Schafft die Sommerzeit ab! - Weckerumstellung am Sonntag, jeder 10. leidet
Ralf Julke
25.10.2011
Sommerzeit bringt keine Energieersparnis.
Foto: Ralf Julke
Manche freuen sich auf dieses Wochenende, finden es gut, dass sie am Sonntag eine Stunde länger schlafen können. Aber die Mehrheit der Deutschen findet den halbjährlichen Tanz um das Vor- und Zurückdrehen der Uhren schlichtweg überflüssig. Das bestätigte einmal mehr eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK.
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Wenn am 30. Oktober die Uhren wieder um eine Stunde zurückgestellt werden und die Winterzeit beginnt, sind sich die Deutschen einig: Die Mehrheit findet das überflüssig. Zwei Drittel - genauer: 68 Prozent - gaben dies beim aktuellen DAK-Gesundheitsbarometer an. Ebenso viele glauben nicht, dass dadurch Strom gespart wird. Was ja immerhin das Hauptargument dafür war, dass die so genannte Sommerzeit 1975 in Europa eingeführt wurde. Damals noch im Gefolge der Ölkrise von 1973. Man ging davon aus, dass man durch das frühere Aufstehen und das längere Nutzen des Tageslichts Energie sparen könnte.
Das wäre auch 2011 noch ein Argument - wenn es sich denn beweisen ließe. Doch belastbare Studien gibt es bis heute nicht. Eine Studie aus Kalifornien belegt sogar die Möglichkeit, dass die Sommerzeit den Energieverbrauch erhöht.
Dass die erwünschte Energieeinsparung auch in Deutschland nicht erreicht wurde, bestätigte am 18. Mai 2005 die Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP (15/5380) erklärte die Bundesregierung, dass schon die durch das Bundesumweltamt recherchierten Erkenntnisse zehn Jahre zuvor ergeben hätten, dass von einer Zeitumstellung keine positiven Energiespareffekte zu erwarten sind. So werde die Einsparung an Strom für Beleuchtung durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch Vorverlegung der Hauptheizzeit überkompensiert. Aus umweltpolitischer Sicht wäre es daher nicht notwendig, die mitteleuropäische Sommerzeit beizubehalten. Deren Einführung in Deutschland im Jahr 1980 sei zur besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit im Sommer und zur Angleichung der Zeitzählung an die benachbarten Staaten eingeführt worden. Deutschland sollte keine Zeitinsel bleiben.
Man stellt also in Deutschland die Uhren nur immer vor und zurück, weil es alle Nachbarstaaten auch so machen. Und da es auch die EU nicht fertig bringt, einen als unsinnig erkannten Beschluss auch wieder zu revidieren, macht man immer so weiter. Mit bekannten gesundheitlichen Schäden für viele Betroffene. Auch das kostet Geld.
Überwiegend junge Leute zwischen 14 und 29 Jahren können der Zeitumstellung etwas Positives abgewinnen. 60 Prozent von ihnen freut vor allem die Stunde mehr Schlaf und 28 Prozent sehen die Zeitumstellung als gute Einstimmung auf den Herbst. Im Ost-West-Vergleich sagen dies vor allem die Westdeutschen mit 24 Prozent (im Vergleich zu 17 Prozent bei den Ostdeutschen).
Auch die EU ist nicht in der Lage, falsche Entscheidungen zu revidieren.
Foto: Ralf Julke
Doch unübersehbar sind auch in der Krankenstatistik die wirtschaftlichen Folgen. Denn insbesondere Berufstätige leiden noch Tage nach dem Umstellungsdatum unter dem veränderten Tagesrhythmus.
30-bis 59-Jährige sind laut Umfrage besonders kritisch. Sie leiden auch eher gesundheitlich (14 Prozent). Jüngere Leute unter 30 Jahren kommen mit der Umstellung noch etwas besser zurecht - hier klagen nur 6 Prozent. Das vor allem Berufstätige leiden, die mit der Umstellung oft noch wochenlang zu kämpfen haben, sollte eigentlich am Wirtschaftsstandort Deutschland eine Rolle spielen.
„In dieser Altersgruppe gibt es die meisten Berufstätigen, denen die Umstellung wohl an den folgenden Arbeitstagen zu schaffen macht“, meint DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. Auch Frauen sind stärker von der Umstellung betroffen (15 Prozent). Warum es hier Geschlechtsunterschiede gibt, sei bislang noch ungeklärt. Es sei allerdings wahrscheinlich, dass Männer nur ungern zugeben, dass sie ebenfalls somatisch auf die Umstellung reagieren. Trotzdem bekunden 11 Prozent aller Befragten, dass sie unter der Zeitumstellung leiden.
Eine DAK-Umfrage von 2009 hatte bereits ergeben: Vor allem kleinen Kindern macht die Zeitumstellung im Herbst zu schaffen. Jedes zweite Kind unter drei Jahren und jedes dritte vier- bis sechsjährige Kind war in den Tagen danach quengelig, müde oder hatte Schlafstörungen.
Ein deutscher Wirtschaftsminister, der jetzt eine EU-Initiative starten würde, die Sommerzeit - oder wahlweise die Winterzeit - wieder abzuschaffen, würde tatsächlich Europa einmal etwas Gutes tun. Aber wahrscheinlich wird auch der aktuelle Wirtschaftsminister diese Chance verschlafen - irgendwann am Sonntag zwischen 2 und 3 Uhr.
Am Sonntag, 30. Oktober, wird in Mitteleuropa die Uhr von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Die Umstellung markiert den Wechsel von der Sommerzeit zur Winterzeit (Normalzeit).
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