100 Jahre UT Connewitz: Leipzigs ältestes Lichtspieltheater feiert mit buntem Veranstaltungsprogramm
Daniel Thalheim
19.01.2012
100 Jahre UT Connewitz: Das Vereinsteam des UT Connewitz' feiert mit Veranstaltungsprogramm und guten Nachrichten.
Foto: Daniel Thalheim
Im Dezember 2012 wird das UT Connewitz 100 Jahre alt. Das alte Lichtspieltheater feierte seinen Einstand am 1. Weihnachtsfeiertag 1912. Natürlich blätterte viel Farbe in den vergangenen Jahrzehnten ab. Der verwitterte Charme soll erhalten bleiben. Zu schön ist das Erstaunen der Besucher. Mit dem Jubiläumsprogramm soll der Effekt verstärkt werden. Der Vorsitzende des Vereins UT Connewitz, Thomas Noack, stellt es vor.
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Bei 220 Veranstaltungen für 2011 nutzt sich einiges ab. Auch der Zahn der Zeit nagte an der alten Dame. Die lang ersehnte Finanzspritze von insgesamt 107.000 Euro ist da. Das UT Connewitz will 2012 sanieren. Aber nur so viel, dass der verwitterte Charme des alten Kinogebäudes erhalten bleibt. Das sind die Vorstellungen des UT Connewitz e.V., der seit 2001 das alte Kino in der Leipziger Wolfgang-Heinze-Straße betreibt. Thomas Noack ist der Vereinsvorsitzende und weiß schon jetzt, dass Fußboden, Bühne, Flügeltüren und Wandverkleidung im Saal fällig sind. Begeht man so einen Geburtstag?
"Wir wollen mit zahlreichen Veranstaltungen auf unser Jubiläum aufmerksam machen", verkündet Thomas Noack, Vereinsvorsitzender des UT Connewitz e.V. am Vormittag des 18. Januar der Öffentlichkeit. Der Verein selbst feierte 2011 sein zehnjähriges Bestehen. Für den Kinogeburtstag gründete der Verein vor anderthalb Jahren eine kleine Arbeitsgruppe, die sich mit verschiedenen Themen auseinander gesetzt haben soll. Filmvorträge zu den Themen Kinofilm, Filmhistorie und Kinotheater sollen laut Noack Einblicke in die Kinogeschichte des UT geben. Ausstellungen und eine Stummfilmvertonung vom Jazz-Pop-Ensemble Kammerflimmer Kollektief sollen das Jubiläum komplettieren.
UT Connewitz: Verwitterter Charme soll auch nach der Sanierung erhalten bleiben.
Foto: Daniel Thalheim
Der Vereinsvorsitzende sagt, dass die Kinogeschichte im Mittelpunkt des Jubiläums stehen wird. "So schön Konzerte und Varieté-Veranstaltungen sind, wir wollen auch Kino sein", sagt Noack begründend. "Als Kino ist das Haus 1912 immerhin gebaut worden." Mit einem bestimmten Streifen möchte der UT-Verein das 100-jährige feiern. Der fehlt aber noch. Am 25. Dezember 1912 flimmerte der im selben Jahr gedrehte Stummfilm "Die schwarze Katze" als Eröffnungsfilm über die Leinwand. Das soll 2012 auch so sein. Bis jetzt ist der Film nicht wieder aufgetaucht. Noch begibt sich der Verein auf Spurensuche.
Für den Tag des offenen Denkmals, den 9. September, planen Noack und sein Veranstaltungsteam eine Ausstellung. Dafür holten sie sich Otto Semmler ins Boot. Mit der Schau "100 Jahre UT Connewitz - 100 Jahre Kino erleben" will er aus seiner Sammlung Exponate aus den Anfängen der Vorführtechnik zeigen. Noack: "Wir werden all die Vorführgeräte ausstellen, die auch im Haus verwendet wurden. Die meisten Objekte, die Otto Semmler besitzt, stammen sogar aus unserem Kino." Ein anderer Mann wird laut Noack auch in Erscheinung treten. Das von Ralph Nünthel 2004 verfasste Buch "UT Connewitz & Co." soll inzwischen vergriffen sein und in anderer Form wieder erscheinen. Aber nicht durch Nünthel selbst, sondern durch eine junge Hallenser Wissenschaftlerin.
