Eine Spende für den Leipziger Flüchtlingsrat: Sebastian Krumbiegel über seine persönlichen Beweggründe
Daniel Thalheim
10.01.2012
Sebastian Krumbiegel bei der Dezemberlesung und Spendenaufruf im Leipziger TdJW.
Foto: Frank Schletter
Der "Prinzen"-Sänger wählte "Pro Asyl". Nach seiner Lesung mit "Tatort"-Kommissar Dietmar Bär im Dezember 2011 im Leipziger TdJW wurden fleißig Spenden gesammelt. Die gehen am 11. Januar an den Leipziger Flüchtlingsrat. Sebastian Krumbiegel freut sich über die stolze Summe von 600 Euro. Er weiß, wofür das Geld gut ist.
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"Hier in Deutschland geht es auch vielen Menschen nicht gut - kümmere dich doch lieber um Probleme vor der eigenen Haustür", beschreibt der "Prinzen"-Sänger das gängige Vorurteil gegenüber den Armen in der Welt. "Ich kenne diese Meinung und es ist sicher auch was Wahres dran. Aber ich denke, man sollte das eine tun, ohne das andere zu lassen."
Der ehemalige Chorknabe des Leipziger Thomanerchores schaute sich 2010 die andere Seite an. Er reiste ins afrikanische Mali, um sich ein Bild von der dortigen Situation zu machen. Schon 1998 soll nach Krumbiegel ein ehemaliger deutscher Innenminister gemeint haben, dass "das Boot voll ist". Otto Schily soll das gewesen sein. Er sagte laut dem Netzwerk "Migration.de": "Die Grenze der Belastbarkeit Deutschlands durch Zuwanderung ist überschritten." Mit diesem Satz löste er eine Migrationsdebatte aus.
Sebastian Krumbiegel bei der musikalischen Lesung im TdjW.
Foto: Frank Schletter
Für Krumbiegel damals wie heute purer Zynismus. Vor allem, wenn man das Thema Flüchtlingspolitik und Einwanderung für den Wahlkampf benutzt. Da geht es nicht mehr um Menschen, so der "Prinzen"-Sänger. In seinem 2010 verfassten Mali-Tagebuch heißt es: "Ob nun der eine oder andere Unions-Ministerpräsident, Koch, Rüttgers oder Wulff, seinen Wahlkampf mit 'Wir haben zu viele kriminelle Ausländer'-Sprüchen garniert und damit am rechten Rand fischt, ob rechtsextreme Parteien ganz offen 'Arbeit zuerst für Deutsche' oder 'Kriminelle Ausländer raus' fordern, oder ob der Chef der 'Linken', Oskar Lafontaine von Fremdarbeitern spricht, all das ist unverantwortlich und es führt in eine falsche Richtung."
Bis jetzt sind rund zwei Jahre seit seiner Mali-Reise vergangen. Im Vorfeld der Spendenscheckübergabe an den Leipziger Flüchtlingsrat im Theater der Jungen Welt am 11. Januar sagt Krumbiegel gegenüber der L-IZ: "Wir haben versucht, den Weg der so genannten 'boat people', also der Leute, die von Afrika aus die gefährliche Reise nach Europa wagen, nachzuzeichnen. Wir haben versucht zu verstehen, warum diese Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen, wenn sie mit kleinen Booten Lampedusa oder Südspanien erreichen wollen."
Scheinbar ging Krumbiegel einem Bild nach, das 2010 die Medien so beschäftigte. Der Musiker weiter: "Die einzelnen Schicksale kennen zu lernen, hat mich wirklich sehr berührt. Ich habe verstanden, dass es Menschen gibt, die keinen anderen Ausweg sehen, weil sie sich durch Krieg, Verfolgung oder andere Gründe - die wir uns in Deutschland oft gar nicht vorstellen können - gezwungen sehen, so eine halsbrecherische Reise auf sich zu nehmen."
Mit diesen Eindrücken im Gedächtnis scheint für den gebürtigen Leipziger das Bedürfnis entstanden zu sein, auf die Arbeit der Flüchtlingsorganisation "Pro Asyl" hinzuweisen. "Pro Asyl kümmert sich um die, die diese erste Hürde geschafft haben, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir vor der Flüchtlingsproblematik nicht die Augen verschließen dürfen. Die Welt wächst zusammen, Kulturen und Religionen krachen aufeinander und wir haben gar keine andere Möglichkeit, als nach fairen, menschlichen Lösungen zu suchen. Es bringt nichts, einen Zaun oder eine Mauer um Deutschland oder Europa zu bauen - das hatten wir schon mal und das war wirklich eine bescheuerte Idee."
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