Paulinerkirche: Ein Plädoyer zum Verzicht auf die Glaswand und ein Konzert für die Schwalbennestorgel
Ralf Julke
31.01.2012
Paulinerkirche am Augustusplatz.
Foto: Ralf Julke
Seit 2010 ruht die Diskussion um die Paulinerkirche und ihre Ausgestaltung. Mehr oder weniger. Es liegt nicht am Thema. Nur der Bau hat sich kräftig verzögert. Was einige der Streitpunkte noch nicht löst. Etwa den um die künftige Nutzung des Raumes, der Universitätskirche und Aula in einem sein soll. Das war jahrhundertelang kein Problem.
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Die Paulinerkirche war bis zu ihrer Sprengung 1968 nicht nur die Kirche der Universität, hier fanden auch große Feiern statt. Es gab die künstliche Trennung zwischen Kirche und universitären Beanspruchungen nicht. Eigentlich alles nur eine Organisationsfrage, sagt sich der nüchterne Betrachter. Doch 2008 - als die Fertigstellung des Bauensembles scheinbar in greifbare Nähe rückte - sorgten die von mehreren Seiten geäußerten Wünsche, den sakralen Raum nicht vom weltlichen Hauptraum zu trennen, für heftige Diskussionen.
Auch die Leipziger Universitätsmusiker meldeten sich damals zu Wort. Denn für die geplanten Konzerte der Universitätsmusik machte die geplante Glaswand, die den sakralen Raum abtrennen soll, keinen Sinn. Probleme tauchen auch bei der Anbringung der restaurierten Kanzel aus der alten Paulinerkirche auf.
Anfang Juli 2011 hat Thomaspfarrer Thomas Wolf, der vehement für eine Rückgewinnung auch des Ortes "Paulinerkirche" kämpft, an die neu gewählte Rektorin der Universität, Prof. Dr. Beate Schücking, ihre drei Prorektoren und an Kanzler Dr. Frank Nolden ein Memorandum zur neuen Universitätskirche St. Pauli geschickt, in dem er noch einmal alles zusammenfasst, was aus seiner Sicht seit 2007 die Debatte bestimmt.
Schon jetzt eine Platzdominante: die Paulinerkirche (rechts).
Dazu gehört auch die neuerliche Betonung, dass auf die trennende Glaswand im Raum verzichtet werden kann. Egal, wie der Raum künftig genutzt wird - die Glaswand stört. Da seit Juli aber keine weiteren Bekundungen zum Thema erfolgten, macht er sein Memorandum jetzt öffentlich.
Christian Wolff: "Ich halte jetzt den Zeitpunkt für angemessen, dieses Memorandum der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Meine Hoffnung ist, dass durch mutige Weichenstellungen der Großartigkeit der neuen Universitätskirche St. Pauli Rechnung getragen und dabei vor allem auf den Einbau der Acryl-/Plexiglaswand verzichtet wird."
Auch die Neuaufstellung des Pauliner-Altars hält er jetzt für folgerichtig. Und noch ein Teil der Paulinerkirche steht im Zentrum der aktuellen Aktivitäten: die Schwalbennestorgel. Die Paulinerkirche hatte einst zwei Orgeln.
Schon das Äußere deutet auf die Nutzung des Raumes auch wieder als Universitätskirche hin.
Foto: Ralf Julke
Professor Dr. Martin Oldiges, Stiftungsvorsitzender der Stiftung "Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig" dazu: "Auf der Westempore dieses Raumes, etwa am gleichen Ort, wo in der am 30. Mai 1968 auf Geheiß der SED gesprengten Paulinerkirche die alte romantische Mende-Orgel stand, wird nun mit Haushaltsmitteln der Universität von der Firma Jehmlich eine neue Orgel errichtet. Diese Hauptorgel allein kann freilich nicht allen liturgischen und kirchenmusikalischen Anforderungen genügen. Die neue Universitätskirche benötigt darum nach historischem Vorbild eine zusätzliche, kleinere Orgel, mit der an die Jahrhunderte alte traditionsreiche Musikgeschichte der alten Universitätskirche angeknüpft werden kann. In Michael Praetorius’ 'Syntagma musicum' von 1619 finden sich Hinweise, dass es in der Paulinerkirche um 1528 eine kleine Orgel gegeben hat, die 'in die höhe bey die Chor als Schwalbennest gesetzt' war. Eine solche Schwalbennestorgel soll nun hoch oben an der Wand im Chorraum der Universitätskirche entstehen. Dieses Instrument im Renaissance-/Frühbarockstil (mit 10 bis maximal 25 Registern) wird die künftige Musikspielstätte Universitätskirche St. Pauli bereichern."
Der Freistaat Sachsen stellt 180.000 Euro zum Bau der Orgel und zu deren Einbau in die Kirche zur Verfügung, weitere 100.000 Euro will die Stadt Leipzig geben. Weitere 50.000 Euro will die Stiftung mit Hilfe der Leipziger Bürger einwerben.
Benefizkonzert für die Schwalbennestorgel in der Universitätskirche St. Pauli
Zu diesem Zweck veranstaltet sie gemeinsam mit der Universitätsmusik unter der Leitung von David Timm am Sonntag, 5. Februar, um 20.00 Uhr ein Benefizkonzert für die Schwalbennestorgel in der Universitätskirche St. Pauli. Schirmherr ist Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Gespielt werden Werke von Johann Sebastian Bach, Pierre François Boëly, Daniel Beilschmidt und Francis Poulenc.
Als Musiker beteiligen sich Gesine Adler (Sopran), Susanne Krumbiegel (Alt), Martin Petzold (Tenor), Gotthold Schwarz (Bass), Universitätsorganist Daniel Beilschmidt und das Pauliner Barockensemble. Leitung: Universitätsmusikdirektor David Timm.
Eintritt: 19 Euro / ermäßigt 9 Euro. Ermäßigung für Schüler, Studenten, Auszubildende, Schwerbeschädigte und Inhaber des Leipzig-Passes: 5 Euro. Karten gibt es im Thomasshop und an der Abendkasse.
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