Treureal und AOK besiegeln Kooperation: Wie organisiert man sich eine gesunde Belegschaft?
Ralf Julke
05.08.2011
Kristina Winter und Heinz Colligs.
Foto: Ralf Julke
Die hohe Politik hat zwar gnädigerweise eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre angewiesen. Aber trotz aller Proteste der Gewerkschaften haben sich die Gesetzesmacher bis heute nicht dazu bequemt zu erklären, wie es die Beschäftigten bis dahin schaffen sollen. Die Frage müssen sich die Unternehmen und ihre Mitarbeiter also selbst beantworten. Ein kleiner Vororttermin in der Brandenburger Straße 14.
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In dem 100-jährigen Bürogebäude sind mehrere Dienstleistungsunternehmen untergebracht. Drei Etagen belegt der Immobiliendienstleister Treureal. 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich hier um die von Treureal verwalteten Immobilien. 90 Prozent sind Frauen. Und sie haben natürlich ganz ähnliche Probleme wie zehntausende andere Angestellte in Leipzig auch: Ihr Bürotag hat acht Stunden. "95 Prozent arbeiten Vollzeit", sagt Jana Baumgart, Geschäftsführerin von Treureal Accounting, das in der 5. Etage des Hauses seine Büros hat.
Und Büroarbeit bringt ihre ganz eigenen Probleme mit sich: Man sitzt den ganzen Tag in verschlossenen Räumen, hat keine Luftveränderung, verändert kaum die Haltung, hat kaum Bewegung - entsprechend melden sich früher oder später Rücken und Bandscheiben zu Wort.
Bei Treureal hat man deshalb schon ein eigenes TreuVital-Team gegründet, in dem sich Angestellte und Führungskräfte gemeinsam Gedanken darüber machen, wie man die eintönigen Rahmenbedingungen aufbrechen und das gesundheitliche Klima verbessern kann. "Das, was wir jetzt schon fest installiert haben, sind regelmäßige Massagen für die Mitarbeiter", erzählt Jana Baumgart, die auch Mitglied im TreuVital-Team ist. "Es geht ja darum, die Beschäftigung mit der eigenen Gesundheit nachhaltig zu machen."
Vertragsunterzeichnung: Kristina Winter und Heinz Colligs.
Foto: Ralf Julke
Das geht nicht nur den Leipziger Mitarbeiterinnen so. Heinz Colligs, Leiter der Unternehmenskommunikation von Treureal, ist extra aus Mannheim angereist. "Das Thema ist irgendwie da", sagt er. "Und wir sehen es als unsere Aufgabe, für bestimmte Dinge den Blick zu schärfen und beim Thema Gesundheitsvorsorge Kontinuität reinzubekommen."
Um das zu erreichen, hat sich Treureal einen Partner gesucht - die AOK plus. Am Donnerstag, 4. August, wurde feierlich ein Vertrag unterzeichnet, mit dem die Krankenkasse als Partner für die betriebliche Gesundheitsförderung im Haus gewonnen wird. Für die AOK unterschrieb die Regionalgeschäftsführerin Kristina Winter den Vertrag. Dabei geht es nicht darum, dass die Treureal-Mitarbeiter gleich die Kasse wechseln. "Wäre schön", sagt Kristina Winter. "Dann hätten beide Seiten etwas davon."
Aber der Vertrag mit Treureal ist auch ein Pilotprojekt: Mit einer Analyse der vorgefundenen Rahmenbedingungen, mit Kursen und Seminaren will die AOK plus im Unternehmen zeigen, wie sich die Mitarbeiterinnen selbst mit gesunder Lebensweise beschäftigen können. "Es geht einfach um die Grundeinstellung und darum, nicht abzuwarten, bis es zu spät ist etwas zu tun", sagt Kristina Winter. Denn Prävention fängt nicht damit an, dass jemand drei Mal die Woche ins Fitness-Studio rennt.
Kristina Winter, Regionalgeschäftsführerin der AOK plus, und Heinz Colligs, Leiter Unternehmenskommunikation der Treureal GmbH.
Foto: Ralf Julke
Manchmal sind es kleine Dinge, die im Büroalltag und im eigenen Leben geändert werden können. Dazu sollen in den nächsten Wochen gemeinsam Handlungsfelder abgesteckt werden. Denn für die eigene Gesundheit ist tatsächlich jeder selbst verantwortlich - wenn das ganze Unternehmen mitzieht und Gesundheitsprävention zur Kultur des Hauses wird, verändert sich auch das Betriebsklima. "Denn ein Ziel sollte ja sein", so Colligs, "unsere Mitarbeiter möglichst gesund zu erhalten."
Ein Thema, das das ganze Unternehmen Treureal mittlerweile beschäftigt. Denn wie schafft man Arbeitsbedingungen, die auch für ältere Arbeitnehmer günstig sind? Oder gar solche, die erst gar keine Probleme für ältere Beschäftigte entstehen lassen? Immerhin bedeutet der kommende Engpass bei Arbeitskräften in Deutschland auch, dass jedes Unternehmen gut beraten ist, auf die Gesundheit seiner Angestellten rechtzeitig ein Augenmerk zu richten. Betriebliche Gesundheitsförderung wird zu einem ganz wesentlichen Thema der Unternehmenszukunft. Nicht nur in Sachsen. Und auch nicht nur bei Firmen mit vielen Büroangestellten.
"Wir werden uns auch intensiv mit dem Thema Familienfreundlichkeit beschäftigen müssen", sagt Jana Baumgart. Es geht um Teilzeitmodelle und funktionierende Wiedereinstiegsprogramme junger Mütter - aber auch um den Puffer, krankheitsbedingte Auszeiten junger Eltern abzufangen. Bei solchen Aufgaben ist die Schaffung gesunder Arbeitsbedingungen und nachhaltiger Gesundheitsstrategien für die Mitarbeiter fast schon Hintergrundmusik. Eine wichtige Hintergrundmusik, die einfach wie selbstverständlich mitlaufen muss, wenn die kleinen Probleme des Arbeitsalltags sich auftun.
"Natürlich hoffen wir, dass möglichst viele Unternehmen das Angebot in Anspruch nehmen", sagt Kristina Winter. Denn aus Sicht der Krankenkasse bedeutet die Umsetzung durchdachter Präventionsprogramme langfristig auch die Einsparung von Kosten im Gesundheitswesen - mehr Lebens- und Arbeitsqualität für die Betroffenen sowieso. Und es sieht ganz so aus, als hätten künftig jene Unternehmen die besseren Karten bei der Gewinnung von Personal, denen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter am Herzen liegt.
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