Ni hao Shanghai! - Teil 3: Der perfekte Mann auf dem Heiratsmarkt
Conrad Ziesch
20.03.2011
Auch in einer Metropole wie Shanghai kann man sich einsam fühlen.
Foto: Conrad Ziesch
1981 geboren. 1,73 Meter groß. Doktortitel an der renommierten Tsinghua Universität. Staatsbediensteter. 10.000 Yuan Monatseinkommen. Mit eigener Wohnung – an dem Metallgitter des Zeltes baumelt die Kontaktanzeige buchstäblich am seidenen Faden, wie hunderte andere hier. Er sucht sie und sie sucht ihn, so das scheinbar einfache Motto des Shanghaier Heiratsmarktes im Volkspark.
Anzeige
Offiziellen Zahlen zufolge leben in China 180 Millionen Singles. Als Schüler und Student hat man sich aufs Lernen zu konzentrieren, lautet eine viel gehörte Devise. Kaum ist man im Arbeitsleben angekommen, fehlt die Zeit und das Geld, um einen Partner zu suchen.
Nicht die gestressten Singles stehen an diesem Sonntagnachmittag auf dem Heiratsmarkt, Eltern oder gewiefte Kontaktagenturen tummeln sich um die Interessierten, um sie von ihrem Sohn, ihrer Tochter oder dem zahlenden Klienten zu überzeugen. Angeblich gehen in China 80 Millionen Eltern für ihre Kinder aktiv auf Brautschau – die meisten über das Internet, viele aber auch einfach im Park um die Ecke.
Casting im Grünen
Eine suchende Mutter auf dem Heiratsmarkt.
Foto: Conrad Ziesch
Um einen gut aussehenden Jungen Anfang zwanzig hat sich eine Traube älterer Frauen gebildet. Eigentlich wollte er sich nur die Anzeigen angucken, vielleicht auch nur dem Regen entfliehen unter die blaue Plastikplane des Zeltes. Doch so leicht kommt er nicht davon. Eine Frau hat ihn am Ärmel gepackt. „Lass doch gleich deine Nummer da, Junge!“, ruft sie. Nach einigen Überredungsversuchen hat sie ihr Ziel erreicht – die Handynummer eingespeichert und vielleicht den potentiellen Schwiegersohn gecastet.
Nicht alle haben so viel Glück wie sie. Ein älterer Herr im dunklen Anzug und mit braun gegerbtem Gesicht klagt uns sein Leid. „Ich habe keine Wahl. Um selber eine Partnerin auszusuchen, dafür fehlt mir das Geld.“ Seine Anzeige hängt hinten bei den älteren Semestern. Unter den A4-großen Zetteln finden sich handgeschriebene, fast kalligraphische, und solche, die von Agenturen im Stenographenstil aufgesetzt wurden.
Niemand lügt so viel wie ein Heiratsvermittler,
Die Kontaktanzeigen im Volkspark.
Foto: Conrad Ziesch
sagt ein chinesisches Sprichwort. Dennoch, oder gerade deswegen verdienen sich Vermittlungsagenturen heute eine goldene Nase. Neben den traditionellen, drängen immer mehr Internetanbieter auf den Markt der Sehnsüchte. In der Shanghaier U-Bahn laufen Werbespots einer Dating-Community in Endlosschleife.
Zum jährlichen Frühlingsfest, an dem sich in China traditionell die Familien versammeln, ist der Stress besonders groß. Dann soll tunlichst ein Mann respektive eine Frau vorgezeigt werden. Auch hier wissen gewiefte Agenturen Rat, in Form von „Mietmännern“, „Mietfrauen“, in extremen Fällen sogar „Mietbabys“ zum Vorzeigen.
Auf dem Shanghaier Heiratsmarkt geht es da beschaulicher zu. Die meisten Bewerber verzichten auf ein Foto oder ihren Namen in der Anzeige. Im Zeitalter geklauter Identitäten zu gefährlich. Häufig zu lesen ist der Wunsch nach einem Partner mit Wohnung. Die eigenen vier Wände sind für viele Chinesen noch immer ein Hauptargument, um in die Ehe einzutreten – bei den horrenden Immobilienpreisen in Shanghai geraten viele junge Männer so in die Schuldenfalle, wenn sie überhaupt einen Kredit ergattern können.
Shanghai aus 474 Metern Höhe.
