Psychische Erkrankungen – 200 Jahre Forschung in Leipzig (2): Der erste seelenheilkundliche Lehrstuhl der westlichen Welt
Matthias Weidemann
02.11.2011
Dr. Holger Steinberg.
Foto: Matthias Weidemann
Die Zeiten, als es Irrenhäuser gab, in denen geisteskranke Menschen weggeschlossen wurden und unter meist erbärmlichen Umständen vor sich hin vegetierten, sind Gott sei Dank - jedenfalls bei uns - schon lange vorbei. Menschen mit Wahnvorstellungen oder Depressionen wurden lange als von Gott gezeichnete oder vom Teufel besessene gefürchtet, stigmatisiert und geächtet.
Anzeige
Erst Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts begann man damit, seelische Störungen als eine Krankheit zu betrachten und sie entsprechend zu therapieren. Dr. Holger Steinberg ist Historiker im Archiv für Leipziger Psychiatriegeschichte an der Uni Leipzig. Übrigens der einzige in Deutschland an einem solchen Institut.
Anlässlich des 200-jährigen Bestehens dieser Institution hat er sich intensiv mit der Geschichte Leipziger Universitätspsychiatrie befasst: „Die Einrichtung des Leipziger Lehrstuhls für „Psychische Therapie“, also des ersten seelenheilkundigen Lehrstuhls in Europa, geht auf eine Weisung des sächsischen Königs zurück.“
Gottlob Adolph Ernst von Nostitz und Nenckendorf.
Repro: Matthias Weidemann, Quelle: Kuratorium GedenkstätteSonnenstein e.V., Sächsische Landeszenrale für politische Bildung (Hg). Nationalsozialistische EuthanasieVerbrechen in Sachsen. 3. Aufl. Dresden/Pirna, 1999: II
Jener Friedrich August I. (1750-1827) verhalf am 21. Oktober 1811 einen Leipziger Professor zum ersten Lehrstuhl für „Psychische Therapie“. In der Weisung hieß es unter anderem: „Wir sind gemeinet, die, vermöge eines unter dem heutigen Tage an euch eingehenden besonderen Rescripts, auf Unserer Universität zu Leipzig neuerrichtete außerordentliche Professur der psychischen Therapie dem Uns mehrmals angerühmten außerordentlichen Profeßor der Medizin daselbst, Dr. johann Christian August Heinroth, aufzutragen.“
Warum ein solcher Lehrstuhl gerade in Leipzig eingerichtet und warum Heinroth damit betraut wurde, führt Dr. Holger Steinberg auf eine umfassende Reform zurück, der die gesamte Universität in Leipzig unterlag. Der Historiker: „Der sogenannten Commission zur Revision und Reformation der Leipziger Universität“ stand Gottlob Adolph Ernst von Nostitz und Nenckendorf vor. Seit 1806 hatte er in den sächsisch-königlichen Verwaltungen eine bedeutende Stellung inne, vor allem trat er 1809 als Konferenzminister in den Geheimen Rat ein. Ihm unterstanden unter anderem sämtliche landeseigenen Krankeneinrichtungen, und auch der Aufbau der mustergültigen Heilanstalt für Geisteskranke auf dem Sonnenstein.“
So geht der Medizinhistoriker davon aus, dass der oberste Beamte für das sächsische Gesundheitswesen es sich nicht nehmen ließ, an der Umgestaltung der Medizinischen Fakultät der Landesuniversität Leipzig aktiv teilzunehmen. So könne es als wahrscheinlich gelten, dass er eine zielgerichtete theoretische Ausbildung der Irrenärzte, an denen in Sachsen durch die Entfaltung des Anstaltswesens großer Bedarf entstanden war, guthieß.
Dr. Holger Steinberg: „Ein psychiatrischer Universitätslehrstuhl schien diesem Bedürfnis zu entsprechen.“ Der hohe Verwaltungsbeamte galt zudem als führender Kopf einer sozialkonservativ-philantropischen Bewegung in Sachsen, die sich auch die Neuordnung der Irrenversorgung auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Dr. Steinberg: „Also wird Heinroth ihm wohl bekannt gewesen sein.“ So wurde Johann Christian August Heinroth der erste akademisch bestellte Hochschullehrer für Psychiatrie und Psychotherapie Europas und der ganzen westlichen Welt.
