Das ist manchmal keine leichte Aufgabe: Ein Interview zu Verhaltensänderungen bei der Ernährung
Gernot Borriss
05.01.2013
Dr. Jens Putziger.
Foto: Ernährungsmedizin Leipzig
Die guten Vorsätze zum Neuen Jahr handeln oft von bewusster Ernährung und einem gesünderen Lebensstil. „Es ist leicht, sich Wissen über eine gesundheitsbewusste Lebensweise anzueignen, aber schwer, diese in der täglichen Praxis umzusetzen“, sagt dazu der Leipziger Ernährungsmediziner Dr. Jens Putziger im L-IZ-Interview.
Anzeige
Herr Dr. Putziger, gute Vorsätze zum Neuen Jahr in Sachen Ernährung und Bewegung gehören zum Jahreswechsel wie die Fernsehklamotte „Dinner for one“. Was halten Sie als Ernährungsmediziner von den Besserungsschwüren Ihrer Mitmenschen zum Jahresbeginn?
Ich denke, es ist ganz wichtig, sich etwas für jeden neuen Lebensabschnitt vorzunehmen. Sei es ein Jahreswechsel oder ein anderes besonderes Ereignis, wie zum Beispiel ein runder Geburtstag. Das stellt eine innere Triebkraft in jedem Menschen her, noch etwas bewegen zu wollen, etwas zu verändern - sich also nicht aufzugeben, sondern sich etwas vorzunehmen, was möglicher Weise viel Kraft kostet. Oder anders gesagt: Zu leben.
Deshalb bin ich optimistisch und bestärke alle, die sich an mich wenden, um, von der Ernährungs- und Verhaltensseite her, an sich selbst und in sich etwas zu verändern und helfe ihnen dabei.
Es ist also nicht nur ein guter Brauch oder eine Überlieferung, sich besonders zum Jahreswechsel etwas zu wünschen oder aufzuerlegen. Sondern es steckt in jedem Menschen ein Verlangen, sich ständig weiter zu entwickeln, am „Ball zu bleiben“, um am Leben, dem sozialen und gesellschaftlichen Fortschritt teilzuhaben. Nur dies hält uns vital und leistungsstark. Und, seien wir einmal ganz ehrlich: Wer will das nicht.
Dass Gesundheit und Wohlbefinden von der Ernährung abhängen, wussten schon unsere Altvorderen. Lindenaus legendärer Arzt Dr. Ferdinand Goetz (1826-1915) guckte seinerzeit den Hausfrauen sogar in die Kochtöpfe. Was macht ein Ernährungsmediziner heute?
Er besinnt sich erst einmal einer noch älteren Regel. Hippokrates etwa 400 Jahre vor Christus sagte bereits: „Lasst eure Nahrungsmittel Heilmittel und eure Heilmittel eure Nahrungsmittel sein.“ Er wusste bereits vieles über die Wirkung der Kräuter und Tees. Und über den Knoblauch, der heiligen Pflanze, wie er sie nannte, sowie von Ruhe, Entspannung und Meditation.
Doch bevor Empfehlungen ausgesprochen werden können, muss ein Ernährungsmediziner ernährungsabhängige und ernährungsbedingte Erkrankungen diagnostizieren und dann erst therapieren. Dabei reicht das Spektrum von der Mangel- über die Fehlernährung bis hin zur Adipositas und deren Folgen sowie von der Ernährungsberatung bis hin zur künstlichen Ernährungstherapie.
Ein Ernährungsmediziner beteiligt sich an Studien und Erhebungen, zum Beispiel zur Ernährungssituation in Einrichtungen des Gesundheitswesens im Rahmen eines weltweiten Audits, dem "nutrition day". Dabei kann festgestellt werden, dass Mangelernährung wesentlich häufiger im Krankenhaus und in Pflegeeinrichtungen vorkommt als im ambulanten Bereich. Das ist allerdings erschreckend.
Eine gesunde Angewohnheit: die Portion Obst zwischendurch.
