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Wovon Leipziger träumen: Elia van Scirouvsky malt ein facettenreiches Bild von Leipzig

Daniel Thalheim
Elia van Scirouvsky, ein verhinderter Lehrer der ein Leipziger Dichter wurde.
Elia van Scirouvsky, ein verhinderter Lehrer der ein Leipziger Dichter wurde.
Foto: Daniel Thalheim
"Erzgebirger bitteschön – da sind wir sehr genau", sagt der längst in Leipzig angekommene Lyriker augenzwinkernd zu jedem, der ihn als "Erzgebirgler" tituliert. Leipzigern wird er schon untergekommen sein. Glatt rasierter Kopf, roter Zopf und immer ein Gedicht auf den Lippen. Elia van Scirouvsky heißt der Autor aus dem Erzgebirge, der auch Moderator beim "Durstigen Pegasus" ist. Dort lehnt er sich über sein kühles Bier und erzählt.

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"Mich hat das Studium nach Leipzig verschlagen – ich habe hier Germanistik und Philosophie auf Lehramt studiert", berichtet van Scirouvsky den Grund seines Umzuges aus Marienberg in die Pleißemetropole. 2002 war das. Damals konnte er schon auf eine bewegte Zeit zurück blicken. Lehre, Arbeit, Soldatendienst. Die DDR hatte ihn voll im Griff. Nach der Wende öffnete sich sein Blick gen Norden. "Leipzig kannte ich schon durch das WGT, Buchmesse, Konzerte und durch Freundinnen, die ich in dieser Stadt hatte – also lag der Umzug nahe, zumal es nahe meiner Heimat ist."

Was ihn nach seinem Studienabschluss 2008 in Leipzig hielt, waren nicht nur Frauen, Klubs und Kneipen allein. "Gehalten hat mich das 'sächsische Bildungssystem', welches mir nach zwei Bewerbungen keinen Referendariatsplatz in Sachsen gab. In Sachsen wollte ich bleiben. Aber auf gepackten Koffern zu leben und abzuwarten, was da kommt, war mir auf Dauer zu dumm und ich habe die Entscheidung getroffen, in Leipzig zu bleiben, dann eben nicht als Lehrer." Van Scirouvsky war damals schon als Schriftsteller umtriebig. Er war Moderator und Organisator der Autorenlounge innerhalb des "East End" - der Reudnitzer Kulturnacht in den Jahren 2005 bis 2007 sowie 2009.

"Leipzig ist die ideale Stadt für mich als Schriftsteller und Freund der Kleinkunst, Leipzig hat sehr viel Grün, ist überschaubar und es ist eine junge und weltoffene Stadt", sagt er über die Messestadt. Inzwischen sieht er sich als Leipziger. Wird auch von seinen Leipziger Freunden so gesehen. "Ja. Ich gebe zu, es hat eine Weile gedauert – eine Liebe, die sich entwickeln musste, auch deshalb, weil ich am Anfang in der Gewissheit lebte, hier wieder weg zu müssen. Jetzt kann ich sagen, dass ich angekommen bin und ich werde hier bleiben – ich bringe mich mit meiner Person, mit meiner Arbeit ein."

Leipzig schafft es, mich immer wieder zu überraschen ... ein Ergebirger in Leipzig.
Leipzig schafft es, mich immer wieder zu überraschen ... ein Ergebirger in Leipzig.
Foto: Daniel Thalheim
Mit dem Außenblick eines Zugereisten hat der Lyriker einen anderen Blick auf die Stadt als ein eingeborener Leipziger. "Oh, das eine Bild von Leipzig gibt es nicht – diese Stadt ist sehr facettenreich. Mein Bild ist größtenteils durch die Südvorstadt geprägt mit ihren vielen Kneipen, die Nähe zur Innenstadt, die vielen jungen Familien, die hier wohnen, die Studenten – ein eigenes Flair. Was auffällig ist: Leipzig hat sehr viel Grünflächen – zum Morgenlauf geht es in den Clara-Park, mit dem Rad etwas weiter bis hin zum Cospudener. Als Erzgebirger ist mir Natur in meiner unmittelbaren Umgebung sehr wichtig."

Erwartungen an Leipzig hatte der Marienberger nicht. "Vielleicht auch, weil ich die Stadt schon ein wenig kannte. Aber Leipzig schafft es, mich immer wieder zu überraschen", sagt der Schriftsteller. Negativ stößt ihm hingegen etwas ganz anderes auf: "Manchmal nervt mich hier der Kampf zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern. Autofahrer parken Radwege zu, Radfahrer fahren bei Rot über alle Ampeln und Fußgänger stehen auf der Straße rum. Ich kenne alle Sichtweisen – aber was ich stellenweise erleben muss, ist haarstäubend – was aber vielleicht ein typisches Großstadtproblem ist."

Für Scirouvsky war der städtische Umgang mit dem braunen Zentrum an der Odermannstraße, und dass dort überhaupt die NPD einziehen konnte, nicht ganz nachvollziehbar. "Kritikwürdig, dass was in der Odermannstraße passierte – ohne dass dort Regelungen angewendet wurden, die sonst für derartig genutzte Räume üblich sind. Aber glücklicherweise zeigen die Leipziger immer wieder, dass hier kein Raum für rechtes Gedankengut ist."

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