Thomas Noack, Vereinsvorsitzender des UT Connewitz e.V.
Foto: Daniel Thalheim
Viel Neues sollte man zur Geschichte des UT Connewitz nicht erwarten. "Nünthel hat wirklich jeden Zeitungsschnipsel, jede Annonce zum UT angefasst. Er arbeitete die Technik und die Bestuhlungspläne durch, zählte Inhaber und Renovierungphasen auf. Nur die Anekdoten fehlen uns", erklärt Vereinsvorsitzender Noack zum UT-"Klassiker".
Ob die Komplettüberarbeitung des 2004 erschienenen Buches durch die junge Wissenschaftlerin mit Anekdoten angereichert werden kann, vermochte Noack nicht zu beantworten. Dafür wird der Brocken Vereinsgeschichte aufpoliert. Bei Nünthel endet sie 2003. Aber an Nünthels Quellenarbeit kann man nichts mehr ergänzen. "Die ist top!", sagt der UT-Vereins-vorsitzende. Er verspricht aber ein neues Layout und neue Fotografien.
Fotos erscheinen auch in einer Sammleredition. Die Künstlerin Sylvia Ballhause steckt schon seit Jahren in der Materie. Sie fotografiert seit langem deutschland- und europaweit alte Lichtspielhäuser. Doch das UT Connewitz ist das älteste noch unsanierte Objekt, das sie mit ihrer Kamera festhielt, sagt sie. Thomas Noack erzählt, dass der Verein auf sie durch eine Fotostrecke in einem Beitrag von der Montaszeitschrift "Das Magazin" aufmerksam wurde. "Mindestens 50 Kinos fotografierte sie schon", so Noack.
Mit einer Auflage von 15 Exemplaren soll die besondere Edition des UT Connewitz' an Mann und Frau gebracht werden. 185 Euro kostet eine Arbeit. Ab den 27. Januar sollen die fünf Auftragsarbeiten des UT Connewitz' über den Tisch gehen.
Die Vortragsreihe "100 Jahre Lichtspieltheater – eine Reise durch die Filmgeschichte" will auf die Anfänge des europäischen Kinos schauen. Die Reihe startet schon am 26. Januar mit Skadi Loists Vortrag zur "Queeren Filmgeschichte". Auch mit der Kinobar "Prager Frühling" und mit der Schaubühne Lindenfels sind Filmreihen in Planung, so Noack weiter.
Im UT schweift Monat für Monat der wissenschaftliche Blick über die Pionierzeit der Filmkunst, das Kino des Faschismus, den italienischen Realismus, die Nouvelle Vague und Berliner Schule. Die DDR wird auch nicht vergessen. Noack stellt für den 2. November auch die vierte Spendengala in Aussicht. Nicht ohne Grund: Braucht der gemeinnützige Verein doch weitere Gelder zur Sanierung.
Der Erhalt des UT Connewitz hat beim Vereins Priorität. Das wird in Zeiten der auslaufenden Bürgerarbeits- und Kommunal-Kombi-Stellen nicht einfacher. Aber man will sich laut Thomas Noack den Herausforderungen stellen und weiterhin seine soziokulturellen Vereinsziele umsetzen.
"Soziales Engagement, der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes und eine vielfältige Programmstruktur sind Bestandteile der Vorhaben, als Akteur in der Leipziger Kulturszene aufzutreten und darüber hinaus auf das Stadtteilleben einzuwirken", so Noack zum Abschluss. Dass es dem UT schon auf internationalem Parkett gelingt, beweisen immer wieder die gut besuchten Szenekonzerte und die staunenden Musiker aus den USA oder Schweden, die daheim ihren Musikerkollegen vom UT Connewitz in Leipzig erzählen.
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