Konzert für Afghanistan: Interview mit Organisator Benjamin Weinkauf
Daniel Thalheim
03.11.2011
Julia Neigel ist beim 4. Konzert für Afghanistan am 5. November im Leipziger Anker dabei.
Bild: Star Media / Michael Schöne
Zum vierten Mal gibt es das Konzert für Afghanistan schon. Am kommenden Samstag, den 5. November steigt die Show im Leipziger "Anker" mit Julia Neigel, Sebastian Krumbiegel, Manfred Maurenbrecher und Volly Tanner. Es ist eine Spendenaktion für die Kinder in Afghanistan geplant. Der Eintritt ist natürlich frei. Organisator Benjamin Weinkauf erzählt, worum es ihm und seine Helfer geht.
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Es ist das vierte Mal, dass das Konzert für Afghanistan stattfindet. Freut Sie der Zuspruch, der langsam zu Wachsen scheint?
Natürlich freut uns das Wachsen und Werden dieser Veranstaltung ungemein. Das Interesse, sowohl der Künstler, als auch des Publikums, zeigt uns, dass es ein Bedürfnis danach gibt, Hilfsprojekte langfristig zu unterstützen und mit Kontinuität dazu beizutragen, dass sich katastrophale Zustände dauerhaft ändern. Soforthilfe nach Naturkatastrophen und im Zuge von kriegerischen Konflikten ist extrem wichtig, aber ebenso drinegnd notwendig ist es, die Umstände im Auge zu behalten, wenn der Focus der Medienöffentlichkeit sich auf die nächste Baustelle richtet.
Wie sind Sie mit den Künstlern in Kontakt getreten?
Die meisten der Künstler kenne ich seit vielen Jahren und bin mit ihnen privat befreundet. Johannes Kirchberg zum Beispiel kenne ich seit 1987. Wir haben damals zusammen Songs geschrieben und gemeinsame Auftritte gehabt. Heute freue ich mich als Veranstalter darüber, dass unsere Freundschaft so lange gehalten hat und sich unsere Liebe zur Musik mit unserem unbedingten Wollen verbinden lässt, den Scheußlichkeiten auf dieser Welt etwas entgegenzusetzen.
Hochkarätige Besetzung für Kinderhilfsprojekte in Afghanistan..
Bild: Konzert für Afghanistan.
Kommt es schon vor, wo Künstler einfach sagen, "Ich will dabei sein"?
Das beste Beispiel für diese Frage ist Julia Neigel. Wir haben einen gemeinsamen Freund, Arno Köster, kannten uns aber bisher nicht persönlich. Er war ein paar Mal zu Gast bei uns und hat Julia von dem Projekt erzählt. Und eines Tages rief sie an und sagte: „Ich hab meine Bookingagentur gebeten, den Termin frei zu halten. Ich möchte dabei sein!“
Warum findet das Konzert in Leipzig statt, und nicht in Dresden oder Berlin?
Der Ort ist einfach dem Umstand geschuldet, dass ich Leipziger bin. Ich habe viele Jahre meine Geburtstage in der "Vodkaria" in der Gottschedstraße gefeiert. Dort haben meine musizierenden Freunde wunderschöne Sessions gespielt. Und statt Blumen und Geschenken haben meine Gäste Geld für die "Kinderhilfe Afghanistan" gespendet. Dirk Zöllner war es, der dort eines Abend sagte: „Benjamin, die Party ist klasse, aber das Anliegen ist es wert, die Sache größer zu machen.“ Heike Engel vom Klubhaus Anker stand in diesem Moment genau neben uns und in dieser Minute entstanden die Konzerte für Afghanistan.
Der Erlös geht an die Kinderhilfe in Afghanistan: Was können Sie über die Situation der dortigen Kinder erzählen?
Die Kinder, die Schüler an einer der von der "Kinderhilfe Afghanistan" betreuten Schulen sind, haben eine Perspektive. Sie lernen Lesen und Schreiben, ab einem entsprechenden Alter können viele von ihnen Computerkurse besuchen und bekommen so auch einen Blick hinaus in die Welt. Sie haben damit zum einen die Chance, ihr Leben selbst zu bestimmen – zum anderen sind gebildete Kinder und Jugendliche das Fundament einer friedlichen künftigen Gesellschaft in diesem Land. Wer sich etwas tiefer mit der Situation der Kinder in Afghanistan befasst, stößt nach wie vor auf katastrophale Zustände. Und ohne das vereinfachen zu wollen: aber diese Umstände sind überwiegend das Ergebnis mangelnder Bildung der Generation, in deren Händen die Erziehung liegt.
