Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche



Neonazi-Aufmarsch in Magdeburg: Kaum Proteste in Hör- und Sichtweite, Polizei führt Gegendemonstranten in die Irre

Martin Schöler
Mancher möchte es liebevoll, mancher eben eher nicht. Zum braunen Aufmarsch am 12. Januar 2013 erschienen rund 800 in Magdeburg
Mancher möchte es liebevoll, mancher eben eher nicht. Zum braunen Aufmarsch am 12. Januar 2013 erschienen rund 800 in Magdeburg
Foto: Martin Schöler
Rund 800 Neonazis sind nach Polizeiangaben am Sonnabend durch Magdeburg marschiert. Auf nennenswerten Gegenprotest trafen die Kameraden nicht. Dafür sorgte die Polizei. Die Beamten hüteten das Geheimnis um den Auftaktkundgebungsort der Rechten wie ihren Augapfel. Die Neonazis des "Aktionsbündnisses gegen das Vergessen" hatten ihre Anhänger zu um 12 Uhr zum Hauptbahnhof mobilisiert.


Zwei Stunden früher deutete auf dem Vorplatz nichts darauf hin, dass sich hier über tausend Ewiggestrige sammeln werden. Weit und breit ist kein abgegitterter Sammelbereich. "Ich weiß nicht, wo die sich treffen", meint ein Beamter auf Nachfrage. Die polizeiliche Pressestelle ist keinen Deut auskunftsfreudiger. Einige Kollegen berichten, sie hätten aus "ermittlungstaktischen Gründen" keine Information erhalten. Andere werden zum Regionalbahnhof Herrenkrug geschickt.

Eine Finte. Kaum ist der angebliche Auftaktkundgebungsort am Stadtrand bekannt geworden, blockieren hunderte Neonazi-Gegner die Hauptverkehrsstraße Richtung Innenstadt.

800 braune Kameraden von Polizei gesäumt beim größten Einsatz, den Sachsen-Anhalt bislang erlebte.
800 braune Kameraden von Polizei gesäumt beim größten Einsatz, den Sachsen-Anhalt bislang erlebte.
Foto: Martin Schöler

Tatsächlich jedoch sammeln sich die Rechten in einem Industriepark im Süden der Stadt. Gegen 14:15 setzten sich die 800 Neonazis in Bewegung. Schweigend. Die Route, ein fünf Kilometer langer Marsch durch die Peripherie, ist aus Sicht der Teilnehmer alles andere als attraktiv. Die Dauerschleife aus Wagner-Trash, mit der die Kameraden ihren Marsch untermalen, lässt die Tristesse noch trostloser erscheinen, als sie ohnehin schon ist. Vereinzelt schauen neugierige Passanten, wer durch ihren Stadtteil zieht. "Die verschandeln unser Wohngebiet", beklagt sich ein Heranwachsender. Er meint die Kameraden, die aus Nord-, West- und Ostdeutschland angereist sind. Unter ihnen neben Szene-Koriphäen wie den Lauchaer NPD-Schornsteinfeger Lutz Battke oder dem Dortmunder Alt-Hool Siegfried Borchardt sogar Teilnehmer aus Österreich, Norwegen und den Niederlanden.

Die Rechnung der Beamten hingegen geht weitgegehend auf. Gegendemonstranten kommen nur vereinzelt an die Aufzugsstrecke heran. Mehrere Kleinstblockaden werden unterdessen von der Polizei geräumt. Als die Kameraden ab 15:30 Uhr ihre Zwischenkundgebung in Sichtweite des Libertären Zentrums genüsslich in die Länge ziehen, schallen von drinnen die ohrenbetäubenden Klänge einer Blaskapelle nach draußen. Vor dem alternativen Jugendtreff lärmen Protestler mit Küchenutensilien. Die Ansprachen der Redner verhallen im Nirgendwo. Dann fliegen von einem Hinterhof Steine. Polizisten haben die Lage schnell im Griff, sprechen von einem Verletzten.

Als die Rechten gegen 16:45 Uhr ihre Abschlusskundgebung beginnen, entzünden einige Teilnehmer Fackeln. Natürlich in Anlehnung an die berüchtigten Fackelmärsche ihrer historischen Vorbilder. In der Szene ein beliebtes Stilmittel, dass nicht über ihre Enttäuschung hinweg täuschen kann. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich Teilnehmerzahl um ein Drittel reduziert. Eine attraktive Route bleibt den Rechten in diesem Jahr ebenfalls verwehrt.


