England, meine Perle (3): Tour durch Irland - Wettergepeinigte an der Westküste
Marko Hofmann
27.08.2011
Sieht jemand von euch die Cliffs of Moher?
Foto: Sascha Bethe
England hat ja schon einen schlechten Ruf, wenn es um das Wetter geht, aber was man über Irland hört, lässt einem komplett die Lust am Urlaub vergehen: Es ist nass, es ist windig, es ist neblig. Warum fahren wir dann eigentlich dorthin?
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Die irische Natur lockt uns: der Ring of Kerry, die Cliffs of Moher, Connemara, die Slieve League Cliffs ... Wir wollen an die Orte, die auch Polster und Pohl anfährt. Und wir wollen schönes Wetter, aber es geht nicht nach uns.
Eigentlich kein schlechter Tag für Irland: es regnet nicht (mehr), der Himmel ist nur hellgrau und zuviel Wind weht auch nicht. Optimal für unseren Ausflug zu den berühmten Cliffs of Moher an der irischen Südwestküste. Mittlerweile sind wir schon 1.500 Kilometer auf der „grünen Insel“ unterwegs gewesen, die Cliffs of Moher sollen einer der Höhepunkte werden.
Doch drei Kilometer vor dem Parkplatz fahren wir plötzlich in eine Wand - aus Nebelschwaden. Die Hoffnung, die bis zu 214 Meter hohen Cliffs of Moher deutlich sehen zu können, sie schwindet mit jedem Meter.
Schemenhaft zu erkennen: Die Cliffs of Moher.
Foto: Sascha Bethe
Wäre ja vielleicht nicht ganz so schlimm gewesen, wenn nicht unsere stimmungsgeladene Vier-Mann-Reisegruppe schon am Tag zuvor acht Stunden fast nur im Auto gesessen hätte. Auf dem Weg von der einsamen Halbinsel Belmullet nach Galway war der 82-jährige, der uns mit dem Tankrüssel neuen Saft gab, der einzige wirkliche Höhepunkt geblieben (der Diesel ist übrigens in Irland nur unwesentlich preiswerter).
Der anschließende Besuch von Kylemore Abbey, einem alten Landsitz (eigentlich Irlands älteste Benediktinerinnenabtei - das Schloss von Kylemore stammt aus dem 19. Jh., Anm. d. Red.), war wie ein Besuch im Windkanal, nur mit Wasser noch dazu. Natürlich landete das direkt im Gesicht, es ging ja Wind. Bei 14 Grad Celsius verstanden wir etwas anderes unter (Reise-)Spaß. Das Aufspannen eines Regenschirms hätte nur für Kollateralschäden gesorgt.
Die schroffe Landschaft von Connemara (laut Wikipedia und Reiseführern eine Region im Westen Irlands in der Grafschaft Galway, im Westen der Provinz Connacht, Anm. d. Red.) entfaltete als unsere nächste Etappe an diesem Tag beim lauten Surren des Scheibenwischers und einer Sichtweite von 50 Metern eine gewisse Unheimlichkeit. An ein Anhalten und Aussteigen war nicht zu denken.
Auf dem Ring of Kerry geht es zuweilen schroff und eng zu.
Foto: Sascha Bethe
Erstens regnet es „cats and dogs“, zweitens warum (?) und drittens musste jederzeit mit dem plötzlichen Erscheinen von Dämonen gerechnet werden. Selbst der irische Naturgeist Leprechaun, der sonst immer wie die Freundlichkeit in Person dargestellt wird, hätte uns hier Angst eingeflößt wie sonst nur Claudia Roth.
Vorläufiger Höhepunkt dieser „petruskischen“ Tiefschläge war dann tatsächlich der Besuch bei den Cliffs of Moher (die bekanntesten Steilklippen Irlands an der Südwestküste im County Clare, Anm. d. Red.). Hätte uns jemand gesagt, hinter dem Nebel fliegen der Leprechaun und Claudia Roth engumschlungen auf einem Besen: Wir hätten nicht das Gegenteil beweisen können.
Trotzdem waren reichlich Touris da, die natürlich trotzdem die Parkgebühr von vier Euro bezahlen mussten. Wetterrabatt gab es nicht, es würde wahrscheinlich auch den Finanzplan verschiedener touristischer Reiseziele durcheinander bringen. Die Stimmung in der Reisegruppe war nach diesem Schuss in den Ofen entsprechend am Boden.
Marko lässig am Ring of Kerry.
Foto: Sascha Bethe
Ein Glück, dass wir mit dem Wetter zumindest die Hälfte der Zeit zufrieden sein konnten. Für die Fahrt auf dem Ring of Kerry, einer Panoramastraße rund um die Halbinsel Iveragh im Südwesten der Insel, die landschaftlich sowohl Berge als auch Seen, Klippen, Küste und schroffe Gesteinsformationen zu bieten hat, mussten wir die Scheibenwischer nicht ein einziges Mal anstellen. Dafür lief die Klimaanlage ohne Unterlass. Es geht doch! Prompt wirkte die irische Natur anders: einladend, beeindruckend. So wie man sich irische Natur vorstellt?
Die Slieve League Cliffs fast noch im Nordwesten der Insel hatten wir vor den Cliffs of Moher gesehen und sie erschienen uns auch – bei dem Wetter nicht schwer – imposanter zu sein. Dabei ist ein Besuch auf den immerhin 600 Meter hohen Klippen ein echter Geheimtipp. Wer es einmal über die enge Straße am Abgrund nach oben geschafft hat, ohne vor Panik das Lenkrad so zu verreißen, dass es steil bergab geht, kann sich auch gleich mit Wollschals für 45 Euro gegen den Wind schützen - echte irische Schafswolle. Im unwahrscheinlichen Falle dass jemandem auf dieser Höhe direkt am Atlantik zu warm ist, steht auch ein Eiswagen bereit. Wollten wir in Irland nicht unberührte, störungsfreie Natur?
Soviel sei verraten: Einen Schal hat keiner gekauft, auch niemand von den vereinzelten Touristen, deren Nationalität uns zunächst unbekannt war. Erst als wir uns auf dem Rückweg zum Auto über die anatomischen Vor- und Nachteile einer Touristin austauschten und diese nach unserem Passieren zu ihrer Freundin „Nadine, passe off, de Sachs’n gommen“, rief, wussten wir: Es gibt mindestens noch zwei weitere Deutsche hier, und jetzt ab ins Auto! Das war ja peinlich ...
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