Studie zur Leipziger Umweltzone: Schwankungen in der Feinstaubkonzentration sind in der Notfallstatistik ablesbar
Redaktion
30.09.2011
Ein Umweltzone-Schild wird montiert.
Foto: Matthias Weidemann
Feinstaubpartikel erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und führen besonders zu Blutdruckproblemen. Dass es einen deutlichen Zusammenhang gibt, konnte jetzt eine weitere Studie zeigen, die die Einsätze des Rettungsdienstes in Leipzig ausgewertet hat.
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Dazu verglichen die Forscher ein Jahr lang alle knapp 24.000 Notfalleinsätze mit Daten zur Feinstaubbelastung in der Stadt. Es sei im öffentlichen Interesse notwendig, Möglichkeiten zur Reduzierung dieser Art von gesundheitsschädlichen Partikeln zu finden, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science of the Total Environment". Umweltzonen könnten eine Maßnahme dazu sein.
So genannte Umweltzonen wurden und werden eingeführt, um zur EU-weit vorgegebenen Einhaltung der Feinstaubgrenzwerte beizutragen. Dazu wird der Betrieb von Fahrzeugen vor allem mit älteren Dieselmotoren eingeschränkt, um die Freisetzung von Feinstaub - das heißt hier Dieselruß aus dem Auspuff - zu verringern. Dieselruß besteht aus sehr vielen Partikeln, wiegt aber wenig, weil die Partikel sehr klein sind. Das senkt die Gesamtmasse des Feinstaubs in der Luft etwas, so dass möglicherweise etwas weniger Grenzwertüberschreitungen zu erwarten sind, auch wenn die Belastungen wesentlich von der Wetterlage abhängen. Feinstaubmassenkonzentrationen kurz unter dem Grenzwert sind aber für die Gesundheit erst einmal kaum weniger schädlich als solche kurz über dem Grenzwert.
Eine soeben veröffentlichte Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), die unter anderem Messdaten des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (IfT) verwendet, zeigt nun, dass eine hohe Anzahl kleiner Partikel, die in Städten zu großen Teilen aus Dieselruß bestehen, die Gesundheit der Bewohner schädigen kann. Dazu wurden sämtliche medizinischen Notfalleinsätze von Februar 2002 bis Januar 2003 in Leipzig ausgewertet und unter Berücksichtigung anderer Einflussgrößen wie zum Beispiel der Temperatur mit den Massen von Feinstaub verschiedener Größen in Beziehung gesetzt.
„Nach unserem Wissen ist es das erste Mal, dass auf diese Art und Weise Tageswerte von Herz-Kreislauf-Notfalleinsätzen und Feinstaubbelastungen für alle Bewohner einer ganzen Stadt in Zusammenhang gesetzt wurden", berichtet Dr. Ulrich Franck vom UFZ.
In Leipzig wurden im März die Schilder der Umweltzone angebracht.
Foto: Matthias Weidemann
Über zwei Drittel der Notfalleinsätze hatten ihre Ursache in Herz-Kreislauf- und in Atemwegserkrankungen. Die genauere Auswertung ergab, dass auch die Anzahl der ultrafeinen Partikel (kleiner als 100 Nanometer) einen großen Einfluss hat. Bereits ein Anstieg der Anzahl dieser sehr kleinen Partikel um 1.000 pro Kubikzentimeter führte zu etwa fünf Prozent mehr Notfalleinsätzen wegen einer plötzlich auftretenden Fehlregulation des Blutdrucks (so genannte hypertensive Krise).
Die mittlere Konzentration dieser Partikel lag im Beobachtungszeitraum in Leipzig aber viel höher - bei über 12.000 pro Kubikzentimeter - und kann an stark befahrenen Straßen auch in der Größenordnung von 100.000 liegen.
Auch wenn die toxikologischen Zusammenhänge zwischen der Belastung der Luft und den Erkrankungen nicht vollständig geklärt sind, so bestätigt diese Studie die Einflüsse der Luftbelastung mit kleinen Partikeln auf den Gesundheitszustand zumindest von empfindlichen Personen.
Diese in Leipzig durchgeführte Studie zeigt, dass nicht nur die Masse des Feinstaubes in der Luft eine gesundheitliche Bedeutung hat, sondern gerade für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch die Anzahl der Feinstaubpartikel, wie sie von den meisten modernen Dieselfahrzeugen wesentlich weniger freigesetzt werden.
„Eine Verringerung der Fahrleistung von Dieselfahrzeugen mit veralteter Technik kann deshalb tatsächlich die gesundheitliche Gefährdung der Stadtbewohner verringern", erläutert Dr. Ulrich Franck vom UFZ. „Und das auch dann, wenn ein möglicher Effekt auf die Einhaltung der gesetzlichen massenbezogenen Grenzwerte wegen des Witterungseinflusses erst über mehrere Jahre hinweg nachgewiesen werden kann."
Um eine Aussage zur möglichen Verringerung von gesundheitlich bedenklichen Belastungen zu treffen, muss zusätzlich bestimmt werden, welchen Einfluss eine Umweltzone auf die Belastung mit Dieselrußpartikeln hat. „Die Dieselruß-Konzentration hat sich in diesem Sommer im Stadtzentrum gegenüber dem Vorjahr verringert", ergänzt Prof. Alfred Wiedensohler vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung. „Dies kann ein erster Indikator für die Wirksamkeit der Umweltzone bezüglich der Verringerung der Dieselrußemissionen sein."
Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung misst an fünf Stellen in Leipzig und Umgebung Konzentrationen von ultrafeinen Partikeln und Dieselruß, die als Grundlage für die Studie dienten.
Die Forscher kommen dabei zu dem Fazit: Die Bestimmung der Massenkonzentration allein genügt aus ihrer Sicht nicht, um die Schädlichkeit der Luftpartikel zu bewerten. Die Diskussion um die Wirksamkeit der Umweltzone, wie sie zurzeit beispielsweise gerade in Leipzig (wo die Umweltzone am 1. März 2011 eingeführt wurde) geführt wird, gehe daher teilweise am Ziel vorbei, wenn nur beobachtet wird, wie sich die Gesamtmasse an Feinstaub in der Luft (PM10) entwickelt hat, aber die Konzentration des Dieselrußes im Feinstaub nicht berücksichtigt wird.
Die Veröffentlichung von Franck, Odeh, Wiedensohler, Wehner und Herbarth "The effect of particle size on cardiovascular disorders - The smaller the worse" findet man hier: http://dx.doi.org/10.1016/j.scitotenv.2011.05.049
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