Foto: Conrad Ziesch
Auch der Beruf stellt ein wichtiges Auswahlkriterium dar: „Mann sucht Lehrerin, Krankenschwerster oder Doktorin“, steht auf einem Zettel. Wer keinen Uni-Abschluss besitzt, hat bei der Partnerwahl hier nur schlechte Karten. Unser Supermann vom Anfang sucht mindestens eine Bachelor-Absolventin. Auch 1,60 Meter sollte sie schon sein, und „ben fen“, was so viel bedeutet wie pflichtbewusst.
Was wäre wenn …
In Abwesenheit der Betroffenen plaudern die Eltern eifrig über ihren Nachwuchs, und schon über deren potentielle Kinder. So ein süßes Enkelchen, das wär’s! In kleine Notizhefte notieren sich die zukünftigen Großeltern Details der Anzeigen. Etwas Scham ist trotzdem dabei, fotografieren wollen sie sich nicht gerne lassen.
Ganz anders die Kandidaten der TV-Show „Fei cheng wu rao“ (Wenn du die eine bist), ein Straßenfeger in der Volksrepublik. Unter den Augen eines Millionenpublikums hat ein Mann 20 Minuten Zeit, sich 24 Bewerberinnen von seiner Schokoladenseite zu präsentieren. Mit einem Buzzer können die Damen ihr Votum abgeben. Paare, die sich finden, dürfen auf Kosten des Senders nach Hawaii reisen. Auch sonst besticht die Show nur so vor Oberflächlichkeiten. „Ich würde lieber weinend in einem BMW sitzen“, antwortete die Kandidatin Ma Nuo auf die Frage eines Bewerbers, ob sie mit ihm etwas Spaß bei einer Fahrradtour haben würde.
Schwere Zeiten also für Single-Männer und Single-Frauen in China – ob im Fernsehen oder im Shanghaier Volkspark. Etwas Trost geben ihnen vielleicht die berühmten Liebesferse von Su Shi, die von Angehörigen in China immer noch gerne zitiert werden, um den armen „Übriggebliebenen“ Mut zu machen. Su verwies in seinem Gedicht „Schmetterlinge lieben Blumen“ darauf, dass es auf der großen Wiese nicht nur eine Blume gibt. Irgendwann wird jeder sein Glück finden, so die Aussage der Zeilen – auch in Shanghai.
Biodiversivität ist ein sperriges Wort, dem aber aufgrund weiter um sich greifender Umweltzerstörungen auf unserem Planeten immer mehr Bedeutung zukommt. Die Artenvielfalt auf der Erde ist zunehmend bedroht. 60.000 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste. Auch der Leipziger Zoo hat sich die Arterhaltung auf die Fahne geschrieben, gibt 165.000 Euro jährlich für Schutzprojekte aus und hat sich mit dem künftigen Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversivitätsforschung (iDiv) einen wichtigen Partner an Bord geholt. mehr…
„Wenn jeder hier im Raum begreift, dass Energiesparen nötig ist und beim eigenen Griff zum Lichtschalter beginnt, dann ist es egal, ob es ab heute einen neuen Umweltminister gibt“, machte Schulleiter Thomas Graupner am Dienstag, 22. Mai, im Berufsschulzentrum 7 deutlich, worum es bei der neuen Bildungsinitiative Energie geht. mehr…
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat Reik Hesselbarth hat den Beschlussvorschlag von Kulturbürgermeister Faber zur Umsetzung des Finanzierungsanteils für die Freie Szene scharf kritisiert. Denn statt einen Vorschlag zu machen, wie der Stadtratsbeschluss von 2008 bis 2013 erfüllt werden kann, hat Kulturbürgermeister Michael Faber am 16. Mai eine Verschiebung des Termins vorgeschlagen. mehr…
Eigentlich könnten sich die Freunde des Leutzscher Fußballs gedanklich schon in die Sommerpause verabschieden. BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig Leutzsch haben beide die Klasse gehalten. Sportlich betrachtet geht es für beide Teams in den letzten Saisonspielen nur noch um die goldene Ananas. Wäre da nicht das grün-weiße Derby am 9. Juni. Die Chemie-Fans nutzen die Gunst der Stunde für eine klare Ansage. mehr…
Die Frage nach den personellen Konsequenzen in der Affäre um die Herrenlosen Häuser entzweit Leipzigs Parteien. Die linke OBM-Kandidatin Dr. Barbara Höll fordert eine Beurlaubung von Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD). Für Leipzigs FDP ist Oberbürgermeister Burkhard Jung der Verantwortliche, Hölls Forderung nur „eine erste wahltaktische Brücke“. mehr…
