Lotterhof in Geyer (1): Verfallen, doch kein Zeichen von Lotterwirtschaft!
Erzgebirgs-Report von Karsten Pietsch
23.02.2012
Lotterhof in Geyer.
Foto: Karsten Pietsch
Abseits von Annaberg-Buchholz und Oberwiesenthal, wohin die Touristenströme ziehen, liegt die Bergstadt Geyer. Wenn vom „Lotterhof“ die Rede ist, und der einstigen Besitzerfamilie, fallen schnell die Begriffe Lotterleben und Lotterwirtschaft. Zwar irrtümlich, aber sprachlich verwandt.
Anzeige
Zu erzählen und zu entdecken gibt’s in und um die Stadt Geyer viel mehr. Ob Weihnachtsland und Montanregion - das Erzgebirge hat seine Beinamen, die Silberstraße leitet die Touristen, die keine eigenen Ziele haben. Vom „Berggeschrey“ war nach den Erzfunden und dem Abbau im Mittelalter, erst gefolgt durch die Uran-Bergwerke im 20. Jahrhundert, lange nur in Museen und Schaubergwerken zu hören. Jetzt lebt der Bergbau wieder auf. Um welche Metalle geht es? – „Um alle! Zumindest in Spurenelementen!“, sagt ein Kenner der Bohr-Ergebnisse früherer Zeiten.
Vom Rittersgut Geyersberg, seinen Besitzern und Wandlungen, vom Herrensitz zu Fabriken für Waschbretter, Kleinmöbel und Leitern, hat der Annaberger Historiker und Stadtführer Klaus-Peter Herschel vor Jahren in mehreren Büchern berichtet. Eins widmete er dem Bergherrn von Geyer namens Hieronymus Lotter, jenem Kaufmann, der es bis zum kurfürstlich-sächsischen Baumeister gebracht hat, der in Leipzig lange Zeit Ratsherr war, und acht Mal für jeweils ein Jahr ehrenamtlicher Bürgermeister.
Eine Kaufmanns- und Baumeisterkarriere im 16. Jahrhundert
1497 geboren in Nürnberg, über Annaberg-Buchholz nach Leipzig gekommen kündet Hieronymus Lotters Leben von fränkischem Migrations-Hintergrund bis hin zum Tod als einer der Geyerschen, wie sich die Einwohner von Geyer nennen. Sein Sterbehaus steht noch. Beziehungen ins Erzgebirge hatten schon die Familien von Hieronymus und seiner Frau Katharina Bauer, einer der Werkmeister beim Bau des Leipziger Rathauses stammte aus dem benachbarten Ehrenfriedersdorf – doch halt: die Bezeichnung „Erzgebirge“ gab es damals noch nicht.
Winterlandschaft mit Glühweinbude auf dem Lotter-Hof.
Foto: Karsten Pietsch
Abends brennt wieder Licht
Sowieso sind der Wachtturm mit dem Museum über sieben Etagen und die St. Laurentiuskirche daneben die fotogensten Baudenkmäler von Geyer, und daneben freistehend der imposante Klotz des Lotterhofes, besser gesagt des einstigen Herrenhauses, das vom Hof übrig geblieben ist. Imposant ist das an den Berg gelehnte Haus. In der Abenddämmerung sieht man kaum, dass in den Fensterrahmen der oberen Etagen nur Lückenfüller ohne Glas hängen. Weiter unten steht in einem Fenster eine Kerze, woanders ein Schwibbogen. Wo Licht ist, ist Leben.
Mehrfach in Lotters Familienbesitz
Besitzer hatten das Rittergut Geyersberg und der Lotterhof viele. Jahrzehnte, nachdem Hieronymus senior gestorben war, kam der Hof noch einmal für ein paar Jahre zur Familie Lotter. Heute ist es eine andere Art von Familie, der Verein Kulturmeile Geyer-Tannenberg e. V. sorgt sich um eine ganze Reihe von Bauten, Denkmäler und Erinnerungen, und hat sich mit dem Besitz des Hofes zum Vertreter Lotters auf Erden gemacht. Eine schwere Bürde ist zu tragen, was jeder Neugierige beim Rundgang durchs Haus erkennt.
Unmögliches machen
Der Autor als Hieronymus Lotter zu Besuch beim Vereins-Hutzenabend am warmen Ofen in Lotters Wohnküche.
