Haben Sie auch so ein Brummen im Schädel, als wenn ständig eine russische Militärmaschine über Ihnen heult und einfach nicht aus dem Arsch kommt? Als wenn der Flugkapitän zu blöd wäre, die Schrottmaschine auf Höhe zu kriegen und knört und knört und nach einer halben Stunde immer noch über Lindenau hängt? So ein Gurke-und-Wodka-Dröhnen?
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Mir jedenfalls geht das so. Schon seit Tagen. Seit ich versucht habe, Pieps die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Wir haben ein geheimes Einsatzkommando gebildet, haben uns die Gusche geschwärzt, Fleckchenuniform angezogen und Fallschirmplumpserstiefel. Und dann haben wir uns abgeseilt, heimlich natürlich, aus dem Küchenfenster. Mit 'ner feschen verknoteten Hummel-und-Blümchen-Bettwäsche.
Bis zum offenen Fenster von Fräulein Zahnspange sind wir gekommen. Dann begann oben über unseren unschuldigen Köpfen der Lärm: "Wo ist meine Blümchen-Bettwäsche? HIERHER habe ich sie gelegt!"
Hätten wir vielleicht doch lieber die Bayern-München-Bettwäsche nehmen sollen? - Gute Frage, wenn man am letzten Betttuchzipfel hängt und noch ein bisschen schaukeln muss, damit man das Fensterbrett erreicht. Von da aus war die Sicht gut ins feindliche Lager: Ein Bett mit Sternchen-Bettwäsche, ein Regal voller Barbies, Kens und Gutties und ein verlassener Mäusekäfig mit hübschen Möbelchen drin. Die Klappe stand offen. Ein paar Gummitiere lagen auch drin. Zahnspange hatte ihr allerliebstes Lieblingsmäuschen tatsächlich noch nicht vergessen. Auch wenn sie ihr Lieblingsmäuschen wahrscheinlich nicht wiedererkannt hätte.
Jedenfalls nicht, als Lieblingsmäuschen zum Sprung ansetzte, die Fliegerbrille im Wind, die Zähnchen gebleckt, den Enterhaken in der Faust, - noch ein letztes Mal Schwung geholt über der Wiese, den Himmel über uns, erschrocken flatternde Elstern um uns und vor uns das offene Fenster, wo man, wenn man ein scharfes Äuglein hatte, Zahnspange auftauchen sah, hellauf begeistert von der nahenden Rückkehr ihrer Lieblingsmaus ...
Und dann wurde der Fensterflügel zugeworfen.
Dann sah sich die Lieblingsmaus im blankgeputzten Fensterglas.
Dann sah sich auch der Lieblingskater im blankgeputzten Fensterglas.
Und dann machte es erst Plitsch.
Und dann machte es Ploff.
Und wieder war eine genial geplante Rückkehraktion ins abgeschottete Reich von Fräulein Zahnspange gescheitert. Nur ein fernes, schrilles Kreischen hinter Glas war zu hören.
Und ein kleines, verbeultes "Pieps?"
Noch ein kleines verbeultes: "Pieps?!"
Kater kann dazu nichts sagen. Kater war mit seinem Kopf gegen ein unerwartetes Hindernis geknallt. Kater hatte ein Dröhnen im Kopf wie von einer Militärmaschine, in der der stinkbesoffene Kapitän den zweiten Gang nicht findet. Nur ein beharrliches Zupfen an seinen Schnurrhaaren störte ein bisschen bei diesem Vollrausch.
"Machsndalassassein", sagte Kater im schneidigsten Tonfall, der ihm möglich war. Doch jetzt tapsten vier entschlossene Mäusestiefel über sein Gesicht und ein schwarzbemalter Einsatzheld baute sich vor Katers rotierendem Blickfeld auf. "Pieps!!!"
"Niscchonwiedawillschlafnbinfixunferdsch .."
"Pieps!"
"Omänno!"
"Pieps."
Die Mission war also eindeutig gescheitert. Die Hälfte der Mannschaft hatte Muffensausen bekommen und sprang mir aufgeregt auf der Nase herum. Wir mussten also umkehren. Der General würde uns zusammenstauchen, weil wir es wieder nicht geschafft hatten, die feindliche Stellung zu überrumpeln. Nur die technisch geniale Luftlandebrücke flatterte noch in der Luft. Wir mussten sie nur wieder besteigen und mit unseren letzten Kräften zurückkehren in die Heimatbasis.
Doch die geniale Luftlandebrücke machte sich selbständig.
"Meine BLÜMCHEN-BETTWÄSCHE! Ich fass es nicht!"
Unverkennbar, die Stimme. Ein Ruck, ein Zuck, und schon schwebten Hummeln und Blümchen unerreichbar fern im blauen Himmel.
"Pieps", fragte ein besorgtes Stimmchen an meinem linken Ohr. In meinem rechten rülpste noch immer ein besoffenes Flugzeug.
"Lassmischschlafnbinmüdehabdieschnauzevollhauab."
"Piiiiiiiiiiiieps!!!"
Das Brummen wurde lauter. Es könnte auch ein zum Militärtransporter umgerüsteter Staubsauger gewesen sein, der jetzt aufbrüllte vor Freude, weil das Fenster geöffnet wurde und ein übermütiges Mädchen mit Zahnspange zum Angriff ansetzte, die fauchende Saugerdüse in der Hand.
"Pieps!!!!!!!", hörte ich noch. Aber wenn Katzen zum Hören da wären, wären sie längst ausgestorben. Eine meiner vier Pfoten schnappte sich die aufgeregt quietschende Maus, eine schnappte sich den Reiseproviant, zwei schnappten sich den großen blauen Himmel - und schwupp waren wir weg. So macht man das. Zehn Meter geradeaus, drei um die Ecke, neu orientieren: Wo sind wir?
Immer noch sieben Meter über dem kahlgeschorenen Rasen, acht vom nächsten Baum entfernt, neun von Oma Blümchens Küchenfenster. Ansonsten nichts als grenzenlose Freiheit und lauter frische Frühlingsluft.
"Pieps?"
Naja, auch nach unten zu. Wenn man mal Oma Blümchens große Dienstagswäsche außer acht lässt - sechs rosarote Schlüpper XXL, zwei Nachthemden (rosarot), ein paar rote Wollsocken. Und ein flatterndes Bettwäschesegel mit Blümchenmuster.
"Festhalten", befiehlt der Kapitän.
"Pieps", meldet die Bordmannschaft.
Wenn jetzt noch jemand eine Runde Fallschirme spendiert, könnten wir's schaffen.
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