Biodiversivität ist ein sperriges Wort, dem aber aufgrund weiter um sich greifender Umweltzerstörungen auf unserem Planeten immer mehr Bedeutung zukommt. Die Artenvielfalt auf der Erde ist zunehmend bedroht. 60.000 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste. Auch der Leipziger Zoo hat sich die Arterhaltung auf die Fahne geschrieben, gibt 165.000 Euro jährlich für Schutzprojekte aus und hat sich mit dem künftigen Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversivitätsforschung (iDiv) einen wichtigen Partner an Bord geholt. mehr…
„Wenn jeder hier im Raum begreift, dass Energiesparen nötig ist und beim eigenen Griff zum Lichtschalter beginnt, dann ist es egal, ob es ab heute einen neuen Umweltminister gibt“, machte Schulleiter Thomas Graupner am Dienstag, 22. Mai, im Berufsschulzentrum 7 deutlich, worum es bei der neuen Bildungsinitiative Energie geht. mehr…
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat Reik Hesselbarth hat den Beschlussvorschlag von Kulturbürgermeister Faber zur Umsetzung des Finanzierungsanteils für die Freie Szene scharf kritisiert. Denn statt einen Vorschlag zu machen, wie der Stadtratsbeschluss von 2008 bis 2013 erfüllt werden kann, hat Kulturbürgermeister Michael Faber am 16. Mai eine Verschiebung des Termins vorgeschlagen. mehr…
Eigentlich könnten sich die Freunde des Leutzscher Fußballs gedanklich schon in die Sommerpause verabschieden. BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig Leutzsch haben beide die Klasse gehalten. Sportlich betrachtet geht es für beide Teams in den letzten Saisonspielen nur noch um die goldene Ananas. Wäre da nicht das grün-weiße Derby am 9. Juni. Die Chemie-Fans nutzen die Gunst der Stunde für eine klare Ansage. mehr…
Die Frage nach den personellen Konsequenzen in der Affäre um die Herrenlosen Häuser entzweit Leipzigs Parteien. Die linke OBM-Kandidatin Dr. Barbara Höll fordert eine Beurlaubung von Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD). Für Leipzigs FDP ist Oberbürgermeister Burkhard Jung der Verantwortliche, Hölls Forderung nur „eine erste wahltaktische Brücke“. mehr…
Am 27. Mai, um 19 Uhr, lädt der Freundeskreis „Gohliser Schlösschen“ e.V. herzlich zu einer „Pfingstlesung“ in den Festsaal des Hauses ein: „Erleben Sie mit uns die abenteuerlichen Geschicke des Reineke Fuchs, und wie es ihm, mehrfach angeklagt und verurteilt, immer wieder gelingt, mit verblüffender Intelligenz, mit Witz und Verschlagenheit, mit Lug und Trug, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, um schließlich sogar 'Kanzler des Reichs' zu werden.“ mehr…
Die Drogenpolitik und der Umgang mit Suchtkranken in Leipzig ist und bleibt offenbar ein heißes Eisen, das von dem einen oder anderen Protagonisten mit mehr oder weniger Eifer am Glühen gehalten wird. So schlug ein Interview von Michael Burgkhardt in der LVZ hohe Wellen. Der Chef der Bürgerfraktion im Stadtrat, gleichzeitig Suchtmediziner, ging mit der Stadt und dem Umgang mit der Drogenszene Leipzigs hart ins Gericht. mehr…
Am Dienstag, 22. Mai, wurden im Festsaal des Neuen Rathauses die Leipziger Agenda-Preise 2012 verliehen. In fünf Kategorien wurden Preisgelder in einem Gesamtumfang von 14.000 Euro sowie Sachpreise im Wert von rund 10.000 Euro vergeben. mehr…
Die Lebenshilfe Leipzig organisiert vom 8. bis 10. Juni zum zweiten Mal ein Geschwisterseminar mit der renommierten Sozialwissenschaftlerin Marlies Winkelheide (Bremen/Geschwisterkinder.de) und ihrem Team. Dieses wendet sich an die Eltern und Geschwisterkinder in Familien mit behinderten Kindern und findet in der Jugendherberge in Dahlen bei Leipzig statt. mehr…
Den 29. Mai kann, wer Lust hat, sich über diese seltsame Stadt am sächsischen Westrand ein paar Gedanken zu machen, vormerken im Kalender. Es ist ein Dienstag. Und die Stadt lädt ein in die Kongresshalle, konkret in den Händelsaal. Ab 19 Uhr darf man rein und schon mal die Fühler ausstrecken, 19.30 Uhr beginnt die Auftaktveranstaltung für ein Leipziger Zukunftsprojekt. Motto: Leipzig weiter denken. mehr…
Am 24. Mai um 15 Uhr lädt der Garten Annalinde mit Kaffee und Kuchen herzlich zur Eröffnung seiner Gartensaison ein. Seit Juni 2011 gibt es den mobilen Nutzgarten auf der Freifläche hinter der Bibliothek Plagwitz. Neben Kohl und Kartoffeln in Säcken werden dort Radieschen, Salat und Tomaten zusammen mit einer Vielzahl weiterer, teils alter Kultursorten in mobilen Hochbeeten angebaut. mehr…
Das nächste Monatlich Gespräch über Wissenschaft findet am Mittwoch, 23. Mai, um 19:30 Uhr im Haus des Buches (Gerichtsweg 23) statt. Moderiert wird es von Bettina Kremberg und Ulrich Johannes Schneider. Im Mittelpunkt steht Martin Seel, der über "111 Tugenden. 111 Laster" spricht. mehr…
Die Königin der Instrumente, die Orgel, ist zu Pfingsten in der Kirche Zuckelhausen, Zuckelhausener Ring, zu entdecken und zu hören. Am Sonnabend, dem 26. Mai 2012, erläutert Orgelbauer Stefan Pilz bei einer Orgelführung um 10 Uhr die Funktionsweise der Johann-Gottlob-Mende-Orgel (1822). mehr…
Mitteldeutschland befindet sich mitten in der Luther-Dekade. 2012 ist das Jahr der Musik. 2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal. Und die Evangelische Verlagsanstalt hat ein Heft-Projekt gestartet, das im Mai 2011 mit Nürnberg startete und den Verlag auf Jahre beschäftigen wird: Orte der Reformation. Das wichtigste Heft liegt jetzt mit "Wittenberg" vor. mehr…
In Verfassungsschutzberichten landen nicht nur die wirklich staatsgefährdenden Organisationen. Oft beobachten die Schlapphüte auch Parteien und Vereine, von denen sie die Gefährdung nur vermuten. Manchmal über Jahrzehnte ohne Ergebnis. Da ist es schon erstaunlich, dass die Bundesregierung allein diese Beobachtungen zum Vorwand nehmen will, Vereinen ihre Gemeinnützigkeit abzuerkennen. mehr…