Am 27. Mai, um 19 Uhr, lädt der Freundeskreis „Gohliser Schlösschen“ e.V. herzlich zu einer „Pfingstlesung“ in den Festsaal des Hauses ein: „Erleben Sie mit uns die abenteuerlichen Geschicke des Reineke Fuchs, und wie es ihm, mehrfach angeklagt und verurteilt, immer wieder gelingt, mit verblüffender Intelligenz, mit Witz und Verschlagenheit, mit Lug und Trug, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, um schließlich sogar 'Kanzler des Reichs' zu werden.“ mehr…
Die Drogenpolitik und der Umgang mit Suchtkranken in Leipzig ist und bleibt offenbar ein heißes Eisen, das von dem einen oder anderen Protagonisten mit mehr oder weniger Eifer am Glühen gehalten wird. So schlug ein Interview von Michael Burgkhardt in der LVZ hohe Wellen. Der Chef der Bürgerfraktion im Stadtrat, gleichzeitig Suchtmediziner, ging mit der Stadt und dem Umgang mit der Drogenszene Leipzigs hart ins Gericht. mehr…
Am Dienstag, 22. Mai, wurden im Festsaal des Neuen Rathauses die Leipziger Agenda-Preise 2012 verliehen. In fünf Kategorien wurden Preisgelder in einem Gesamtumfang von 14.000 Euro sowie Sachpreise im Wert von rund 10.000 Euro vergeben. mehr…
Die Lebenshilfe Leipzig organisiert vom 8. bis 10. Juni zum zweiten Mal ein Geschwisterseminar mit der renommierten Sozialwissenschaftlerin Marlies Winkelheide (Bremen/Geschwisterkinder.de) und ihrem Team. Dieses wendet sich an die Eltern und Geschwisterkinder in Familien mit behinderten Kindern und findet in der Jugendherberge in Dahlen bei Leipzig statt. mehr…
Den 29. Mai kann, wer Lust hat, sich über diese seltsame Stadt am sächsischen Westrand ein paar Gedanken zu machen, vormerken im Kalender. Es ist ein Dienstag. Und die Stadt lädt ein in die Kongresshalle, konkret in den Händelsaal. Ab 19 Uhr darf man rein und schon mal die Fühler ausstrecken, 19.30 Uhr beginnt die Auftaktveranstaltung für ein Leipziger Zukunftsprojekt. Motto: Leipzig weiter denken. mehr…
Am 24. Mai um 15 Uhr lädt der Garten Annalinde mit Kaffee und Kuchen herzlich zur Eröffnung seiner Gartensaison ein. Seit Juni 2011 gibt es den mobilen Nutzgarten auf der Freifläche hinter der Bibliothek Plagwitz. Neben Kohl und Kartoffeln in Säcken werden dort Radieschen, Salat und Tomaten zusammen mit einer Vielzahl weiterer, teils alter Kultursorten in mobilen Hochbeeten angebaut. mehr…
Das nächste Monatlich Gespräch über Wissenschaft findet am Mittwoch, 23. Mai, um 19:30 Uhr im Haus des Buches (Gerichtsweg 23) statt. Moderiert wird es von Bettina Kremberg und Ulrich Johannes Schneider. Im Mittelpunkt steht Martin Seel, der über "111 Tugenden. 111 Laster" spricht. mehr…
Die Königin der Instrumente, die Orgel, ist zu Pfingsten in der Kirche Zuckelhausen, Zuckelhausener Ring, zu entdecken und zu hören. Am Sonnabend, dem 26. Mai 2012, erläutert Orgelbauer Stefan Pilz bei einer Orgelführung um 10 Uhr die Funktionsweise der Johann-Gottlob-Mende-Orgel (1822). mehr…
Mitteldeutschland befindet sich mitten in der Luther-Dekade. 2012 ist das Jahr der Musik. 2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal. Und die Evangelische Verlagsanstalt hat ein Heft-Projekt gestartet, das im Mai 2011 mit Nürnberg startete und den Verlag auf Jahre beschäftigen wird: Orte der Reformation. Das wichtigste Heft liegt jetzt mit "Wittenberg" vor. mehr…
In Verfassungsschutzberichten landen nicht nur die wirklich staatsgefährdenden Organisationen. Oft beobachten die Schlapphüte auch Parteien und Vereine, von denen sie die Gefährdung nur vermuten. Manchmal über Jahrzehnte ohne Ergebnis. Da ist es schon erstaunlich, dass die Bundesregierung allein diese Beobachtungen zum Vorwand nehmen will, Vereinen ihre Gemeinnützigkeit abzuerkennen. mehr…