Foto: Ralf Julke
Vorbeugen ist bekanntermaßen besser als heilen …
Absolut. Ein Ernährungsmediziner ist auch dafür verantwortlich, dass einer Mangel- und Fehlernährung sowie einer Adipositas vorgebeugt wird. Deshalb informieren meine Kollegen und ich immer wieder über Tipps und Tricks zu einer gesundheitsbewussten Ernährung und Lebensführung, zu Verhaltensveränderungen und mehr Bewegung.
Ist es mit Tipps und Tricks allein getan?
Natürlich nicht. Diese Ratschläge müssen trainiert und immer wiederholt werden, so dass sie sich bewusst und unbewusst in den Tagesablauf einfügen und so tatsächlich zu Veränderungen führen. Das ist manchmal keine leichte Aufgabe.
Deshalb hält ein Ernährungsmediziner ein Team vor, das diese vielfältigen Aufgaben übernimmt. Es besteht aus ernährungskompetenten Schwestern, Diätassistenten, Physiotherapeuten und Psychologen.
In Leipzig arbeite ich eng mit dem Diakonissenkrankenhaus Leipzig und der Medica Klinik Leipzig zusammen. So hat sich ein großes Team geformt, das diesen Anforderungen gerecht wird und von mir ärztlicherseits geleitet wird. Es ist vom Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner BDEM® geschult und lizensiert. Wir bieten unter anderem ein multimodales, interdisziplinäres Programm zur Therapie der Adipositas Grad II und III und Adipositas assoziierter Folgeerkrankungen an: Doc Weight®, was vom BDEM in Kooperation mit dem Verband der Diätassistenten VDD entwickelt wurde.
Wer zählt alles zu Ihrem Team?
Dr. Jens Putziger.
Foto: Ernährungsmedizin Leipzig
In unserem Ernährungsteam arbeiten ernährungsmedizinische Trainer/-innen, beispielsweise die Diätassistentinnen Katharina Krause und Jeanett Laue sowie die Bewegungstrainer Physiotherapeut Christopher Kaulisch und Diplomsportlehrer Daniel Wagner. Zum Verhaltenstraining ziehe ich die Diplompsychologin Monika Gobin von der Institutsambulanz des Sächsischen Krankenhauses Altscherbitz hinzu.
Denn mit einer Ernährungstherapie kann man nur unter gleichzeitiger Änderung des Lebensstils, des Verhaltens, sportlicher Betätigung und Beratungen zum Essen, Essverhalten, Kochen sowie zum Einkaufen etwas erreichen. Es geht als Ziel darum, sich eine gesundheitsbewusste Ernährung und einen ebenso gesundheitsbewussten Lebensstil anzutrainieren. Kochkurse in einer Lehrküche der Medica Klinik Leipzig runden die ganze Sache dann noch ab.
Ein solches "E-Team" muss zudem ambulant und stationär tätig sein, um eine ökonomisch vertretbare Therapie in beiden Bereichen zum Wohle des Patienten durchführen zu können.
Das klingt alles ganz schön aufwändig …
Es ist leicht, sich Wissen über eine gesundheitsbewusste Lebensweise anzueignen, aber schwer, diese in der täglichen Praxis umzusetzen.
Im Mittelpunkt unserer Bemühungen steht der Mensch und in vielen Fällen eben der Patient, der schon kaum mit seiner Grunderkrankung, geschweige denn mit einer Mangelernährung zurechtkommt. Hier müssen neue Strukturen her, die eine hoch qualitative Weiterversorgung auch nach einem stationären Aufenthalt ermöglichen.
Netzwerke, wie das Leipziger Modell, stellen diese Versorgung und die Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen sicher. Seit 1990 besteht das Leipziger Modell, das selbst Schwerstkranke in den ambulanten Bereich überleiten und zu Hause versorgen kann.
Vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person: Dr. med. Jens Putziger betreibt eine Spezialpraxis für Ernährungsmedizin am Evangelischen Diakonissenkrankenhaus Leipzig, vom Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner als „Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin BDEM“ zertifiziert.
