Depression - das totgeschwiegene Tabu: Weltsuizidpräventionstag in Leipzig
Matthias Weidemann
03.09.2010
Volkskrankheit Depression.
Foto: Matthias Weidemann
Traurig sein hat nichts mit Depression zu tun. Ein depressiver Mensch wäre froh, wenn er traurig sein könnte, weil Trauer eine Empfindung ist. Doch für depressive Menschen ist alles grau, taub und ohne Empfindung. Depressionen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Krankheiten.
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Jeder fünfte Deutsche erkrankt einmal im Leben an einer Depression. Derzeit leiden vier Millionen Menschen an einer Depression. Allerdings erhält nur eine Minderheit die optimale Behandlung. Zum Weltsuizidpräventionstag am 10. September stellt das Leipziger Bündnis gegen Depression nach seiner Gründung im Juni 2009 erste Forschungsergebnisse einer internationalen Studie vor.
Das Leipziger Bündnis gegen Depression ist Teil des von der Europäischen Kommission geförderten internationalen Suizidpräventionsprojekts (Projekt zur Verhinderung von Selbstmorden) OSPI-Europe. OSPI steht für Optimizing Suicide Prevention Programmes And Their Implementation in Europe – Die Optimierung von Selbstmord-Präventionsprogrammen und deren Umsetzung in Europa. Dieses von Leipzig aus geleitete Projekt umfasst europaweite Maßnahmen. Eine telefonische Umfrage unter der Bevölkerung in den beteiligten Ländern legt den Schluss nahe, dass gerade in Deutschland Depression oft als eine persönliche Schwäche des Betroffenen interpretiert und nicht als Krankheit anerkannt wird. Dabei könnten mehr Toleranz und Akzeptanz den Betroffenen den Schritt zu einem Experten erleichtern, um so letztlich die Selbstmordrate zu senken.
4 Millionen Deutsche haben mit Depressionen zu kämpfen.
Foto: Matthias Weidemann
Weltweit nehmen sich jedes Jahr etwa eine Million Menschen das Leben. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2008 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 9451 Suizide gezählt. Forschungsergebnisse belegen, dass etwa 90 Prozent aller Selbstmordversuche psychische Ursachen haben. Die Hälfte davon wird depressiven Erkrankungen zugerechnet. Erklärtes Ziel von OSPI-Europe ist es deshalb, die Versorgung depressiv erkrankter Menschen zu verbessern, um dadurch die Rate der Selbstmorde und Selbstmordversuche zu senken.
Das Leipziger Bündnis gegen Depression, das an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig angesiedelt ist, repräsentiert eine von vier europäischen Interventionsregionen. Seit der Gründung im Jahre 2009 führt das Bündnis eine ganze Reihe von Projekten und Maßnahmen durch. Dazu gehören Schulungen von Hausärzten und anderen relevanten Berufsgruppen. Auch die Aufklärung sowie damit verbundene Angebote für Angehörige gehören dazu. Gerade hier besteht ein großer Bedarf an Beratung und Hilfe, sind Angehörige und Freunde von Depressiven doch oft überfordert und leiden in vielen Fällen selber mittelbar an der Krankheit.
Leipzig ist mittlerweile ein Schwerpunkt der Depressions-Forschung.
Foto: Matthias Weidemann
Ein ebenfalls nicht zu unterschätzendes Problem ist, dass viele Angehörige von an Depressionen erkrankten Menschen selber in die Rolle des Therapeuten schlüpfen wollen, somit in den Sog der Krankheit geraten. Ein weiterer Aspekt der Arbeit des Projektes ist die Begrenzung des Zuganges zu tödlichen Mitteln sowie eine Aufklärungskampagne für die Öffentlichkeit.
Diese Kampagne ist von großer Bedeutung, wie die Befragungen unter der Bevölkerung zeigen. Aus der Studie geht hervor, dass in Deutschland mehr Menschen negative Einstellungen und Vorurteile gegenüber Depressiven haben als zum Beispiel in Ungarn, Portugal oder Irland. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO stellen Suizide eines der größten gesundheitsrelevanten Probleme der Gegenwart dar.
Um darauf aufmerksam zu machen, wurde im Jahre 2003 erstmals der Weltsuizidpräventionstag ins Leben gerufen, der seither einmal im Jahr am 10. September begangen wird. Dieses Jahr will das Leipziger Bündnis die Ergebnisse der internationalen aktuellen Bevölkerungsumfrage vorstellen und die Projektarbeit in der Messestadt vorstellen.
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