Daher ist es wichtig, an dieser Stelle dranzubleiben und sich nicht vertrösten zu lassen, irgendein militärisches Engagement könne die Missstände dort ernsthaft umkrempeln. Die "Kinderhilfe Afghanistan" arbeitet absolut unabhängig von ausländischen Militärmissionen im Land. Das ist einer der Gründe, warum diese Schulen keinen Angriffen durch Radikale gruppen ausgesetzt sind. Die afghanische Bevölkerung baut diese Schulen selbst. Sie werden unterstützt, aber sie bekommen keinen Klotz und keine Besserwisserei vor die Nase gesetzt. Die Kinder und deren Familien wachsen mit dem Gefühl auf: das ist unsere Schule. Diese Identifikation kann einem Militärkonvoi gegenüber freilich nicht stattfinden.
Wie viel Spenden konnten in den vergangenen Jahren gesammelt werden?
Im vergangenen Jahr kamen über als 3.000 Euro zusammen. Damit haben wir mehr als einhundert Kindern ein Jahr lang den Schulbesuch finanzieren können. Das Spendenergebnis wollen wir natürlich in diesem Jahr steigern.
Wissen Sie, für welche Projekte das Geld benötigt wird?
Das Geld fließt in den Bau von Schulen, in die Ausbildung und wird u.a. als Gehalt für Lehrer eingesetzt. Wer am Sonnabend 50 Euro spendet, hat damit ein Monatsgehalt für einen Lehrer bezahlt und sichert neben dem Zugang zu Bildung auch ein Einkommen. Die "Kinderhilfe Afghanistan" setzt die hier gesammelten Spenden in Afghanistan direkt ein. Das heißt auch, dass die Baumaterialien und die Ausstattung in Afghanistan gekauft werden. Was ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Dem Land ist nicht geholfen, wenn wir dort tausende alter Schulbänke, per Schiff und LKW transportiert, abladen. Vorsichtige Schätzungen besagen, dass die "Kinderhilfe Afghanistan" inzwischen ein größerer Arbeitgeber ist, als beispielsweise die Bundeswehr, die ja auch Einheimische als Servicekräfte beschäftigt. Nach einem Abzug der westlichen Armeen stehen diese Leute vor dem Nichts. Auch diesbezüglich halte ich das Engagement der "Kinderhilfe Afghanistan" für nachhaltiger.
Wie funktioniert das Konzert?
Wir sind ein bunter Haufen von Leuten, die eigentlich alle in anderen Berufen stecken. Wir haben eine ganze Menge Freunde, die uns unterstützen. Das schöne am Internet ist ja, dass ich hier auf unsere Website verweisen kann. Deine Leser klicken zweimal mit der Maus und erfahren alles, wofür hier der Platz zu knapp geworden wäre. Zum Beispiel auch, wer neben dem Anker, dem Ratskeller und DHL noch zu den fleißigen und kontinuierlichen Unterstützern dieses Projekts gehört. Lass mich sagen, dass es ein Unterschied ist, ob ich Werbung mache, oder jemandem Danke sage.
Was erhoffen Sie sich vom Benefizkonzert in diesem Jahr?
In erster Linie erhoffen wir uns natürlich einen vollen Saal. Uns ist durchaus klar, dass mit „WETTEN DASS...?“ ein echter Publikumsmagnet über den Bildschirm flimmert. Aber anders als Deutschlands letzte große ernstzunehmende Fernsehshow verfügen wir nicht über eine Mediathek im Internet, in der man sich die Veranstaltung auch nachträglich ansehen kann. Schön wäre es, wenn sowohl unser Publikum als auch unsere Künstler die Idee hinter dem Konzert mit aus dem Saal nach Hause bzw. auf ihre Tourneen nehmen. So hat Manfred Maurenbrecher zum Beispiel vor einer Woche bei einem eigenen Konzert für die "Kinderhilfe Afghanistan" Spenden gesammelt. Haudegen, die dieses Jahr wegen Terminschwierigkeiten absagen mussten, wollen 2012 ein eigenes Konzert zugunsten unserer Initiative geben.
Und eine Hoffnung verbinde ich mit dem Konzert ganz persönlich: jeder kann sich bewusst machen, dass die eigenen Fähigkeiten und der persönliche Einsatz etwas bewegen. Wir haben die Bildung für die Kinder Afghanistans im Blick. Jeder kann sich so eine Baustelle suchen. Die Welt ist übersät mit Wunden, die geheilt werden müssen. Die Zeit, in der wir fluchend und verzweifelt vor der Glotze sitzen, muss zu Ende sein. Es lohnt den Hintern zu bewegen. Wenn wir dieses Gefühl am Sonnabend vermitteln können, hat sich der Aufwand gelohnt.
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