Happy Birthday „Villa“: Das soziokulturelle Zentrum wird 20 Jahre jung
Robert Weigel
01.04.2010
Ein Ständchen zum runden Geburtstag: Die Mitglieder der Arbeitslosen-Theatergruppe "Dramavision".
Foto: Robert Weigel
Wie alles angefangen hat, weiß eigentlich keiner mehr so genau. Und eigentlich auch nicht genau, wann. Aber es war wohl im Frühjahr 1990, als das, was in zwei Jahrzehnten zum soziokulturellen Zentrum „Villa“ heranwuchs, seinen Anfang nahm.
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Und weil das Datum nicht so genau bekannt ist, haben sich die „Villaner“ den 1. April zum Geburtstag auserkoren. In diesem Jahr ist es also der zwanzigste. Damals begann alles mit einer Besetzung: Während in der FDJ-Stadtzentrale in der Karl-Tauchnitz-Straße die Abwicklung der Vergangenheit vollzogen wurde, begann zeitgleich auf den Fluren die engagierte Arbeit kreativer Köpfe. Kurz darauf wurde der „Villa e.V.“ aus der Taufe gehoben – Leipzigs erster freier Träger in der Jugendhilfe.
„Die 'Villa' steht für sehr viele neue Ideen“ - Geschäftsführer Oliver Reiner.
Foto: Robert Weigel
Heute, (runde) 20 Jahre danach deutet am selbst bestimmten Geburtstag nicht viel auf Feierstimmung hin. Aber Selbstbeweihräucherung sei eh nicht Ding der „Villaner“, sagt Oliver Reiner. Der Dresdner ist seit zehn Jahren dabei und inzwischen zum Geschäftsführer aufgestiegen. Für den Sommer kündigt Reiner dennoch eine Überraschung an – will aber nicht mehr dazu verraten. Heute Abend trifft man sich erstmal im kleinen Kreis.
Die „Villa“, die inzwischen aus verschiedenen Gründen in Form zweier GmbHs firmiert, ist inzwischen von der Karl-Tauchnitz- in die Lessingstraße umgezogen. Verdoppelung des Raumangebots inbegriffen. Seit dem Umzug 1998, erklärt Reiner, habe man 700.000 Euro ins Gebäude gesteckt. Fast 70 Leute arbeiten heute in der „Villa“, rund 100 Veranstaltungen stehen Woche für Woche auf dem Plan. Eine Zahl, die Reiner oft misstrauisch macht, weil er sie kaum glauben kann. Aber wenn er nachrechnet, stellt er jedes mal erstaunt fest, dass sie stimmt.
100 Veranstaltungen pro Woche: Auch Kinder tanzen in der "Villa".
Foto: Robert Weigel
Reiner, den das Studium einst nach Leipzig verschlagen hatte, ist stolz auf das Erreichte. Auch wenn's nicht immer einfach war. 1996, erinnert er sich, hatte man mit der Aktion „Klopapier alle, Villa zu“ auf die prekäre Finanzlage verwiesen. Trotz 70.000 jährlichen Besuchern, vom krabbelnden Kleinkind bis zum rüstigen Rentner, steht die „Villa“ bis heute nicht auf der Liste zu fördernder Institutionen im Kulturetat für die „Freie Szene“. Aber jammern will Reiner zum Jubiläum trotzdem nicht.
Vor allem, weil man in den 20 Jahren einiges bewegen konnte. Es gibt ein Arbeitslosen-Theater, das vor allem junge, oft perspektivlose Arbeitssuchende in die Gesellschaft zurück bringt. Jede Menge Tanz-Angebote stehen im Kalender – weil die Räume sich dafür ganz einfach anbieten. Die erste stadtweite Schülerzeitung entsprang den kreativen Köpfen der „Villa“, auch ein Videomagazin – damals noch auf VHS – habe man mal gemacht. „Die 'Villa' steht für sehr viele neue Ideen“, weiß Reiner, der fürs Jubiläumsjahr einen besonderen Wunsch hat.
Bald Eigentum der "Villa"? Das soziokulturelle Zentrum in der Lessingstraße.
Foto: Robert Weigel
Das Gebäude in der Lessingstraße 7 wolle man gern erwerben. Bisher – auch das eine Ausnahme in der Leipziger Soziokultur – befand sich der dreistöckige Bau nämlich nicht in städtischer, sondern in privater Hand. Nur ist der Eigentümer jetzt pleite, die Zwangsversteigerung steht an. Mit dem Insolvenzverwalter habe man inzwischen vereinbart, dass eine mögliche Sonderkündigung beim Besitzwechsel ausgeschlossen ist.
Am liebsten, sagt Reiner, wolle man das Haus aber selbst kaufen. „Die Chance ist auf alle Fälle groß“, glaubt der Geschäftsführer, mit Hilfe von Banken und auch Freunden der „Villa“ das nötige Kleingeld aufbringen zu können. Ein großer Wunsch, aber auch ein würdiges Geschenk zum runden Geburtstag. Auch wenn man es sich selbst machen müsse.
Wir von der L-IZ drücken auf jeden Fall die Daumen und wünschen alles Gute zum Geburtstag!
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