbar, dass ich weiter leben darf. Jetzt ist es an der Zeit, anderen Betroffenen etwas zurückzugeben.“

Ein Interview mit Professor Doktor Dietger Niederwieser, Leiter der Abteilung Hämatologie und Onkologie an der Universitätsklinik Leipzig, zu den Heilungschancen bei Leukämie lesen Sie morgen an dieser Stelle.


Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks




Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Energie-Erlebnispfad im BSZ 7 eröffnet: Aha-Erlebnis bei jedem einzelnen ist wichtiger als ein Ministerwechsel

Schulleiter Thomas Graupner bei der Eröffnung des Energieerlebnispfades.
„Wenn jeder hier im Raum begreift, dass Energiesparen nötig ist und beim eigenen Griff zum Lichtschalter beginnt, dann ist es egal, ob es ab heute einen neuen Umweltminister gibt“, machte Schulleiter Thomas Graupner am Dienstag, 22. Mai, im Berufsschulzentrum 7 deutlich, worum es bei der neuen Bildungsinitiative Energie geht. mehr…

5 Prozent für Freie Szene: FDP-Fraktionschef sieht für Faber-Vorschlag keine Stadtratsmehrheit

Reik Hesselbarth, Vorsitzender der FDP-Fraktion.
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat Reik Hesselbarth hat den Beschlussvorschlag von Kulturbürgermeister Faber zur Umsetzung des Finanzierungsanteils für die Freie Szene scharf kritisiert. Denn statt einen Vorschlag zu machen, wie der Stadtratsbeschluss von 2008 bis 2013 erfüllt werden kann, hat Kulturbürgermeister Michael Faber am 16. Mai eine Verschiebung des Termins vorgeschlagen. mehr…

Leutzscher Derby - Kein Platz im Gästeblock: Chemie-Fans wollen auf den Norddamm

Die Fans der BSG Chemie
Eigentlich könnten sich die Freunde des Leutzscher Fußballs gedanklich schon in die Sommerpause verabschieden. BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig Leutzsch haben beide die Klasse gehalten. Sportlich betrachtet geht es für beide Teams in den letzten Saisonspielen nur noch um die goldene Ananas. Wäre da nicht das grün-weiße Derby am 9. Juni. Die Chemie-Fans nutzen die Gunst der Stunde für eine klare Ansage. mehr…

Herrenlose Grundstücke in Leipzig: Rot-gelber Streit um die politischen Verantwortlichen

FDP-Stadtrat Rene Hobusch.
Die Frage nach den personellen Konsequenzen in der Affäre um die Herrenlosen Häuser entzweit Leipzigs Parteien. Die linke OBM-Kandidatin Dr. Barbara Höll fordert eine Beurlaubung von Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD). Für Leipzigs FDP ist Oberbürgermeister Burkhard Jung der Verantwortliche, Hölls Forderung nur „eine erste wahltaktische Brücke“. mehr…

Leselust im Gohliser Schlösschen: Lesung mit Friedhelm Eberle am 27. Mai

Friedhelm Eberle
Am 27. Mai, um 19 Uhr, lädt der Freundeskreis „Gohliser Schlösschen“ e.V. herzlich zu einer „Pfingstlesung“ in den Festsaal des Hauses ein: „Erleben Sie mit uns die abenteuerlichen Geschicke des Reineke Fuchs, und wie es ihm, mehrfach angeklagt und verurteilt, immer wieder gelingt, mit verblüffender Intelligenz, mit Witz und Verschlagenheit, mit Lug und Trug, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, um schließlich sogar 'Kanzler des Reichs' zu werden.“ mehr…

Linke: Burgkhardts harte Haltung zur Leipziger Suchtpolitik ist nicht auf der Höhe der Zeit

Michael Burgkhardt.
Die Drogenpolitik und der Umgang mit Suchtkranken in Leipzig ist und bleibt offenbar ein heißes Eisen, das von dem einen oder anderen Protagonisten mit mehr oder weniger Eifer am Glühen gehalten wird. So schlug ein Interview von Michael Burgkhardt in der LVZ hohe Wellen. Der Chef der Bürgerfraktion im Stadtrat, gleichzeitig Suchtmediziner, ging mit der Stadt und dem Umgang mit der Drogenszene Leipzigs hart ins Gericht. mehr…

Leipziger Agenda-Preise 2012: Sieben Mal Anerkennung für Engagement für die Stadt

Vorbereitung der Querbeet-Eröffnung.
Am Dienstag, 22. Mai, wurden im Festsaal des Neuen Rathauses die Leipziger Agenda-Preise 2012 verliehen. In fünf Kategorien wurden Preisgelder in einem Gesamtumfang von 14.000 Euro sowie Sachpreise im Wert von rund 10.000 Euro vergeben. mehr…

Geschwisterseminar 2012: Noch Anmeldungen für Seminar für Eltern und Geschwister von Kindern mit Behinderung möglich

