Von Nord nach Süd - die L-IZ.de-Stadttour (2): Von Gottscheina nach Knautnaundorf - Bauchtanz in Merkwitz
Marko Hofmann
03.09.2012
Ortsausgang Gottscheina.
Foto: Marko Hofmann
Die Mark Neblitz ist eigentlich der nordöstlichste Punkt der Stadt. Doch Neblitz ist eben nichts weiter als eine Mark. Deswegen startet die Stadttour um 7:15 Uhr in der Frühe in Gottscheina mit Aussicht auf einen Aufenthalt in Merkwitz. Laufende Menschen waren nicht gesehen, dafür umso mehr Autos und ein Ankündigungsplakat der besonderen Art.
Anzeige
So sieht also Gottscheina aus. Ein Rundling allererster Güte, ein Dorf mit nur einem Eingang, der auch Ausgang ist. Und von diesem Ein-/Ausgang wird 7:15 Uhr an diesem Donnerstagmorgen reichlich Gebrauch gemacht. Im Nord-Nordosten von Leipzig rollen die Autos. Wo sie wohl hinfahren? Einige sicherlich zum benachbarten BMW-Werk, andere möglicherweise nach Taucha. Gottscheina passieren sie jedenfalls, denn hier gibt es zwar viele alte, allem Anschein nach gemütliche Häuser, aber keine Arbeitsplätze in Größenordnung.
Am Dorfteich ist es ruhig, kein Mensch weit und breit. In einem Haus steht wenigstens das Fenster sperrangelweit offen. Ob sich hier jemand ohne Sicherheitsvorkehrungen gemütlich umzieht, weil eh niemand zu erwarten ist? Ich schaue nicht nach, sondern drehe mich weg. Der Chefredakteur hatte mir zwar aufgetragen, „immer schön neugierig zu sein“, aber soviel Neugierde würde dann wohl doch zu weit gehen. So gern ich das kleine Gottscheina und seine Einwohner weiter erkunden wollen würde, mein Ziel heißt Knautnaundorf und dort will ich allerspätestens 19 Uhr sein.
Hier geht es los: Früh im Nebel im Leipziger Norden.
Foto: Marko Hofmann
Am westlichen Rand von Gottscheina verläuft eine Straße in Nord-Süd-Richtung, führt aber aus Leipzig heraus. Doch diese asphaltierte Huckelpiste ist für meine Zwecke die richtige, auch wenn ich mit dem Dorf Merkwitz Hoheitsgebiet der Stadt Taucha betreten werde. Immerhin besser als minutenlang um das BMW-Werk zu laufen, was sich westlich von mir aufbaut. Doch viel sehe ich davon nicht. Nebel hat sich über die Felder rund um Gottscheina gelegt. Das Nachbardorf im Westen, Hohenheida, ist ebenfalls nicht zu sehen. Bei 18,5 Grad Celsius ist es wenigstens nicht zu kalt für eine solche Unternehmung.
Ortsgeschichte am Dorfteich von Gottscheina, erstmals 1305 erwähnt.
Foto: Marko Hofmann
Auf der Straße zwischen Gottscheina und Merkwitz gibt es keinen Fußweg. Zu aberwitzig erscheint wahrscheinlich heutzutage die Idee, dass diese Strecke jemand laufen will. Die 2,2 Kilometer zwischen den beiden Orten schlurfe ich die meiste Zeit im nassen Gras. Auf der Straße zu laufen, die gewiss keine vielbefahrene Straße ist, ist zu gefährlich. Ein Tempolimit kennt man hier offensichtlich nur aus Erzählungen. An zwei Bushaltestellen hätte ich die Möglichkeit gehabt abzukürzen, aber nichts da. Es steht dort auch niemand, der auf den ÖPNV wartet, der fast leer an mir vorbeituckert. Wo sollen die Fahrgäste auch herkommen?
