Wenn die Sirene schrillt, schnellen sie hoch, zurren alles fest, ergreifen die Stange, rutschen nach unten und springen auf ein Fahrzeug auf. Wenn es in besonders schweren Fällen gut läuft, retten sie Vielen das Leben. Läuft es schlecht, ist ihres in Gefahr. Trotzdem wollen viele Jungen Feuerwehrmann werden.
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Doch der Kindheitstraum zieht sich nicht bei allen bis ins Erwachsenenalter und bei Manchen reicht es dann nicht zum Feuerwehrmann, denn die Anforderungen sind hoch, die Feuerwehr nimmt nicht jeden. Markus Heyne weiß das selbst nur zu gut.
Sonnenschein in Plaußig-Portitz. Der Leipziger Nordosten geht hier in die Verlängerung, das BMW-Werk ist nicht weit. Hin und wieder schleicht ein Auto durch den Ort. Insgesamt ist es ruhig auch bei der Freiwilligen Feuerwehr. Es ist ja auch ein normaler Nachmittag in der Woche. Die Mitglieder der aktiven Wehr sind arbeiten. Nur Oberbrandmeister Markus Heyne stromert über das Gelände. Der Wehrleiter hat frei, aber vom Beruf lassen, kann er auch nicht.
Heyne ist Berufsfeuerwehrmann an der Hauptfeuerwache am Ring und er leitet die Freiwillige Wehr am Rande der Stadt. Ein Leben voller Risiko. „Meine Frau ist es gewöhnt. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich wiederkomme viel größer“, so Heyne. Jeder Dienst in der Hauptfeuerwehrwache dauert 24 Stunden, dann hat Heyne 48 Stunden frei. Eigentlich auch zur Erholung, aber als Wehrleiter einer Freiwilligen Feuerwehr gibt es immer etwas zu tun. Wegen des Gelds kann man das nicht machen. Wie jedes Ehrenamt ist auch das hier ein Zuschussgeschäft. Heyne macht es trotzdem, denn er wollte schon als Jugendlicher zur Feuerwehr. „Wer als Junge einmal mit der Feuerwehr in Kontakt gekommen ist, verabschiedet sich eigentlich nicht mehr“, berichtet Heyne auch aus eigener Erfahrung.
Nach der Schicht bei der Berufsfeuerwehr kümmert sich Markus Heyne auch noch um die Freiwillige Feuerwehr Plaußig-Portitz.
Foto: Marko Hofmann
Der 35-Jährige kann selbst seit dem ersten Kontakt 1993 nicht mehr ohne Tatütata leben. Wie der erste Kontakt zustande kam, weiß er noch genau. „Es war ein Weihnachtsmarkt. Wir Jugendliche standen rum und beobachteten das Geschehen, als uns ein paar Männer in Uniformen ansprachen und fragten, ob wir nicht zur Feuerwehr wollten.“ Heyne schaute sich die Sache genauer an und blieb. „Damals war der Altersdurchschnitt ziemlich hoch, ich war einer der Jüngsten.“ Mittlerweile ist der Altersdurchschnitt der aktiven Wehr auf knapp 24 Jahre gefallen. Die Wehr ist stückweise verjüngt worden: von Markus Heyne.
Der ehemalige Wehrleiter Löbner hatte ihn seit 1998 immer mehr eingebunden. „Er gab mir die Perspektive, hier dauerhaft die Wehr zu übernehmen.“ 2002 trat Löbner schließlich ab und Heyne an, obwohl er selbst hauptberuflich als Fliesenleger arbeitete, ja arbeiten musste. „Als ich mich bei der Feuerwehr beworben hatte, waren die Anforderungen sehr hoch. Wir sollten im Test Logarhythmen berechnen. Mit 10. Klasse POS war das für mich nicht machbar.“ Heyne bekam keine der acht Stellen, auf die sich 300 Menschen beworben hatten.
