Uni erhält Gütesiegel als Prostatakrebs-Zentrum – Früherkennung immer noch beste Garantie für komplette Heilung
Matthias Weidemann
02.02.2012
Prof. Jens-Uwe Stolzenburg und Prof. Rolf-Dieter Kortmann.
Foto: St. Straube/ UKL
Ein Zertifikat macht sich immer gut. Ob an der Wand im Büro oder als Nachweis für etwas, das man besonders gut kann. Es ist also so was wie ein Gütesiegel. Genau das hat das Universitätsklinikum Leipzig bekommen. Nämlich die Bescheinigung der Deutschen Krebsgesellschaft als "Zertifiziertes Prostatakarzinom-Zentrum".
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Damit bestätigen die unabhängigen Prüfer dem interdisziplinären Leipziger Krebsexpertenteam die Erfüllung höchster Qualitätsstandards bei der Behandlung der häufigsten Tumorerkrankung bei Männern. Das Leipziger Uni-Zentrum ist damit das erste in der Region, das die hohen Anforderungen an die Erteilung für ein solches Zertifikat erfüllt. "Das setzt zum einen große Erfahrung bei der Behandlung von Patienten voraus, die an Prostatakrebs erkrankt sind. Und zum anderen natürlich eine enge und hervorragend abgestimmte Zusammenarbeit aller Experten", sagt Prof. Dr. Jens-Uwe Stolzenburg, Direktor der Klinik für Urologie am UKL und Leiter des Zentrums.
Mehr als zwölf Partner vereint das im Zentrum zusammengefasste Netzwerk, darunter alle an der Diagnostik und Therapie beteiligten Fachdisziplinen einschließlich Strahlentherapie, Nuklearmedizin, Radiologie, Schmerzambulanz und Physiotherapie. "Unsere Patienten erhalten so eine optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Behandlung, die auf dem gesammelten Expertenwissen aller Beteiligten basiert", so Stolzenburg.
Anlaufstelle für Patienten ist der mit dem Universitätsklinikum kooperierende niedergelassene Urologe sowie eine Spezialsprechstunde am Universitätsklinikum selbst, anschließend beraten die Mediziner in wöchentlichen Tumorkonferenzen die individuelle Therapie. Am UKL stehen dafür modernste Verfahren zur Verfügung, unter anderem das Cholin-PET-CT als Diagnosemethode und seit kurzem auch das Operations-Robotersystem DaVinci.
Mit Gütesiegel: Prof. Jens-Uwe Stolzenburg und Prof. Rolf-Dieter Kortmann.
Foto: Foto: St. Straube/ UKL
Mit dessen Hilfe lassen sich Eingriffe zur Tumorentfernung noch schonender und präziser durchführen, so dass wichtige Funktionen in dem sensiblen Bereich der Prostata erhalten werden können. "Das Gerät ergänzt und erweitert unser langjährig entwickeltes Operations-Knowhow", so Stolzenburg, der bereits mehr als 200 Eingriffe mit dem Robotersystem durchgeführt hat.
Insgesamt werden am Universitätsklinikum Leipzig jährlich etwa 450 Prostatakrebsoperationen und mehr als 150 Bestrahlungen durchgeführt. Den Erfolg einer Krebsbehandlung garantiert aber vor allem das enge Zusammenspiel vieler Akteure: Zum Leipziger Zentrum gehören daher auch Selbsthilfegruppen und Reha-Einrichtungen, ebenso werden hier soziale Unterstützungsangebote oder eine psycho-onkologische Betreuung vermittelt.
Prostatakrebs ist mit jährlich 60.000 Neuerkrankungen die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Männern. Die frühere Ansicht, dass das männliche Hormon Testosteron Prostatakrebs verursachen kann, ist heute wissenschaftlich nicht mehr haltbar. Im Gegenteil ist es so, dass der Gehalt an Testosteron im Blut das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, keinesfalls erhöht. Allerdings wächst der Krebs bei einem schon erkrankten Patienten entsprechend der Höhe des Testosteron-Spiegels.
Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass möglicherweise ein Zusammenhang zwischen Entzündungsprozessen im Körper und Prostatakrebs bestehen können. Es wurden verschiedene Gene identifiziert, die sowohl bei Entzündungsprozessen als auch bei Prostatakrebs vermehrt aktiviert werden. Unumstritten ist jedoch das Alter als Risikofaktor. In einem gewissen Grade jedoch hat man(n) es selbst in der Hand, vorbeugend aktiv zu werden. Schließlich spielen laut neuesten Erkenntnissen auch Ernährung, Körpergewicht und regelmäßige sportliche Betätigung bei der Prävention eine wichtige Rolle. Also nicht auf Churchill hören, der mal gesagt haben soll „No sports“, was ganz frei übersetzt so viel heißt wie: „Sport ist Mord“. Bekanntlich ist ja das Gegenteil der Fall.
Wird der Krebs in einem frühen Stadium erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen sehr gut. Neben der Früherkennung sind für den Therapieerfolg vor allem die Erfahrung der Mediziner und eine nahtlose Betreuung in und außerhalb der Klinik bestimmend. Stolzenburg: "Mit der Zertifizierung erhalten unsere Patienten jetzt die Bestätigung, dass sie am UKL eine optimale Betreuung vorfinden."
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