Foto: Kulturmeile e. V., Geyer-Tannenberg
Auf dem Lotterhof ist man sich im Klaren: „Eine Zukunft für den Lotterhof, das heißt das Unmögliche möglich machen“. Dieser Tage erschien eine neue zwölfseitige Broschüre, gestaltet mit vielen aktuellen Fotos, frisch gedruckt, ebenso initiativreich gesponsert. Beim Sehen und Lesen sollte man alle selbst entdeckten Risse und Fehlstellen vergessen, sondern dem Gedanken folgen: „Lotter errichtete 1566 ein Herrenhaus, ein Musterbeispiel sächsischer Renaissance-Architektur.“ Lotters Bauplan kündet von zwei Etagen Vorratslager, zwei Wohngeschossen, funktional, übersichtlich, Bauschmuck nur im Kleinen. So kann man es heute noch erleben. Nicht in der Ausstattung, wie es Kurfürst August Vater und Kurfürstin Anna sahen. Auch nicht so, wie hier die letzten Bewohner lebten. Von Decken, Wänden und Böden schälen sich schichtweise die Zeiten ab. Eine große Glaskuppel, über das Haus gestülpt, könnte alles genau so erhalten. Eine naive Vorstellung.
Gerettet hat den Lotter-Hof über Weltkriege und mangelwirtschaftlichen Sozialismus die Nutzung als Fabrik, Werkstatt und Wohnhaus – bis 1990. Spätere Träume von Romantikhotel und Seniorenresidenz verschwanden wieder. Was unter dem neu gedeckten Dach bisher geschah, nennt man Notsicherung. Jetzt wird wenigstens das Erdgeschoss wieder genutzt. Im Ofen prasselt das Feuer durch die Räume unterm Gewölbe, die Küche ist sozusagen neuzeitlich das, was man heute eine Teeküche nennt und so nutzen kann.
Und was zu Gastronomie und Tourismus notdurft-zwangsläufig gehört, ist ebenso aktuell. Familien und Freunde aus der Umgebung haben sich schon gern zum Feiern im Lotterhof-Gewölbe eingemietet. Wie viele Arbeitsstunden und Organisationsmühen dahinter stecken, kann man jetzt nur ahnen.
Morgen an dieser Stelle: Der nächste Tag des offenen Denkmals könnte der letzte sein ...
Das Familiencafé Yellow möchte unbekannte Lebensmittel vorstellen. Im Kochkurs werden deshalb Rezepte aus der ganzen Welt ausprobiert. Gerichte aus Mexiko, Italien, Indien, Österreich und dem Orient standen bereits auf Speisezettel im Kochkurs. Bei der Zubereitung tragen wir unserem einheimischen Gaumen Rechnung. Das bedeutet, die Speisen werden nicht zu scharf und auch nicht mit zu viel Knoblauch zubereitet. mehr…
Das Ensemble Fimmadur, eine junge Vokal-Formation aus aktiven und ehemaligen Thomanern, lädt am Freitag, 7. Juni zu einem Konzert in die Villa Thomana, Sebastian-Bach-Straße 3. Beginn ist 19:30 Uhr. Karten sind an der Abendkasse erhältlich (10,00 Euro; 8,00/5,00 Euro ermäßigt). Unter dem Titel „Porträt“ veröffentlichten die fünf aktiven und ehemaligen Thomaner im Dezember 2012 ihre erste CD. mehr…
Am Pfingstmontag, 20. Mai, veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. zusammen mit ihren Landes- und Regionalvereinen den diesjährigen Deutschen Mühlentag. Die zentrale und offizielle Auftaktveranstaltung des diesjährigen Deutschen Mühlentages findet an der Windmühle Johanna im Hamburg Wilhelmsburg statt. Schirmherr der Veranstaltung ist der dortige Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz. mehr…
Die Bildungsmesse Leipzig Südost denkt weiter: Eingebettet in die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Sozialdemokratie im Mai 2013 in Leipzig findet am Samstag, 25. Mai, in deren Gründungsstadt eine Bildungsmesse statt. - Wie entwickelt sich Bildung nach dem 150. Jahrestag der Sozialdemokratie in Stadtteilen und ihren Strukturen weiter? mehr…
"Leipzig liest" war die Devise der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr. Wir Leipziger lesen nicht nur zur Buchmesse. Wir lesen immer, meint die Autorengruppe by Chance. Wo: auf dem Sofa. Im Grünen. Im Bett. In der Badewanne. In Gaststätten. Überall. Und wir lesen im Leipziger Osten. Wir, das sind Leute, die sich zufällig getroffen haben. Deshalb nennen wir uns „by Chance“. mehr…