Doch im neuen BMW-Werk bekam er 2002 seine Chance, rückte dort in der Werksfeuerwehr aus und schaffte so schließlich den Sprung zum Berufsfeuerwehrmann, 2005 wechselte er in die Hauptfeuerwache. Die ruhige Zeit als Fliesenleger hatte er hinter sich gelassen. Zum Glück, wie Heyne findet. „Als Fliesenleger wusste ich genau: Heute muss ich dort vier Fliesen wechseln, morgen muss ich da eine kaputte Fliese austauschen. Wenn ich jetzt auf Arbeit fahre, weiß ich nicht, was passieren wird.“
Und es passiert viel. Als vor Jahren ein Brandstifter im Leipziger Osten für Unruhe sorgte, war auch Heyne im Einsatz. „Wir löschten damals das Haus, von dem sich am Ende eine Studentin in den Tod stürzte. Sie landete neben uns auf dem Bordstein. Das war eine schlimme Geschichte“, so Heyne, „aber man weiß, was passieren kann und handelt es einfach ab.“
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So einfach kann das manchmal sein. Mit der Plaußiger Feuerwehr hat Heyne noch nicht derart schlimme Fälle erlebt. Die Einsatzzahl hat sich aber über die Jahre immer weiter gesteigert. 2011 wurde die 80er Marke geknackt. Bei jedem Brand zwischen 17 und 5 Uhr in der Woche oder am Wochenende werden 23 Mitglieder der aktiven Wehr alarmiert, wer mehr als zwei Kilometer entfernt wohnt, kann nicht mitmachen.
Die Anforderungen an einen Freiwilligen Feuerwehrmann sind auch gestiegen. „Früher hat man jeden genommen, den man kriegen kann. Heute macht jeder drei Monate Grundausbildung – in seiner Freizeit. Jeder, der hier mitmacht, muss eine gesunde Macke haben“, macht sich Heyne keine Illusionen über den Aufwand, den jeder seiner Schützlinge betreibt. Trotzdem kann er sich derzeit über fehlenden Nachwuchs nicht beklagen. „Als ich kam, hatten wir veraltete Technik und einen alten LO. Heute haben wir moderne Technik, da kannst du junge Leute viel besser motivieren.“ Allerdings rücken Mitglieder der Feuerwehr erst ab 16 Jahre aus, vorher lernen sie in der Jugend-, noch früher in der Kinderwehr.
Doch lange Zeiten ohne Einsatz hinterlassen bei den jungen Männern Spuren. „Da sinkt natürlich die Motivation. Jeder will zeigen, was er gelernt hat.“ Statt zu Einsätzen zu fahren – die Feuerwehr deckt auch Thekla mit ab - ist Ausbildungsdienst am Wochenende vor Ort angesagt. Heyne muss sich als Wehrleiter in seiner Freizeit noch um einiges mehr kümmern: Personal, Führung von Führungskräften, Wartung der Fahrzeugtechnik und die Instandhaltung der Räumlichkeiten ist bei ihm zumindest angebunden. Er trägt die Verantwortung „und die ist nicht gerade gering.“
In der Hauptfeuerwache ist Heyne in keiner führenden Position und wenn kein Einsatz ist, wird nicht geschlafen. „Es gibt immer neue Rettungstechnik mit der wir geschult werden müssen, die Fahrzeuge müssen auch gepflegt werden. Langeweile kommt nicht auf.“ Keiner seiner Kollegen ist gelernter Feuerwehrmann, der Beruf ist kein klassischer Lehrberuf. Vielmehr muss man schon einen Beruf haben, um überhaupt Feuerwehrmann zu werden, aber nicht jeder wird anerkannt. Es muss ein Bauberuf oder zumindest ein handwerklicher Beruf sein. Wer den hat, sollte zudem körperlich und geistig fit sein und eine sehr gute Allgemeinbildung haben. „Das wird immer unterschätzt, aber wir müssen auch politisches Wissen haben, beispielsweise wissen, wie der Verteidigungsminister heißt und wie der Innenminister“, so Heyne. Immerhin ist der der oberste Vorgesetzte.
Die Feuerwehrfrau gibt es derzeit in der Berufsfeuerwehr noch selten, was natürlich auch an den Voraussetzungen liegt. In der Freiwilligen Wehr gibt es dagegen ein paar Frauen. Plaußig-Portitz hat drei. „Die sind auch wichtig, machen gute Arbeit und vor allem ist der Umgangston sofort ein anderer, wenn eine Frau dabei ist“, so der Ortswehrleiter.
Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr. Darf es für Heyne in der restlichen Freizeit auch etwas ohne Wasser, Feuer und Tatütata sein? Schwerlich. Doch es gibt etwas: „Ich bin geschäftsführender Präsident des örtlichen Karnevalsvereins.“ Lachen, in einem Beruf, bei dem man im Einsatz wenig zu lachen hat.
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