Nach einer Polizeifinte außer Hörweite: Akustischer Gegenprotest mit Küchengerät
Nach einer Polizeifinte außer Hörweite: Akustischer Gegenprotest mit Küchengerät
Foto: Martin Schöler

Fazit

Allerdings nahm die Polizei auch ihren Gegnern beinahe jede Möglichkeit des Protests in Hör- und Sichtweite. Während in der Stadtmitte die Zivilgesellschaft bei der "Meile der Demokratie" mit 10.000 Besuchern vornehmlich sich selbst feierte, versuchten immerhin einige hundert Gegendemonstranten in die Nähe der Strecke zu gelangen. Die Polizei spricht von vereinzelten Ausschreitungen. Aus einer Gruppe von 150 bis 200 Personen seien Flaschen in Richtung Ordnungshüter geworfen worden. Teilnehmer eines anderen Protestzug brannten offenbar einige Rauchbomben und Feuerwerkskörper ab. Vor der CDU-Zentrale in der Innenstadt setzen Unbekannte dann noch einen Container in Brand.

Die Polizei hatte über 2.000 Beamte aus zehn Bundesländern im Einsatz. Die Magdeburger erlebten einen der größten Einsätze in der Geschichte Sachsen-Anhalts. Kommendes Wochenende möchten die Rechten wieder durch die Elbe-Stadt marschieren. Die Veranstaltung dürfte allerdings deutlich kleiner ausfallen als am heutigen Sonnabend.

... während sich die Polizei damit befasste, Sitzproteste zu beräumen.
... während sich die Polizei damit befasste, Sitzproteste zu beräumen.
Foto: Martin Schöler



Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks



Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Abgelehnter CDU-Antrag: Und wer kümmert sich jetzt um Barrierefreiheit?

Nach wie vor unübersichtlich: Radweg-Fußweg am Hauptbahnhof.
CDU-Stadtrat Konrad Riedel ist sauer. Ein Antrag der CDU-Fraktion auf die Bestellung eines in den Bauausschuss berufenen und kundigen Bürgers zur Sicherung eines barrierefreien Bauens und die Schaffung von Barrierefreiheit bei Großveranstaltungen wurde am Mittwoch, 16. April, in der Stadtratssitzung abgelehnt. "Die Verwaltung behauptete, dies alles sei bereits Verwaltungshandeln", stöhnt Riedel. mehr…

SPD-Stadtrat zum CDU-Vorstoß: Parkplatz direkt am Nordstrand des Cospudener Sees nicht sinnvoll

Radfahrer auf dem Rundweg um den Cospudener See.
Seit der Ratsversammlung am 16. April befindet sich ein Antrag der CDU-Fraktion im Verfahren, der Veränderungen am Nordstrand des Cospudener Sees fordert. Besonders überrascht zeigt sich der SPD-Stadtrat aus dem Leipziger Süden, Christopher Zenker, von dem im Antrag formulierten Ansinnen, den Parkplatz an der Brückenstraße nah an den Nordstand verlegen zu wollen. mehr…

Feuerlöscher-Einsätze der sächsischen Polizei: Grüne fordern unabhängige Beschwerdestelle - CDU lehnt ab

Feuerlöscher.
Eine Zeit lang passierte es gar nicht. Da zuckte die Fraktion der CDU im Sächsischen Landtag einfach mit den Schultern, wenn die Opposition Kritik äußerte. Warum auch reagieren, wenn im Freistaat alles paletti ist? - Aber seit einem Jahr mehren sich auch aus der CDU-Fraktion die dünnhäutigen Reaktionen und man reagiert sehr unwirsch auf die Kritik. Wie am Freitag, Karfreitag, 18. April. Da musste noch schnell ein Dementi raus. mehr…

Der 2. Teil der sächsischen Staatsumfrage: Sachsen haben vom Leistungsdruck so langsam genug

