Wie wendet man Medikamente richtig an? Uniklinik Leipzig schult Eltern und Kinder
Matthias Weidemann
19.01.2012
Kinder und Medikamente - da gilt Vorsicht.
Foto: Matthias Weidemann
Erwachsene und Kinder reagieren auf die Einnahme von Medikamenten naturbedingt höchst unterschiedlich. Deshalb birgt gerade bei Kindern die falsche Anwendung von Medikamenten ein hohes Risiko für fehlenden Therapieerfolg und unerwünschte Wirkungen. Solche Risiken gilt es unbedingt zu vermeiden. Deshalb müssen nicht nur Ärzte und Pfleger, sondern auch Eltern und Kinder mit der richtigen Handhabung der Arzneimittel vertraut sein.
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Die Leipziger Arbeitsgruppe Klinische Pharmazie von Professor Thilo Bertsche will in einem interdisziplinären Projekt gemeinsam mit der Universitätskinderklinik unter der Leitung Professor Dr. Wieland Kiess und der Klinikapotheke und deren Leiter Dr. Roberto Frontini ein umfassendes Konzept zur pharmazeutischen Betreuung von Eltern und Kindern entwickeln und den Einfluss auf die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) wissenschaftlich untersuchen. Hierzu war gerade ein Förderantrag an die renommierte Lesmüller-Stiftung erfolgreich.
Die Arzneimitteltherapie bei Kindern stellt eine besondere Herausforderung dar. Dies hat viele Gründe. Arzneimittel sind teilweise nicht speziell bei Kindern klinisch untersucht - und in diesen Fällen auch von den Behörden nicht für Kinder zugelassen. Sollen solche Arzneimittel mangels Alternativen dennoch eingesetzt werden, erfordert dies in jedem Einzelfall eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Analyse bei der ärztlichen Verordnung.
Weniger beachtet wird allerdings, dass auch die Anwendung durch die Eltern und Kinder als Hochrisikoprozess erkannt wurde. Beispielsweise müssen Tabletten aufgelöst, geteilt oder zerkleinert werden, damit eine geringe Dosierung oder spezielle Darreichung für Kinder möglich wird. Dies kann jedoch zu schwerwiegenden arzneimittelbezogenen Problemen führen, wenn zum Beispiel die vollständige Wirkstoffmenge plötzlich freigesetzt wird oder Familienangehörige gefährlichen Arzneistoffen ausgesetzt werden.
Kinder und Medikamente - da gilt Vorsicht.
Foto: Matthias Weidemann
Ein fachübergreifendes Projekt der Arbeitsgruppe Klinische Pharmazie von Professor Thilo Bertsche in Zusammenarbeit mit der Universitätskinderklinik Leipzig und der Klinikapotheke soll nun die Sicherheit bei der Arzneimittelgabe an Kinder erhöhen. Dazu werden Eltern und Patienten in der richtigen Arzneimittelhandhabung durch Klinische Pharmazeuten geschult.
Die Ursachen von Anwendungsproblemen und Maßnahmen zu deren Prävention werden anhand spezieller Entscheidungsmodelle optimal aufeinander abgestimmt. Die Entwicklung und Validierung von je nach Patient unterschiedlichen, kinderfreundlichen Darreichungsformen stellt eine zusätzliche pharmazeutische Aufgabe in diesem Projekt dar. Arzneimittel zur Behandlung von Epilepsien sollen einen Schwerpunkt bilden. Denn der Bereich zwischen guter Wirksamkeit und unerwünschten Wirkungen ist hier sehr eng. Anwendungsprobleme können daher besonders schnell Konsequenzen haben - auch für die Weiterbehandlung außerhalb des Krankenhauses.
In weiteren Schritten sollen durch eine fakultätsübergreifende Kooperation mit dem Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (Sprachwissenschaften, d. Red.) (IALT) auch Eltern und Kinder mit sprachlichen Problemen vom Projekt profitieren. Die große Relevanz für die Patientenversorgung und Forschung dieses Projektes zeigt sich ganz aktuell auch in der Bewilligung eines Förderantrags von Professor Bertsche. Der Antragsteller konnte dabei auf mit Wissenschaftspreisen ausgezeichnete Vorarbeiten zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) aufbauen.
Die renommierte Dr.-August-und-Dr.-Anni-Lesmüller-Stiftung, die sich für zukunftsweisende Projekte in der pharmazeutischen Forschung engagiert, wird dieses Projekt über drei Jahre neben Sachmitteln durch die Finanzierung von Klinischen Pharmazeuten zur wissenschaftlichen Datenerhebung für Doktorate und Diplomarbeiten unterstützen.
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