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Tückisch der Hausfrieden an manchem Herd: 10.000 Bäckertüten gegen Gewalt im Heim

Bernd Reiher
Tütenaktion im Leipziger Land.
Tütenaktion im Leipziger Land.
Foto: Ines Weigelt/Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Leipzig
„Sprechende Bäckertüten“, das ist nicht unbedingt ein Titel, hinter dem man Ernstes vermutet. Im Landkreis Leipzig hat man ihn aber für ein Projekt gewählt, mit dem auf ein brenzliges Thema hingewiesen werden soll: häusliche Gewalt. Im Rahmen des Vorhabens wurden 10.000 Tüten bedruckt.

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Aufschrift jeweils: „Gewalt gegen Frauen - auch wer wegschaut macht sich schuldig“.

Die ungewöhnliche Aktion geht am 25. November in rund 20 Bäckereien über die Bühne. Mit der Maßnahme soll an die Kundschaft appelliert werden, im Fall des Falles nicht wegzusehen. Motto: „Ob in der Familie, im Bekanntenkreis oder in der Nachbarschaft - der gefährlichste Ort für Frauen ist das eigene Zuhause.“ Der Anlass ist erschreckend: vier Fünftel aller zuhause registrierten Gewalt wird an Frauen verübt. Dass mancher Vorfall am heimischen Herd gar nicht erst bei der Polizei landet, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aufmerksam machen und nicht herunterreden, das ist eines der Anliegen des Unterfangens mit den „Sprechenden Bäckertüten“ im Leipziger Land. Eine der Initiatorinnen der Aktion ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Ines Weigelt. Von ihr wollten wir wissen, wie es zu dieser Aktion kam, und warum diese aus ihrer Sicht gerade im Landkreis Leipzig nötig geworden war.

Ines Weigelt, Gleichstellungsbeauftragte des  Landkreises Leipzig.
Ines Weigelt, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Leipzig.
Quelle: Ines Weigelt

Frau Weigelt, am 25. November startet im Landkreis die Aktion „Sprechende Bäckertüten - gegen Gewalt an Frauen“ - worum geht es dabei genau?

Die Aktion hat den Hintergrund, dass möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern über die morgendliche Bäckertüte Informationen über Beratungsangebote des Landkreises zum Thema Häusliche Gewalt an die Hand gegeben werden. Ziel ist es einerseits, Betroffenen zu helfen, die nicht wissen, wo sie sich hinwenden können und andererseits die Öffentlichkeit für diese Problematik zu sensibilisieren.

Wie kam es zu dieser Aktion - warum findet sie gerade im Landkreis Leipzig statt?

Gemeinsam mit Kerstin Kupfer von der Interventionsstelle zur Bekämpfung Häuslicher Gewalt und dem landkreisweiten Arbeitskreis Häusliche Gewalt wird bereits seit 2002 intensive Öffentlichkeitsarbeit geleistet, damit Gewalt im häuslichen Umfeld aufgedeckt und strafrechtlich verfolgt wird. Laut Statistik ist jede vierte Frau in Deutschland von häuslicher Gewalt betroffen, diese Zahlen machen auch um den Landkreis Leipzig keinen Bogen. Aus diesem Grunde haben wir überlegt, wie wir das im Landkreis umsetzen können. Es war schnell klar, dass wir auf Bewährtem aufbauen können, denn in beiden ehemaligen Landkreisen hat es in den vergangenen Jahren die Brötchentütenaktion gegeben. Diese haben wir aktualisiert und viele Gleichstellungsbeauftragte in den Städten und Gemeinden des Landkreises haben die Bäckereien um Unterstützung gebeten.

Die drei Figuren auf dem Tütenmotiv.
Die drei Figuren auf dem Tütenmotiv.
Quelle: Ines Weigelt/Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Leipzig

Was wollen Sie mit diesem Projekt erreichen - was wünschen Sie sich von dieser Aktion?

Wir wollen, dass das Thema „Häusliche Gewalt“ öffentlich wird und dadurch mehr Unterstützung für Betroffene erfolgt. Wir alle haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung und Gewalt darf nirgends akzeptiert werden. Deshalb ist es unser Wunsch, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger mit dieser Aktion zu erreichen.

Was gibt es in dieser Sache noch zu sagen - was habe ich vergessen zu fragen?

Laut Statistik der Polizei Sachsen waren mit fast 80 Prozent Frauen in der Mehrzahl die Opfer im häuslichen Umfeld. Seit Anfang 2010 hat es im Landkreis Leipzig 71 ratsuchende Personen gegeben, die Dunkelziffer ist weitaus höher. Insgesamt wurden 280 Beratungen durchgeführt, 104 erfolgten aufsuchend, also direkt bei den Betroffenen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass oft in den Familien auch Kinder leben, die direkt oder indirekt Opfer werden. Die Hemmschwelle von Männern, sich Hilfe zu holen, liegt weitaus höher, da es ihnen besonders schwer fällt zu sagen, dass sie betroffen sind.

Ines Weigelt, Anke Thomas, Kerstin Kupfer, Franz Eder (vlnr.).
Ines Weigelt, Anke Thomas, Kerstin Kupfer, Franz Eder (vlnr.).
Foto: Ines Weigelt/Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Leipzig

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