Test auf der Leipziger Notenspur: Barrierefreiheit mit Hindernissen
Redaktion
29.03.2010
Test auf der Notenspur.
Am Freitag, 26. März, ging eine kleine Expertenrunde in die Spur, um eine rollstuhlgerechte Gestaltung der Leipziger Notenspur auszutesten. Erst einmal ging es um die Analyse der gegenwärtigen Schwachstellen. Und davon gibt es erschreckend viele, stellten Betroffene und Projektinitiatoren fest.
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Eine besondere Herausforderung bei der Konzeption eines behindertengerechten Stadtrundgangs sind die unterschiedlichen Anforderungen, die durch verschiedene Behinderungen an die Planung gestellt werden.
Für Blinde und Sehschwache gestaltet sich der Zugang zu den Informationen meist sehr schwierig. Flyer in Braille-Schrift sind für sie ebenso erforderlich wie Wiedergabegeräte, die nicht über Touchscreen, sondern über Tastatur bedient werden.
Rollstuhlbarriere an der Alten Nikolaischule.
Foto: Notenspur-Initiative
Für Körperbehinderte steht dagegen der Zugang zu den Orten im Vordergrund. Barrierefreie Wege, Aufzüge in Gebäuden, elektrische Türöffner und ausreichender Bewegungsraum sind nur einige der Anforderungen, die erfüllt sein müssen, um ihnen eine Teilhabe zu ermöglichen.
Diese und weitere Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern waren die Grundlage für die Schwachstellenanalyse auf der Notenspur am Freitag. Ausgewählt wurde die Teilstrecke zwischen Nikolaikirchhof und Thomaskirchhof, bei der die Notenspurstationen bereits rollstuhlgerecht gestaltet sind oder mit relativ geringem baulichen Aufwand rollstuhlgerecht gestaltet werden können. Da Betroffene die sich ihnen entgegenstellenden Hindernisse am besten beurteilen können und die Notenspur-Initiative anstrebt, Projekte nicht nur für Menschen, sondern mit Menschen zu entwickeln, wurden für die Führung Rollstuhlfahrer der Diakonie am Thonberg eingeladen. Eine weitere Unterstützung kam vom Baubeauftragten des Behindertenverbandes Leipzig, Rolf Sondershaus.
Rollstuhlexpertengruppe am Bachdenkmal.
Foto: Notenspur-Initiative
Bei der Begehung zeigten sich – selbst auf diesem überschaubaren Teilstück – zum einen bautechnische Fehler wie Schwellen, unzugängliche Türöffner oder zu hoch angeordnete Türklinken. Noch überraschender war jedoch der hohe Anteil von Hindernissen, die durch mangelnde Sensibilität gegenüber Behinderten verursacht werden. Durch Werbung oder Gastronomie zugestellte Wege sowie als Lagerraum genutzte Behindertentoiletten sind zwei „klassische“ Beispiele dafür.
Die Schwachstellenanalyse der Begehung auf der Notenspur wird der Stadt übergeben, die für die Planung und bauliche Realisierung der Notenspur zuständig ist.
Viele Personen müssen beim Anliegen mitwirken, um die vorhandenen Barrieren für behinderte Menschen abbauen zu können. Ein kleines Netzwerk hat sich bereits gebildet, in dem die Behindertenbeauftragte der Stadt, der Blinden- und Sehschwachenverband, die AG „Stadtführungen für Menschen mit Behinderungen“ und Stadträte mit der Leipziger Notenspur-Initiative zusammenarbeiten.
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