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Eine Bürgerreise in Leipzigs Partnerstadt Addis Abeba (2): Etwas Wichtiges fehlt noch

Gastbeitrag von Katharina Krefft und Co-Autorinnen
Katharina Krefft in Lalibela.
Katharina Krefft in Lalibela.
Foto: Katharina Krefft
Zusätzliche Verbindungen zwischen den Partnerstädten Leipzig und Addis Abeba wachsen jenseits von Politik und Schulpartnerschaften auch auf anderen Gebieten. Ursula und Siegward Funke von der Thomaskirche besuchten im Rahmen der Bürgerreise die Partnergemeinde der evangelisch-äthiopischen Mekane Yesus-Kirche in Nefas Silk Lafto im Süden der Stadt.

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Hier konnte die Leipziger Gruppe einem wunderbar lebendigen Gottesdienst mit Gospelchor beiwohnen und die soziale Arbeit der Gemeinde kennen lernen.

Doch etwas fehlt in der Aufzählung – eine leere Stelle gibt es derzeit noch in der Städtepartnerschaft: Es fehlt das Gegenstück zum Leipziger Verein auf äthiopischer Seite. Die Vorsitzende, Sophie Ebert, spricht es bei jeder Gelegenheit an, wie nötig ein Verein zur Förderung der Beziehungen mit Leipzig in Addis Abeba wäre! Ob die Elternvertreter, Lehrer, Gemeindemitglieder, Stadtverwaltungs- und Botschaftsvertreter nun genug Motivation erfahren haben, werden wir sehen – bei der nächsten Bürgerreise nach Addis Abeba.

Am Meskal Platz startet auch der Great Ethiopian Run.
Am Meskal Platz startet auch der Great Ethiopian Run.
Foto: Katharina Krefft

"Wird ein Baumstamm von tausend Menschen getragen, ist er nicht schwer."
(äthiopisches Sprichwort)

Eine Bürgerreise ist auch eine touristische Unternehmung, und die führte diesmal nach Lalibela, der alten Stadt der Felsenkirchen, und nach Gondar, der nicht minder alten Stadt der Paläste. Hier ist auch ein palastartiges Entree zum Universitätscampus zu finden. Wir lernten die Medizin-Professorin Dr. Assegedech Bekele kennen, die in Leipzig studiert hat und uns die Vorklinik der medizinischen Fakultät zeigt - 1979 im Bau durch die DDR finanziert. Dr. Assegedech ist die Verbindungsfrau zur Uni Leipzig und regelmäßig zu längeren Aufenthalten in unserer Stadt.

Die junge und am schnellsten wachsende Universität Äthiopiens besteht aus neun Fakultäten und zehn Colleges mit 20.000 Studierenden. Dicebu Danyo, der Vizepräsident der Uni, kommt eigens hinzu, um die Reisegruppe zu begrüßen. Die Universitätspartnerschaft mit Leipzig ist ihm so wichtig, dass er mit lächelndem Gesicht bei den sechs Leipziger Schülern für ein Studium in Gondar wirbt!

Der Merkato ist Afrikas größter Freiluftmarkt.
Der Merkato ist Afrikas größter Freiluftmarkt.
Foto: Katharina Krefft
Die Eindrücke aus dem Land werden auch durch eine Tagesreise in den afrikanischen Grabenbruch, nach Debre Zeyt/Bishoftu, bereichert. Der Weg dorthin führt entlang der Transitstrecke von Addis nach Dschibuti, dem befreundeten Nachbarstaat mit großem Handelshafen. Vorbei an neuen Produktions- und Lagerhallen, Märkten und gigantischen chinesischen Gewerbegebieten drängt sich der Verkehr auf dieser Straße. Entlastung wird eine Autobahn bringen, die von den Chinesen finanziert und exakt an ihren Gewerbegebieten vorbeigeführt wird, sogar wenn dafür ein neues Wohngebiet weichen muss.

Planungsfehler gibt es auch in Äthiopien. Sie zu vermeiden, ist unter anderem die Aufgabe von Thomas Gross, dem Architekten aus Chemnitz, den wir treffen. Seit zwei Jahren ist er bei der Landesregierung von Oromia als Berater angestellt. Er ist für eine nachhaltige Entwicklung der Wasser- und Abwassernutzung sowie für das Entstehen von lebenswerten Wohngebieten und die Erhaltung der Landschaft auch für touristische Zwecke mit verantwortlich. Verwaltungsaufbau gehört dazu ebenso wie die Schaffung einer Infrastruktur mit regionalen Ressourcen.

Katharina Krefft in Lalibela, der alten Stadt der Felsenkirchen.
Katharina Krefft in Lalibela, der alten Stadt der Felsenkirchen.
Foto: Katharina Krefft
In Bishoftu sieht man dann auch befestigte Seitenstraßen und Fußwege mit vulkanischen Pflastersteinen aus der Region. So etwas gibt es im übrigen Land sonst kaum. Für ihre sachkundige Beratung und Hilfe zur Entwicklung werden die Deutschen geschätzt. Durch ihr Engagement wird Bishoftu vielleicht einmal das Naherholungsgebiet für viele Addiser werden.

Die zweite Leipziger Bürgerreise nach Addis Abeba zeigte die sichtlich gewachsenen Aktivitäten dieser Städtepartnerschaft. Im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat die zunächst befristete Partnerschaft für dauerhaft beschlossen. Im März 2010 besiegelte der Oberbürgermeister bei seiner Reise mit den Stadträten die Verbindung und weihte den „Leipziger Platz“ in Addis Abeba feierlich ein.

Inzwischen können die Städtepartnerschaft auf sieben und der Verein auf neun Jahre Geschichte zurückschauen. Man engagiert sich für Schulpartnerschaften, unterstützt die Kirchenpartnerschaft der Gemeinde St. Thomas und der Mekane Yesus-Gemeinde von Nefas Silk Lafto, kreierte mit dem Eine Welt e.V. den Partnerschaftskaffee „Der Leipziger“ und läuft mit Leipziger Sportlern den Great Ethiopian Run in Addis Abeba.

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