Veranstaltungsinfo: Am Dienstag, 8. Januar, von 17 - 19 Uhr, steht der ausgewiesene Experte gemeinsam mit seinem E-Team beim Gesundheitsforum des Diakonissenkrankenhauses Rede und Antwort zum Thema „Gesundheitsbewusste Ernährung – eine Herausforderung für den Alltag?“. Die Veranstaltung findet im Andachtsraum des Diakonissenkrankenhauses, Georg-Schwarz-Straße 49 statt. Der Eintritt ist frei.
Der erste Beton trocknet: Heute haben Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal und Branddirektions-Leiter Karl-Heinz Schneider den Grundstein für das neue Feuerwehrtechnische- und Ausbildungs-Zentrum gelegt. Wegen des sperrigen Namens wird es als FTAZ abgekürzt. Es ist eines der größten Bauprojekte, die Leipzig derzeit hat. Für rund 21 Millionen Euro entsteht auf einer Fläche von 4,8 Hektar ein Gebäudekomplex, in welchem sowohl die Feuerwache Südwest als auch das Ausbildungs-Zentrum untergebracht werden. mehr…
Musik für Kaiser und Könige bieten die Capella Antiqua und namhafte Solisten am 31. Mai 2013 im Merseburger Dom. Das Sonderkonzert gilt der Dachmarke „Straße der Romanik“, die seit 20 Jahren über 60 Denkmale in Sachsen-Anhalt vereint. Die Landschaft zwischen Harz und Saale bildet derzeit den authentischen Drehort für den Hollywood-Film „The Monuments Men“. - Ein Interview mit Thomas Spindler, Percussionist bei der Capella Antiqua. mehr…
„Dass jemand ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit anderen zur Seite springt, zeugt von außergewöhnlicher Zivilcourage. Wir sind ihm unendlich dankbar, denn dieser Mann hat unserer Kollegin mit seinem Eingreifen das Leben gerettet“. Mit diesen Worten bedankte sich Christine Westphal, Mitglied der Geschäftsleitung im Jobcenter Leipzig, am Donnerstagabend bei dem Mann, der durch sein beherztes Eingreifen am Dienstag einen 34-jährigen Täter bei einem Hammerangriff auf eine Mitarbeiterin im Jobcenter gestoppt hatte. mehr…
Frank Heinrich wird Sachsens neuer Chefankläger. Justizminister Jürgen Martens ernannte den Juristen am Donnerstag zum Leitenden Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Sein Amt tritt er zum 1. Juni 2013 an. „Ich freue mich, dass mit Frank Heinrich eine äußerst kompetente Persönlichkeit für die Generalstaatsanwaltschaft Dresden gewonnen werden konnte", kommentiert Martens die Personalie. mehr…
Und noch ein kostbares Stück deutscher Statistik: Paul M. Schröder vom Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V. hat sich dieser Tage einmal die sogenannte "Integrationsquote" der 410 Jobcenter in Deutschland näher angeschaut. Arbeitsagentur und Jobcenter versuchen ja immer wieder auch durch beeindruckende Integrationszahlen den Eindruck zu vermitteln, sie seien geradezu erfolgreich in ihrem Tun. Womit sie natürlich auch das ganze dahinter stehende Regelungskonvolut legitimieren. mehr…
Was wusste Sachsens Verfassungsschutz Anfang 2000 wirklich über das Treiben des rechtsextremen Terror-Netzwerks NSU? Die Frage bewegt seit Dienstag die Gemüter. Das SWR-Magazin "Report Mainz" zitierte aus einem Schreiben des Landesamts an den damaligen sächsischen Innenminister Klaus Hardraht (CDU), in dem der Geheimdienst terroristische Anschläge durch die abgetauchten Neonazis befürchtete. L-IZ.de fragte bei dem Dresdner Juristen nach. mehr…