Geschwisterseminar.
Die Lebenshilfe Leipzig organisiert vom 8. bis 10. Juni zum zweiten Mal ein Geschwisterseminar mit der renommierten Sozialwissenschaftlerin Marlies Winkelheide (Bremen/Geschwisterkinder.de) und ihrem Team. Dieses wendet sich an die Eltern und Geschwisterkinder in Familien mit behinderten Kindern und findet in der Jugendherberge in Dahlen bei Leipzig statt. mehr…

Wie wird Leipzig zu einer nachhaltigen Stadt? - Auftaktveranstaltung für eine "Zukunftswerkstadt" am 29. Mai

Website "Leipzig weiter denken".
Den 29. Mai kann, wer Lust hat, sich über diese seltsame Stadt am sächsischen Westrand ein paar Gedanken zu machen, vormerken im Kalender. Es ist ein Dienstag. Und die Stadt lädt ein in die Kongresshalle, konkret in den Händelsaal. Ab 19 Uhr darf man rein und schon mal die Fühler ausstrecken, 19.30 Uhr beginnt die Auftaktveranstaltung für ein Leipziger Zukunftsprojekt. Motto: Leipzig weiter denken. mehr…

Am 24. Mai im Garten Annalinde: Die Saison ist eröffnet!

Annalinde.
Am 24. Mai um 15 Uhr lädt der Garten Annalinde mit Kaffee und Kuchen herzlich zur Eröffnung seiner Gartensaison ein. Seit Juni 2011 gibt es den mobilen Nutzgarten auf der Freifläche hinter der Bibliothek Plagwitz. Neben Kohl und Kartoffeln in Säcken werden dort Radieschen, Salat und Tomaten zusammen mit einer Vielzahl weiterer, teils alter Kultursorten in mobilen Hochbeeten angebaut. mehr…

Am 23. Mai im Haus des Buches: Martin Seel spricht über "111 Tugenden. 111 Laster"

Das nächste Monatlich Gespräch über Wissenschaft findet am Mittwoch, 23. Mai, um 19:30 Uhr im Haus des Buches (Gerichtsweg 23) statt. Moderiert wird es von Bettina Kremberg und Ulrich Johannes Schneider. Im Mittelpunkt steht Martin Seel, der über "111 Tugenden. 111 Laster" spricht. mehr…

Kirche Zuckelhausen: Orgelführung und Orgelkonzert zu Pfingsten

Die Königin der Instrumente, die Orgel, ist zu Pfingsten in der Kirche Zuckelhausen, Zuckelhausener Ring, zu entdecken und zu hören. Am Sonnabend, dem 26. Mai 2012, erläutert Orgelbauer Stefan Pilz bei einer Orgelführung um 10 Uhr die Funktionsweise der Johann-Gottlob-Mende-Orgel (1822). mehr…

Der Geburtsort der Reformation und die Keimzelle der Aufklärung: Wittenberg

Orte der Reformation. Wittenberg.
Mitteldeutschland befindet sich mitten in der Luther-Dekade. 2012 ist das Jahr der Musik. 2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal. Und die Evangelische Verlagsanstalt hat ein Heft-Projekt gestartet, das im Mai 2011 mit Nürnberg startete und den Verlag auf Jahre beschäftigen wird: Orte der Reformation. Das wichtigste Heft liegt jetzt mit "Wittenberg" vor. mehr…

Durch die Hintertür: Bundesregierung will missliebigen Organisationen die Gemeinnützigkeit aberkennen

Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe.
In Verfassungsschutzberichten landen nicht nur die wirklich staatsgefährdenden Organisationen. Oft beobachten die Schlapphüte auch Parteien und Vereine, von denen sie die Gefährdung nur vermuten. Manchmal über Jahrzehnte ohne Ergebnis. Da ist es schon erstaunlich, dass die Bundesregierung allein diese Beobachtungen zum Vorwand nehmen will, Vereinen ihre Gemeinnützigkeit abzuerkennen. mehr…

Rekord-Schau mit Schattenseiten: AMI Leipzig kann sich auch 2012 nicht von Gelände-Zirkus und Trabi-Geknatter lösen

AMI Leipzig.
Am 2. Juni beginnt in Leipzig die Automesse AMI. Der Zweijahresturnus, den die Automobilbranche ausgehandelt hat für den Leipziger Branchentreff, zeigt Früchte: Die Aussteller zerreißen sich nicht mehr zwischen den Messen. Die Ausstellerzahl in Leipzig steigt. Das Messetrio aus AMI, AMICOM und AMITEC verzeichnet ein zweistelliges Flächenwachstum von über 10 Prozent. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Anzeigen.
Veranstaltungshinweise der IHK Leipzig

Veranstaltungshinweise:

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
Zur Website der IHK Leipzig
Zur Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH

VERKEHRSMELDUNGEN:

NACHRICHTEN:

SCHNELLER SERVICE:

Weitere Termine unter: www.tdjw.de
Aktuelle Dossiers.
Anzeigen.
Leipziger Leselust Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher Leipziger Autoren und Verlage.
Link-Tipps.
Bildblog