Betrug am Steuerzahler?: Profis von RB Leipzig erschleichen sich „Studentenfutter“
Marko Hofmann
27.07.2010
Die Mensa am Park: Studentenort oder Restaurant?
Foto: Marko Hofmann
Profifußballer von RB Leipzig sind von mehreren Studenten in der „Mensa am Park“ beim Essen auf Kosten des Steuerzahlers gesehen worden. Die Spieler mit dem fürstlichen Salär haben sich ihren Mittagstisch zu Studentenpreisen gegönnt und damit Freistaat, Studenten und Studentenwerk betrogen. Dieses droht ertappten Betrügern mit Anzeige.
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Die Leipziger „Mensa am Park“ ist jeden Tag rappelvoll. Bis zu 5.000 Essen werden hier täglich von Studenten, Mitarbeitern und Gästen konsumiert. Aber auch Nicht-Studenten mogeln sich an die Essensausgabe und zwar vor allem Leute, die sich locker ein anderes Essen leisten könnten.
Mehrere Studenten haben L-IZ.de und dem Studentenwerk berichtet, dass auch Profifußballer von RasenBallsport Leipzig immer wieder in der Mensa einkehren und bei Preisen von 1,50 Euro bis 3,50 Euro für Hauptspeisen ordentlich reinhauen. Das Problem: Die Mensa ist kein öffentliches Restaurant. Nur Studenten, Bedienstete und wenige Gäste haben Anspruch auf ein Essen. Viel mehr noch: Die Studentenessen subventionieren nicht nur die Studenten über ihre Semesterbeiträge selbst, sondern auch der Freistaat mit Steuergeldern. Zu jedem gefüllten Teller schießt er zirka 90 Cent zu. Das Mensa-Essen bezahlen die Studenten mit ihrem Studentenausweis. Barzahlung ist nicht möglich. Wie kommen die Spieler also an ihr Essen?
Ein Augenzeuge gegenüber L-IZ.de: „Am 30.Juni sah ich die Spieler Watzka und Rosin in der ,Mensa am Park'. Watzka ging zu Rosin, der schon aß und übergab ihm eine Chipkarte“. Offensichtlich mischt also jemand aus der Studentenschaft im rotblauen Betrugsgeschäft mit und steckt den Profifußballern seine Karte zu. „Wir haben durch eigene Recherchen herausgefunden, dass es Sport-Studenten gibt, die ihre Karte an Fußballer dieses Vereins weitergeben“, erklärt Uwe Kubaile, Abteilungsleiter des Bereichs Mensen und Cafeterien des Studentenwerks gegenüber L-IZ.
Und Rosin sowie Watzka sind augenscheinlich nicht die einzigen Profis. Auch Nico Frommer, Sebastian Albert sowie Ex-RB-Profi Christian Reimann sollen bereits beim Dinieren in der Mensa gesichtet worden sein.
Die subventionierten Angebote der Studentenmensa kommen an: Bezahlung nur mit Chipkarte möglich
Foto: Marko Hofmann
Frommer, Rosin, Watzka und Albert haben teilweise jahrelang mindestens in der zweiten Liga gespielt und entsprechendes Geld verdient. Profis, die auch heute noch mit ihrem mindestens vierstelligen monatlichen Auskommen die Delikatessen-Abteilung jedes Supermarkts mit nach Hause nehmen könnten. Dass sie mit Gästekarten in der Mensa anrücken ist dabei ausgeschlossen. „Wir vergeben keine Gästekarten an Einzelpersonen“, so der Geschäftsführer des Studentenwerks Frank Kießling im Gespräch mit der L-IZ.
Das Studentenwerk bezeichnet diesen Vorgang als Subventionsbetrug und der ist strafbar. Deswegen sollen auch alle, die ertappt werden, dass sie ihre Karten an Nicht-Studenten weiterleiten, angezeigt werden.
Die Mensen in eine betrugsfreie Zone umzuwandeln ist derzeit nicht möglich und wird wohl nie möglich sein. „Bei 5.000 Essen am Tag allein in der „Mensa am Park“ können wir nur versuchen, den Betrug mit Studentenkarten so gering wie möglich zu halten. Ganz verhindern werden wir es nie können“. Immerhin: Das Studentenwerk will im Oktober ein neues System in Betrieb nehmen, was zumindest die zeitliche Gültigkeit der Studentenausweise überprüfen kann, auch wenn das erstmal nur ein kleines Hilfsmittel gegen den Betrug sein wird. Kießling und Kubaile vertrauen deshalb auch auf die Studentenschaft als weitaus mächtigeres Hilfsmittel.
Sollte der Betrug in den Mensen weiter ausufern, wird irgendwann auch eine Preiserhöhung kommen müssen
Foto: Marko Hofmann
Die Studenten sollen sich untereinander mehr zur Ordnung rufen. Vor allem im eigenen Interesse, denn sollte der Betrug in den Mensen – und dieser Fall mit RB ist nicht die einzige Art des Betrugs – weiter ausufern, wird irgendwann auch eine Preiserhöhung kommen müssen. „Schon jetzt ist unser Budget sehr knapp bemessen“, gibt Kubaile zu.
Und selbst wenn es der eine oder andere als sensationell empfinden sollte, dass neben ihm RB-Spieler die „Nudel satt“ - Aktion für 1,70 Euro verzehren: Die Spieler betrügen ihre Tischnachbarn, den Freistaat und damit jeden Steuerzahler.
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