Leipzigs Unweltbürgermeister Heiko Rosenthal riss einen Zaun ein: ganz planmäßig beim ersten symbolischen Baggerbiss am Bürgerbahnhof Plagwitz. Bevor die Arbeiten am ersten Bauabschnitt eines Gleis-Grünzuges auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs richtig beginnen können, muss jedoch die Zauneidechse nebst Nachwuchs weiter gewandert sein. mehr…
Das komplette "Wassertouristische Nutzungskonzept" (WTNK) von 2007 steht zur Disposition. Beschlossen hat es zwar eigentlich niemand, kein demokratisch legitimiertes Gremium hat es als Handlungsgrundlage für das Leipziger Neuseenland abgestimmt. Aber alle jüngeren Aktivitäten der Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland bauen darauf auf. Auch die Vorlage zum Elster-Saale-Kanal, die am 19. Juni im Stadtrat abgestimmt werden soll. mehr…
Am 9. Mai erklärte das Leipziger Umweltdezernat die zeitweise Sperrung des Floßgrabens für Boote. Grund ist der seltene Eisvogel, der in diesem Frühjahr im Floßgraben wieder brütet. Und seither wogt die Diskussion: Ist das zu viel der Einschränkung, zu wenig? Und was bedeutet das eigentlich für das ganze Wassertouristische Nutzungskonzept (WTNK) im Neuseenland? - Der Ökolöwe sieht die Untere Naturschutzbehörde im richtigen Fahrwasser. mehr…
Die Wagner-Festtage in Leipzig neigen sich dem Ende entgegen und erreichen mit einer festlichen Sekt-Matinee und der Aufführung des Stummfilmes Richard Wagner aus dem Jahr 1913 und der Klavierbegleitung durch den Pianisten Olav Kröger am Sonntag, dem 26. Mai um 11:30 Uhr in den Passage Kinos einen weiteren Höhepunkt. mehr…
Aufgrund der sehr hohen Nachfrage bietet die Medienwerkstatt Leipzig einen zusätzlichen Fotolaborkurs für Einsteiger an. Am 30. Mai vermittelt Alina Simmelbauer ab 16:00 Uhr allen Anfängern die Grundlagen in der analogen Schwarz-Weiß-Entwicklung. In vier Stunden Praxis wird die Arbeit im Fotolabor anschaulich erläutert und geübt. mehr…
Die Kindergruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Leipzig erweitert in diesem Jahr ihr Umweltbildungsangebot. Zum ersten Mal bieten die „Leipziger BUNDspechte“ ein naturpädagogisches Sommercamp an. Dieses richtet sich an alle naturbegeisterten Kinder zwischen 8 und 12 Jahren und findet vom 14.07. bis 20.07.2013 statt. mehr…
Die Universität Leipzig erinnert am Donnerstag, 30. Mai, um 11 Uhr mit einer öffentlichen Gedenkveranstaltung an den 45. Jahrestag der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli. Auf dem Leibnizforum im Innenhof des neuen Campusareals wird Universitäts-Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking die Veranstaltung eröffnen und die Teilnehmer zusammen mit Dr. Ulrich Stötzner vom Paulinerverein e.V. begrüßen. Anschließend spricht der Dekan der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Klaus Fitschen. mehr…
Am Samstag, den 8. Juni wird auf dem Gelände des Stadtteilparks „Wasserschloß“ (Zugang über Georg-Schwarz-Straße Höhe Hausnummer 134) im Leipziger Stadtteil Leutzsch das Musikfestival „Leutzsch rockt!“ zum nunmehr vierten Mal über die Bühne gehen. Der Eintritt ist frei. mehr…
Am Samstag, den 25. Mai, laden der SPD-Ortsverein Südwest, Daniela Kolbe, MdB und Holger Mann, MdL zu einer Radtour durch die SPD-Geschichte ein. Die Fahrradtour startet um 14 Uhr am Gründungsort des ADAV/der SPD n der Dresdner Straße 20 (Die Tour endet ca. 16 Uhr im Erich-Zeigner-Haus in der Zschocherschen Straße 21, wo neben dem 6. Referenten/Zeitzeugen eine Gartengrillparty und eine historische Filmvorführung auf die Radler wartet. mehr…