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Kater am Mittwoch: Alles echt

Der Kater
"Schwindelst du auch nicht, Katerchen?" - "Seh ich so aus? Hab ich einen Doktortitel?" - "Aber einen Adelstitel hast du." - Das wäre mir neu. Hab ich etwa einen Baron zum Vater? Meine Mutter hat gesagt, er war ein verflixter Streuner." - "An deinem Körbchen stand: Kater zu V."

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"Klingt nicht nach einem Baron, finde ich."

"Könnte auch ein Grafentitel sein. Oder ein Kurfürst."

"Sehe ich so gierig aus?"

"Manchmal schon."

Schweigen im königlichen Gemach. Schröder brummt gemütlich vor sich hin. Kater sitzt im Schaukelstuhl. Dabei ging es um das seltsame Verschwinden eines wertvollen Schinkens aus der Anrichte. Der Schinken war prächtig, kräftig geräuchert, mit goldenem Zertifikat und so teuer, dass Schröder jeden Tag nur ein dünnes Scheibchen davon abschneiden wollte. Etwas abnehmen wollte er nach den Plätzchenorgien zur Weihnachtszeit auch. Aber dann auf einmal, irgendwann in der letzten Woche, war der Schinken plötzlich weg. Obwohl der Schrank verschlossen war. Und natürlich lenkten böse Kräfte den Verdacht mal wieder auf den Kater, der eh schon geplagt war von elenden Bauchschmerzen. Sie erinnern sich: Er musste helfen, eine gefährliche, herrschgierige Mumie zu vernichten.

"Und wie sah der - äh - Schinken aus? Vielleicht so ganz und gar runzelig und schwarz?"

"Nein. Ganz leckerer, rosiger Schinken mit ganz wenig Fett."

"Vielleicht ein bisschen zäh und trocken und verdammt salzig?"

"Nein. Gar nicht. Fast süß. Fein durch und - äh - naja. Ein kleines Gläschen trinken muss man schon dazu."

"Da kann ich dir nicht helfen. Ich könnte dir von einer grässlichen Mumie erzählen, von ihrem hinterhältigen Kampf um die Rettung ihrer runzligen Haut, von den Albträumen, die sie mir bereitet hat, fürchterlichen Albträumen! Ich habe Schweiß und Blut geschwitzt. Ich musste gegen ganze Armeen gegelter Doktoren kämpfen ..."


"Das weiß ich", seufzt Schröder. Dabei kann er die großen Pflaster bald abmachen. Er hätte sich ja nicht verteidigen müssen, wenn ich ihn schon im Flur abpasse. Er hätte brav seine gefütterten Bärenstiefel ausziehen können und mich die Sache zu Ende bringen lassen können mit den beiden Grizzlys. Aber nein. Er musste ja darauf beharren, dass das SEINE Stiefel sind.

Jetzt stehen die Stiefel auf der Hutablage und müssen zum Schneider. Ich lass mir doch so eine Chance nicht entgehen, den wilden Bären eins überzubraten. Das Fläschchen mit dem Selbstgekauften steht auf dem Tisch. Das Gläschen auch. Nur der Schinken fehlt. Irgendjemand hat den Schinken aus der Anrichte stibitzt und Kater soll nun wissen, wer das war.

Aber Kater besitzt keinen Doktortitel. Kater ist nur ein armer zu V. Kater geht niedergeschlagen zum Schuhschrank, holt sein Körbchen raus mit dem Schild "Kater zu V." und setzt sich schweifwedelnd vor die Tür, damit Schröder ihn rauslässt. Wenn das Vertrauen fehlt, kann man einfach nicht mehr bleiben. Dann muss man darauf hoffen, dass das "zu V." noch gilt und die Leute Mitleid haben mit dem armen Tierchen.

Es mag bei anderen anders sein. Aber Katzen haben ihren Stolz.

Kater zu V.


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