Auf der Straße begegnet mir erwartungsgemäß kein Mensch. Wäre auch zu schön gewesen. Wie gern hätte ich gefragt: „Was machst’n du hier?“ Stattdessen schleiche ich mich fast schon unbemerkt hinein nach Merkwitz, was sich letztlich als größer als gedacht entpuppt. Ist der Briefkasten zunächst eine Sensation, so ist er am Ende eigentlich eine logische Konsequenz, denn Merkwitz hat immerhin ein Autohaus, einen großen Betrieb am Ortsrand und einen verfallenen Gasthof, an dessen ehemaligen Fenstern ausgerechnet ein Hinweisschild auf ein „Hotel Residenz“ klebt.
Das alte Herrenhaus in Merkwitz.
Foto: Marko Hofmann
Als ich den Gasthof erreiche, habe ich das erste Gespräch auf meiner Reise hinter mir. Ein Lkw-Fahrer fragte ausgerechnet mich, ob ich aus Merkwitz sei. „Nein natürlich nicht, aber ich habe einen Stadtplan.“ Schon auf die richtige Seite gefaltet, hole ich das gute Stück aus der Hosentasche meiner Wanderhose, während der Lkw-Fahrer selbstbewusst die Hauptstraße blockiert. Die ausgebremsten Autofahrer beweisen allerdings Geduld, lassen mich in Ruhe den Thomas-Müntzer-Weg zeigen, der - nebenbei erwähnt - direkt um die Ecke war.
Vom Gasthof trotte ich anschließend über die Alte Salzstraße in Richtung Plaußig. Kurz bevor ich den Ort verlasse, fällt mir ein verkommenes Haus am Straßenrand ins Auge. Direkt neben einem Neubau ist sein überschrittenes Verfallsdatum unübersehbar.
Die Tür mit der Horaz-Inschrift - und dem seltsamen Küchenteil davor.
Foto: Marko Hofmann
Über dem Hintereingang ist noch eine lateinische Inschrift zu erkennen, davor steht eine alte Küchenzeile, die wohl zuletzt jemand zumindest versucht hat anzuzünden. Ein Glück, dass die Freiwillige Feuerwehr direkt gegenüber stationiert ist. Was ist dieses alte Haus einmal gewesen? Ein Alterssitz eines Universitätsprofessors? Merkwitz, Gottscheina und Hohenheida waren vier Jahrhunderte im Besitz der Universität. Bei Wikipedia ist ein Bild des Hauses zu sehen, es ist mit „Herrenhaus des Gutes Merkwitz“ unterschrieben. Könnte hinkommen.
Die lateinische Inschrift über der Tür: „Ille terrarum mihi praeter omnes angelus ridet“. Die stammt aus einer Ode von Horaz und es heißt übersetzt ungefähr: „Jeder Winkel lächelt mir vor allen anderen auf Erden zu ...“ - Hier hat sich also jemand wohlgefühlt. Dereinst.
Direkt am Ortseingang/-ausgang hat sich die Begegnungsstätte „Merkwitzer Stübchen“ niedergelassen. Die Baracke ist kurz vor 8 Uhr noch verschlossen, ein Plakat kündigt wenigstens den nächsten Höhepunkt an. Am Wochenende wird Merkwitz zum Morgenland, denn das Dorffest soll unter dem gewagten Motto „Der Orient in Merkwitz stehen“. Kameltreiben, Hennamalerei, Bauchtanz und orientalisches Markttreiben sollen das Fest zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.
Wer Samstagnacht mit dickem Schädel ins Bett geht, braucht sich auch keine Sorgen ums Verschlafen machen. Der Weckruf des Muezzins wird ihn schon vom Kissen fallen lassen. Nur leider ziehen es die Organisatoren nicht durch, denn nachdem der Muezzin die Dorfbewohner aus ihrem Haus gekehrt hat, ruft der Pfarrer zum Gottesdienst. Dabei leben Christen in manchen Regionen des Orients durchaus gefährlich. Egal, spätestens beim unvermeidlichen Frühschoppen werden alle Probleme vergessen sein.
