In eigener Sache: Unsere Gesellschaft lebt vom Austausch nicht vom Burgenbauen
Michael Freitag
05.03.2013
Da uns in den letzten Tagen, bei 130.000 Lesern monatlich nicht ganz unerwartet, einige Fragen zum neuen "Leistungsschutzrecht" erreichten, versuchen wir mal auf diesem Wege, die Haltung der L-IZ.de zu diesem Thema zu erklären. Sozusagen ein Statement in eigener Sache - zu einer seltsamen Sache. Und selten noch dazu das Statement selbst. Es können, dürfen und sollen gern auch weiterhin von uns die bei Facebook, G+, Twitter usw. eingestellten Inhalte geteilt werden. Natürlich auch (wie immer schon) nicht ganze Artikel. Dass auch wir davon leben, dass Menschen auf unserer Seite Artikel lesen, die wir geschrieben haben, versteht sich von selbst und gehört längst zum "guten Ton" im Netz. Übrigens fast frei von Gesetzgebungen.
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Zum neuen "Leistungsschutzrecht" und "Bezahlmodellen" im Netz also nur soviel und mehr: Wir können auch nichts dafür, dass so viele Politiker im deutschen Bundestag und so mancher hoffentlich in Würde ergrauter Verlagsinhaber nicht verstehen, worum es beim Netz heute bereits und noch mehr in Zukunft gehen wird, wo die demokratischen Elemente liegen und wie wertvoll es ist, dass Menschen weltweit wie lokal Zugang zu (hoffentlich so wertvollen) Informationen haben wie noch nie zuvor.
Auch eine Gesellschaft, in der eine Information eine Zugangsbarriere beinhaltet, ist letztlich eine, die dem Wissen vorab ausschließlich finanziellen Erfolg voraussetzt. Und dieser ist leider noch allzuoft durch Geburt geschenkt oder auf zumindest zu beobachtenden Wegen erlangt, dass dies für uns nicht das eigentliche Kriterium sein kann.
Dass wir neu gewonnene Informationen gemeinsam einordnen, bewerten, mit Leben füllen müssen, ist dabei klar, ja unabdingbar. Und vollkommen unabhängig von einer Piratenpartei. Doch vor einem Gewinn für Alle müssen wir die Informationen selbst kennen.
Das neue LSR-Gesetz selbst ist derzeit ein wirklich einziger juristischer Murks (wir haben es gelesen), welcher nur Unsicherheit und keine Klarheit schafft. Die Abmahnanwälte sitzen also, dem logisch folgend, mit gespitzter Feder schon auf dem Sprung. Ihre Federn zeigen nicht auf uns, denn wir erstellen eigene Inhalte. So gesehen könnten wir sagen – was geht es uns an?
Aber es zielt auf unsere Leser, teilweise auf unsere Partner, in jedem Fall aber auf Menschen, die anders aufgewachsen sind als ihre Altvorderen, die diese Gesetze derzeit offenbar verantworten. Aus unserer Sicht ist also das “Federspitzen” der derzeit einzige, sofort sichtbare Effekt der neuen Verunsicherung qua Gesetz und somit der Gewinner jedenfalls nicht der Bürger.
In jedem Fall aber ist eine Lobby bei der Arbeit, mit der wir nichts zu tun haben ... Andere schon, aber das müssen diese mit ihren Überzeugungen vereinbaren.
Danke also fürs Teilen auch dieses Beitrages, denn unsere Gesellschaft lebt vom Austausch mehr als vom Burgenbauen. Der Rest ist das Ringen um die besten Argumente statt Hoheit über die Zukunft durch Macht.
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