Briefromane sind selten geworden. Sie waren mal richtig Mode. Der berühmteste hat das 18. Jahrhundert in helle Aufregung versetzt: Goethes "Leiden des jungen Werther". Mittlerweile sind die Nachrufe auf den geschriebenen Brief ja Legion. Man schreibt keine Briefe mehr. Man mailt und simst und twittert. Liebe im 140-Zeichen-Modus. Oder man ruft an. Aber so ein echter Briefroman ist das, was Ines Groß hier vorlegt, auch nicht. mehr…
Im Rahmen des Wave-Gotik-Treffen 2013 in Leipzig präsentieren die Passage Kinos am Sonntag, dem 19. Mai um 11:30 Uhr in den Passage Kinos den Horrorfilm Evil Dead – das Remake des Originals „Tanz der Teufel“ (OT: The Evil Dead) aus dem Jahr 1981. Für WGT-Besucher mit einem gültigen Festival-Bändchen ist der Eintritt frei! mehr…
Auszüge aus Liedsammlungen des Bach-Umkreises erklingen am Pfingstsonntag, dem 19. Mai, um 15 Uhr im barocken Sommersaal des Bach-Museums Leipzig im Rahmen eines moderierten Konzerts. In der Interpretation von Studenten der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig werden ausgewählte Lieder von Thomaskantor Johann Friedrich Doles (1715-1797) und Johann Ernst Bach (1722-1777) voraussichtlich erstmals wieder seit der Mitte des 18. Jahrhunderts aufgeführt. mehr…
Pfingsten gilt als der Geburtstag der Kirche. Für die sächsische evangelische Landeskirche bedeutsam ist zugleich das Pfingstfest 1539. Gottesdienste nach evangelischer Lehre in Anwesenheit Martin Luthers symbolisieren die Einführung der Reformation in Leipzig. Für Superintendent Martin Henker „mehr als ein städtisches, nur lokales Ereignis“. mehr…
Um nun den Politikern den Elster-Saale-Kanal attraktiv zu machen, schlagen die Analysten der "Touristischen Potenzialanalyse" ja auch noch eine Aufwertung des eigentlich komplett langweiligen Gebietes um den Kanal herum vor. "Das Kerngebiet ist das einzige Gebiet rund um Leipzig, in dem touristisch außer Geschäftsreisetourismus bislang wenig passiert ist. Trotz seiner zentralen Lage liegt das Gebiet abseits der touristischen Ströme. Dies gilt nicht nur für den privat motivierten Urlaubstourismus, sondern auch für den Tagestourismus." mehr…
Es hat ein bisschen gedauert, aber irgendwann hat man sich auch durch die 400 Seiten "Touristische Potenzialanalyse und Betrachtung der Grobvarianten der Trassen des Projektes Anbindung des Elster-Saale-Kanals an die Saale für das Gebiet der sächsischen und sachsen-anhaltinischen Kommunen und Landkreise" gewühlt - 2011 erstellt und 2013 Grundlage jener Leipziger Ratsvorlage, die eine Zustimmung des Stadtrates für den 106 Millionen Euro teuren Ausbau des Kanals abholen will. mehr…
"Tatatata!" macht das Sächsische Kultusministerium am gestrigen Freitag, 17. Mai. Zum kommenden Schuljahr 2013/2014 wolle man 510 Neueinstellungen von Lehrkräften an den allgemein- und berufsbildenden Schulen vornehmen, verkündete es. Darüber hinaus sollen im Umfang von 83 Stellen bis zum Ende des laufenden Schuljahres befristete Arbeitsverhältnisse zum neuen Schuljahr entfristet werden. mehr…
Dem SC DHfK fehlt nur noch ein Punkt zum Klassenerhalt. Nach einem 29:26 (13:12)-Heimsieg der 2.Liga-Handballer gegen Eintracht Hildesheim scheint das Minimal-Saisonziel greifbar nah. Im zweiten und letzten Heimspiel von Michael Biegler trumpften vor allem Gabor Pulay, Matthias Gerlich und die 1.699 Zuschauer groß auf. Der Funke solle überspringen, forderte Aufsichtsrat und Co-Trainer Stefan Kretzschmar im Vorfeld der Heim-Partie gegen Hildesheim vom Publikum. mehr…
Viel zu trinken soll ja gesund sein und den Körper von innen schön feucht halten, so wird’s gesagt. Aber immer nur stilles Wasser oder ungesüßten Tee hinter zu gluckern ist irgendwann einfach öde und man verzehrt sich nach etwas frischem, spritzigem, mit feinem Geschmack. Natürlich könnte man sich in Momenten wie diesen ganz einfach eine Saftschorle mixen oder eine Cola einverleiben. Könnte man, theoretisch. mehr…
Pöbeleien und schwerste Beleidigungen über soziale Netzwerke nehmen immer mehr zu. Nach einer aktuellen Untersuchung des Bündnisses gegen Cyber-Mobbing war bundesweit bereits fast jeder fünfte Schüler und Jugendliche Opfer einer solchen Attacke. "Auch in Leipzig nimmt das Problem immer mehr zu", berichtet Villa-Geschäftsführer Oliver Reiner. mehr…