Die Sachsen erwarten tatsächlich noch die Angleichung der Lebensverhältnisse Ost und West.
Am 8. April gab's den ersten Teil, am 18. nun den zweiten. Den dritten Teil der jährlichen Umfrage der Sächsischen Staatsregierung wird es dann wohl am 28. April geben. Man verteilt die Informationen in diesem Jahr häppchenweise. Im ersten Teil ging's um die Zufriedenheit mit der Staatsregierung. Im zweiten, den die Staatskanzlei am Freitag, 18. April, veröffentlichte, um 25 Jahre Friedliche Revolution. Obwohl. So ganz trifft das auch nicht zu. mehr…

Topf & Quirl: Ein österliches Geschenk in letzter Minute – Nougat-Keks-Nester

Nougat-Keks-Nest.
Der Osterhase steht quasi vor der Tür und noch immer ist nichts fürs grüne Nest der Liebsten gefunden? Dann schnell in die Küche geflitzt und im Handumdrehen ein paar hübsche und leckere Nougat-Keks-Nester gebastelt. Die sehen nicht nur toll aus, sondern bestehen auch noch aus wenigen Zutaten und mit ein paar bunten Perlen versehen werden alle Beschenkten fröhlich quietschend aus der Wäsche schauen. mehr…

Linke-Stadträtin nach Stadtratsentscheidung enttäuscht: Das Tarifkarrussell dreht sich weiter

Naomi-Pia Witte am Rednerpult im Stadtrat.
In namentlicher Abstimmung wurde der Antrag der Fraktion Die Linke zur Überprüfung der ÖPNV-Tarife am Mittwoch, 16. April, im Stadtrat mit 16 Ja- und 34 Nein-Stimmen sowie 8 Enthaltungen abgelehnt. Für Linke-Stadträtin Naomi Pia Witte eine verpasste Chance, den automatisieren Preiserhöhungen im Leipziger ÖPNV ein Ende zu bereiten. mehr…

Ab 22. April: Verkehrseinschränkungen wegen Gleisbau in der Antonienstraße Höhe Gießer- und Gerhardstraße

Baustelle
Wegen Gleisreparaturen in der Antonienstraße in Höhe Gießer- und Gerhardstraße vom 22. April bis zum 13. Mai kommt es zu Einschränkungen für den Kfz-Verkehr sowie für die Straßenbahnlinien 1 und 2. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH erneuern an den Kreuzungsbereichen Antonien-/Gerhardstraße bzw. Antonien-/Gießerstraße ihre Gleise. Die Arbeiten finden auch in den Abend- und Nachtstunden statt. mehr…

Die Reformation und die Fürsten: Auch Dresden macht die Reformation in Sachsen erlebbar

Orte der Reformation: Dresden.
Man kommt nicht unbedingt auf den Gedanken, dass Dresden etwas mit der Reformation zu tun haben könnte, die vor 500 Jahren die Welt umkrempelte. Da denkt man eher an Wittenberg, Eisenach, Augsburg. Aber die großformatige Reihe, die die Evangelische Verlagsanstalt 2011 mit dem Band "Nürnberg" begonnen hat, erschließt dem Leser eine Landschaft, die weit über den Wittenberger Kreis hinaus reicht. mehr…

Montagsdemo, Ukraine, Medien und ein Glaubenskrieg

Mehr (direkte) Demokratie? Ja, warum auch nicht.
Was derzeit rings um die diversen Montagsdemonstrationen geschrieben, debattiert und polemisiert wird, ist angesichts der aggressiven Hysterie von beiden Seiten geradezu unglaublich. Noch unglaublicher, wenn nichts berichtet wird, wie derzeit bei den Programmen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Unterdessen hat auch der Spiegel Online nur eine Richtung in den spärlichen Beiträgen. Die Organisatoren seien zweifelhaft und von „antisemitischen Verschwörungstheorien“ geleitet. mehr…

Schönstes Fotobuch der Region Leipzig 2014: Rössing-Preis geht diesmal an Antje Stumpe für "Paradise lost?"