Mein nächstes Problem ist die Landstraße nach Plaußig. Wieder gibt es keinen Fußweg und nur nasses Gras. Doch plötzlich ist es mit der Wanderung beinahe vorbei …
Am 15. Mai wurde im Sächsischen Landtag der CDU/FDP-Antrag "Polizeipräsenz im Internet erhöhen - Soziale Netzwerke zur Polizeiarbeit nutzen!" behandelt. Ein Antrag wie aus der Wunschkammer des braven Bürgers, der das Internet sowieso für eine gefährliche Welt hält und sich jetzt auch dort ein paar präsente Ordnungshüter wünscht. Und so eine Art Kooperation zwischen wachsamem Bürger und aufmerksamer Polizei. Und der naive Glaube an die "sozialen Netzwerke". mehr…
Diese emotionale Aufwallung schaffte es längst zum Klassiker im reichlich gefüllten, goldenen Spruchbeutel der City-Tunnel-Prosa: "Ich will die Milliarde nicht sehen!", entfuhr es Ende der 1990er Jahre dem damaligen Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Kajo Schommer. Gemeint war, die geplante Investitionssumme für den City-Tunnel auf eine Milliarde zu begrenzen - D-Mark, wohlgemerkt, denn in einer anderen Währung rechnete damals auch ein Mitglied des Dresdner Kabinetts nicht. mehr…
Am Freitag, dem 24. Mai um 20:15 Uhr, ist der Bestsellerautor Martin Walker bei Lehmanns Media zu Gast und liest aus seinem aktuellen Bruno-Krimi „Femme Fatale“. Der im französischen Périgord lebende Ire ist nicht nur Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist („The Guardian“), sondern auch ein sehr, sehr sympathischer Zeitgenosse und Medienliebling. mehr…
Am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr wird es während des beliebten Familienfrühstücksbuffets im Unikatum Kindermuseum spannend, denn Museumsmitarbeiterin Annekatrin Naumann möchte die Gäste ab 4 Jahren zu Zeitjägern machen und sie mit auf eine aufregende Schatzsuche durch die aktuelle Ausstellung „Ach du liebe Zeit!“ und den Hofgarten nehmen. mehr…
Der letzte Rundgang der Reihe „Sanierungs- und Fördergebiete“ des Stadtforums Leipzig findet am Montag, 27. Mai, um 17:30 Uhr am Platz der Biedermannstraße/Ecke Bornaische Straße, gegenüber der Litfaßsäule, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Connewitz, mit Standpunkten an der Biedermannstraße und Auerbachstraße, dem Herderplatz und Kronengarten sowie den Stadthäusern Hermannstraße. mehr…
Am Sonntag, 26. Mai, ist um 19 Uhr in der Kirche Panitzsch eine musikalische Annäherung an die romantischen Kompositionen Richard Wagners aus der Richtung des Jazz zu erleben. Unter dem Motto „Wagner in Jazz“ hat Stephan König anlässlich des 200. Geburtstages von Wagner musikalische Themen aus Wagner-Opern für sein Jazz-Trio bearbeitet. mehr…
Im Rahmen der Festwoche "150 Jahre SPD" macht die Dialog-Box der SPD in Leipzig in der Petersstraße, Höhe Hugendubel, Station. Neben der Bewerbung der Veranstaltungen rund um die Festwoche "150 Jahre SPD" möchte die SPD Leipzig die Dialog-Box nutzen, um mit den Leipzigerinnen und Leipzigern zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Der Dienstag, 21. Mai, steht dabei ganz im Zeichen der europäischen Bürgerinitiative "Wasser ist Menschenrecht". mehr…
Ein Vortrag am Mittwoch, dem 22. Mai, 19 Uhr, im Ariowitschhaus, Hinrichsenstr. 14, beleuchtet das Verhältnis Martin Luthers zu den Juden. Referent dieser Veranstaltung der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft ist Professor Martin Steinhäuser. mehr…
