Wovon Leipziger träumen: Olaf Winkler über Gesundheit, Lindenau und Lok
Gernot Borriss
26.12.2011
Foto: Gernot Borriss
Olaf Winkler ging nach Lindenau, als andere zu der Gegend lieber Plagwitz sagten. Seit 1995 führt er den „Joseph-Pub“. Das Lokal liegt in der gleichnamigen Straße, die heute besonders angesagt ist. Winkler wünscht sich Gesundheit, träumt von weiterem Zuzug nach Lindenau und manchmal auch in blau-gelb.
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„Der Kneiper ist Malocher, der nicht auf die Stunden schauen sollte“, sagt Olaf Winkler, Jahrgang 1964, über seine Profession. Dass er das Leben als Gastronom nicht als Last versteht, sondern aus Leidenschaft lebt, beweist der Erfolg des „Joseph-Pub“. So heißt Winklers Kneipe in der Lindenauer Josephstraße, deren eigene Küche täglich bei einem umfangreichen Speisenangebot Schmackhaftes hervorzaubert.
Seit 1995 bewirteten Winkler und sein Team bereits Gäste in der ehemaligen „Broiler-Bar“ im Leipziger Westen. Die Lokalität ist Teil des Joseph-Konsums. Das historische Eckgebäude an der Karl-Heine-Straße/Ecke Josephstraße hatte die Firma Leipzig Concept damals gerade saniert.
Vor der Sanierung hatte der volkseigene Hähnchengrill „Fußböden, wo man bis in den Keller gucken konnte“, erinnert sich der gelernte Autoschlosser. Und auch an der Karl-Heine-Straße war wenig von dem Leben zu spüren, das die Gegend heute auszeichnet.
Seit 1995 führt Olaf Winkler den „Joseph-Pub".
Foto: Gernot Borriss
Das war die Zeit, „als wir mit dem Lindenfels die einzigen waren“, erzählt Olaf Winkler weiter und fügt an: „Ich habe alle Höhen und Tiefen des Viertels miterlebt.“
Mitte der 1990er träumte mancher noch von Wolkenkratzern in der nahen Plagwitzer Geisterstadt, die einmal zu den größten Fabrikarealen der Welt zählte. Wenn überhaupt, so schien damals „Plagwitz“ noch eine Chiffre für Zukunft zu sein. Deshalb schlug so mancher Großstadtpionier jener Jahre die Gegend nördlich der Karl-Heine-Straße auch Plagwitz zu. Lindenau hatte damals weder Werbewert, noch löste es viel Fantasie aus.
Doch Winkler war immer überzeugt: „Wenn die Südvorstadt zu ist mit Wohnungsangeboten für die Ausgehfreudigen, dann gehen sie in den Westen.“ Und so ist es ja denn auch gekommen.
Der enorme Zuzug der letzten Jahre freut den Gastronomen. Seit Jahren kämen auch immer wieder neue Gäste. Spätestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 1998 habe man auf Außengastronomie im Innenhof gesetzt. Vor vier Jahren kam ein Raucherraum hinzu, in dem auch indoor Fußball geschaut werden kann. Doch Winkler will sich nicht auf eine Fußballkneipe fokussieren lassen, nicht nur wegen der Spielpausen im Sommer und Winter.
Olaf Winkler hat alle Höhen und Tiefen des Viertels miterlebt.
Foto: Gernot Borriss
Olaf Winkler schätzt das „Westpaket“ und nennt es „eine gute Sache, wenn sich an einem Samstag nebenan tausende Leute entspannt auf der Straße bewegen“. So wünscht sich der Gastronom einen „weiteren Zuzug von Gewerbetreibenden und interessanten Leuten“ nach Lindenau und Plagwitz. Dabei sei für ihn „der Mix entscheidend“. Ein künstlich beschleunigter Hype im Viertel ist nicht sein Ding „Besser, wenn es gesund wächst“, sagt Winkler.
Überhaupt Gesundheit. Das ist privat sein größter Traum und Wunsch für seine Mitmenschen. „Wir müssen zuverlässig sein“, lautet seine Geschäftsmaxime. „Dass ich für den Gast zuverlässig bin“ bei Öffnungszeiten, Qualität und Service, ist für Winkler das A und O.
„Ich träume auch blau-gelb“, gesteht Winkler, „das sind auch die Stadtfarben“. Aber eben nicht nur. Fußball-Kenner wissen, dass der 1. FC Lokomotive die Stadtfarben seit 1966 als Vereinsfarben führt. An der Lokschen hängt der Mitvierziger. Sein Umzug von Probstheida in den Leipziger Westen tat daran keinen Abbruch.
„Ziel ist schon, dass wir die vierte Liga erreichen wollen“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende des einstigen Europacup-Finalisten. „Und perspektivisch auch die dritte“, fügt er an, ohne einen zeitlichen Rahmen setzen zu wollen.
Sein Ehrenamt sei „spannend und macht viel Spaß“, findet Winkler, außerdem „sehr aufwändig und zeitraubend.“ Mit RasenBallsport habe man in Leipzig jemanden „vor der Brust, mit dem wir uns sportlich fair auseinander setzten sollten“, meint der Fußball-Freund. Nach seiner Ansicht sollte die Loksche ein „Verein mit einer sehr sympathischen Außendarstellung“ sein: für den Nachwuchs, für die Zuschauer und für die vielen lokalen und regionalen Mittelständler, die als Sponsoren herzlich willkommen sind.
„Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir sehr gute Chancen haben“, beschreibt Winkler die Perspektiven seines Vereins. Doch dazu müsse mittelfristig auch etwas am Stadion in Probstheida geschehen.
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