Antje Stumpe: Paradise lost?
Der Preis hat es nicht einfach, obwohl er sich ein edles Ziel gestellt hat. "Die Rössing-Stiftung hat vor allem den Zweck, besonders begabte Textautoren und Fotokünstler für das schönste Buch über Leipzig bzw. seine Region auszuzeichnen", heißt es auf der Website der Stiftung, die aus dem Lebenswerk des Leipziger Fotografen-Ehepaars Roger und Renate Rössing hervorgegangen ist. 2014 bekommt ein Fotoband über Grünau den Preis. mehr…

RB Leipzig: Rangnick plant für 2. Liga

Sportdirektor Ralf Ragnick
RB Leipzig steht mit einem Bein in der 2. Bundesliga. Die Relegation ist den Rasenballern nicht zu nehmen. Gegen Darmstadt 98 soll am Samstag der direkte Aufstiegsplatz gefestigt werden (Anstoß. 14 Uhr). Sportdirektor Ralf Rangnick plant längst für die Zweitliga-Saison. mehr…

Der Tunnel: Die Rasenmäherzeichnung von Ralf Witthaus im agra-Park ist fertig

Das "Tunnel"-Projekt im agra-Park.
Die Verwandlung im beliebten agra-Parks in ein Kunstwerk auf Zeit ist vollendet, meldet die Stiftung „Bürger für Leipzig“. Sie ist die Koordinierungsstelle Leipziger Gartenprogramm, das Leipzig jedes Jahr mit einem Reigen von Park- und Gartenveranstaltungen überzieht. Das Kunstprojekt im agra-Park gehört in diesem Jahr dazu. mehr…

Nicht nur die Darmflora der Europäer ist interessant: Forscherteam analysiert erstmals Darmbakterien heute lebender Jäger und Sammler in Afrika

Hadza-Frauen bei der Zubereitung von Knollen.
Die Darmflora beeinflusst zahlreiche Aspekte der Gesundheit und Nährstoffaufnahme beim Menschen, doch bisher konzentrierte sich die Forschung hauptsächlich auf „westliche“ Bevölkerungsgruppen. Ein internationales Forscherteam, dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig angehören, hat nun erstmals die Darmflora einer modernen Jäger- und Sammlergesellschaft, der in Tansania lebenden Hadza, untersucht. mehr…

Sächsischer Kürzungswahn: Das Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig lädt ein zur Podiumsdiskussion am 26. April

Foto vom ersten Aktionstag für die Theaterwissenschaften im Schauspiel Leipzig.
Am Sonnabend, 26. April, lädt das Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig um 19:30 Uhr in den Großen Saal des Theaters der Jungen Welt (Lindenauer Markt 21) ein zur Podiumsdiskussion "Der Fall der Theaterwissenschaft. Geisteswissenschaften zwischen Ökonomisierung und kritischem Korrektiv". Denn dass Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer den Hochschulen ihre Kürzungspläne aufgedrückt hat, hat seine Ursache ja in einem simplen, fast erschreckend simplen ökonomisierten Denken. mehr…

Nach Tabu-Bruch der Leipziger Verwaltung: Ökolöwe startet Petition für einen autofreien Clara-Zetkin-Park

Die zum Stadtwerke-Marathon gesperrte Sachsenbrücke.
Protesten zum Trotz wurde der Clara-Zetkin-Park am Sonntag, 13. April, als Umleitungsstrecke für PKW während des Stadtwerke-Marathons geöffnet. Von 10 bis 16 Uhr rollten die Autos über die Max-Reger-Allee Richtung Schleußig. Viele Familien mit Kinderwagen, sowie weitere Spaziergänger, Skater und Radler mussten wiederholt am aufgestellten Absperrgitter warten, ehe sie gefahrlos die Max-Reger-Allee an der Sachsenbrücke passieren konnten. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Die L-IZ-Suche.
Tagesansicht: heute | gestern | vorgestern
Tagesansicht: heute | gestern | vorgestern
Anzeigen.
Nachspiel
Veranstaltungshinweise der IHK Leipzig

Veranstaltungshinweise:

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
Zur Website der IHK Leipzig
Quick Reifendiscount
Monatsmagazin 3VIERTEL
Zuletzt auf L-IZ.de veröffentlicht.
Alle Artikel von heute in der Tagesansicht.
Anzeigen.
Größter Indoor-Spielplatz in Mitteldeutschland
Gewinnspiele & Aktionen.
Bücher:
Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher aus Leipzig.
Unser Senf
Aktuelle Dossiers.
Anzeigen.
Link-Tipps.
Forum Café LE
Bildblog