Mit Krebs ist nicht zu spaßen. Krebs ist kein Spaß. Vielleicht ist die moderne Zivilisationskrankheit Krebs die Kehrseite unserer Spaßgesellschaft. Die keine spaßige ist, auch wenn sie alles, was wichtig ist, in einen Spaß zu verwandeln scheint. Nicht nur Regina Rose fragt wohl zu recht, welche Rolle unsere moderne Lebensart für die Ausbreitung der "Volkskrankheit" Krebs hat. mehr…
Es gab ja in letzter Zeit einige verächtliche Bemerkungen von gut bezahlten Politikern gegenüber Bürgern, die auf verschiedene Weise versuchen, ihre Interessen in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. "Wutbürger" war so ein arroganter Begriff. Dabei können selbst Großprojekte sinnvoller, nachhaltiger und vor allem zielführender geraten, wenn Politik frühzeitig die Diskussion mit den Betroffenen sucht. Das ist bei den Planungen zur neuen B 87 sogar passiert. mehr…
Am 9. Mai verfügte das Leipziger Umweltdezernat eine Sperrung des Floßgrabens für den Bootsverkehr. Nur noch zu bestimmten Zeiten am Wochenende dürfen Boote den Floßgraben passieren, in dem der seltene Eisvogel brütet. Doch nicht nur die erste Ausnahmeverfügung für eine Bootstouranbieter sorgt für Unmut. Besonders betroffen zeigt sich der Sächsische Kanuverband. In einer Stellungnahme fordert er einen völlig anderen Umgang mit dem sensiblen Gewässer. mehr…
Wie die Polizeidirektion Leipzig in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft übermittelte, wurde am gestrigen 19. Mai gegen 20 Uhr „ein Mann tot im Gleisbett aufgefunden.“ Ort des Fundes war der Bahnhof Leipzig-Leutzsch am Ritterschlösschen in der Gustav-Esche-Straße. Da eine Straftat in solchen Fällen nie ausgeschlossen werden kann, haben auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die Untersuchungen der Rechtsmedizin begonnen. mehr…
Erst mal großes Tamtam, dann Stille am Wasser. Im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer wurde am Samstag, 18. Mai, die Kanupark-Schleuse zwischen dem Markkleeberger und Störmthaler See im Leipziger Neuseenland offiziell freigegeben. „Nach zwei Jahren Bauzeit können wir heute einen wichtigen Schritt zur wassertouristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlandes tun“, sagte Frank Kupfer. Er war extra an Bord der "MS Wachau" gestiegen, die künftig die Schleuse Richtung Störmthaler See befahren darf. mehr…
Mieten sind ja ein Thema, das langsam prickelnd wird in Leipzig. Wenn eine Stadt attraktiv ist, füllt sie sich nicht nur mit Bewohnern, auch Mieten und Bauen werden wieder lukrativ. Und wo das Angebot knapp wird, steigen die Mieten. Das ist in Leipzig bislang nur punktuell der Fall, auch wenn einige Spieler auf dem Markt etwas Anderes erzählen. Aber diese Punkte sind natürlich interessant. Auch wer Gewerberaum sucht, muss auf die konkrete Lage achten. mehr…
Am 22. April gab es nicht nur eine Einwohneranfrage - sondern gleich ein ganzes Bündel. Zeichen auch dafür, dass in der Leipziger Politik vieles gar nicht so klar ist, wie es sich die Akteure wohl denken. Eines der diffusesten Themen ist der Fluglärm. Auch nachts dröhnen die Flugmaschinen über Leipziger Stadtgebiet. Und keiner scheint zu wissen, warum sie das tun. Die "kurze Südabkurvung" soll's nach offizieller Auskunft nicht sein. mehr…