Kater am Mittwoch: Unheimliche Begegnungen der windigen Art
Der Kater
20.04.2011
Jetzt regnet's Meriten vom Himmel, hat mein Kumpel Heinz gemailt. Er wohnt da oben in der Region der gottverlassenen Kreaturen in einem hübschen Haus mit schwerhörigen Omis, ahnungslosen Petunien, amüsierfreudigen Antennen und Nächten mit dem Reiz eines ganz ganz alten Films von Steffen Spiehlbörg: "Iti, der Festgeklammerte".
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Heinz wünschte sich mal wieder Gesellschaft, denn seit nahebei die Start- und Landebahn für russische UFOs eröffnet wurde, hat sich die Gegend erstaunlich geleert. Nicht dass besonders viele Umzugswagen gesichtet wurden. Aber nachts verschwanden immer mal wieder ein paar gute Bekannte von Heinz. Auf völlig mysteriöse Weise. Erst war am dunklen Nachthimmel ein undefinierbares Dröhnen zu hören. Die Wände, Antennen und Schornsteine begannen zu wackeln. Die Bierflaschen klirrten und aus einem fernen, sirenenartigen Jaulen wurde mit zunehmender Begleitmusik auf einmal ein Jihoo! und dann ein Wusch! Und eine gewaltige unsichtbare Hand wischte über die Dächer, holte die Handtücher, Kopfkissen und Rüschenschlüpfer von der Leine, rasierte die Pappeln und ließ die Fensterflügel zuschlagen, dass es schepperte, klirrte und krachte.
Und dann, wenn das Dröhnen sich entfernte und die mystischen Lichter der mystischen Flugobjekte sich nach Süden entfernten, dann mussten Heinz und seine Freunde meistens feststellen, dass wieder einer aus der Runde fehlte. Um Mohrle trauerten sie noch. Bei Petzi nahmen sie an, dass er kurzentschlossen einfach ausgewandert war. Bei Isolde und Minka wurde die Sache schon bedrohlich. Als aber von Kosmo, dem Kater, der es sogar mit Dackeln, Bernhardinern und Zwergpudeln aufnahm, nur sein angefangener Bananen-Cocktail zurückblieb und nicht mal ein "Miau!!" oder ein "Wii!", da wurde die fröhliche Samstag-auf-dem-Dach-Runde sehr nachdenklich.
Was ihr nichts nutzte. Denn wenig später verschwand Miranda mit den grünen Augen. Ihr folgte Miraculix, der so geheimnisvoll gucken konnte. Dass Moritz mit seinem kleinen Übergewicht ebenfalls verschwinden könnte, hätte Heinz zwar nie vermutet. Doch während Heinz im letzten Sommer dazu überging, sich an den Schornstein zu ketten und sein Glas mit allen vier Pfoten festzuhalten, verzichteten sowohl Boris, der Streuner mit der Augenklappe, als auch Karl-Theodor mit seinem adligen Stammbaum, auf eine Teilnahme an den schönen Partys auf dem Haus von Heinz seiner Omma.
Doch nun beginnt wieder der schöne Meteoritenregen, prasseln Plejaden, Leriden, Najaden und ab und zu ein paar missglückte Weltraummissionen auf die Erde. Das muss man eigentlich sehen. Es ist so majestätisch. Gerade dann, wenn wieder ein menschliches Millionending sich in einen Boliden verwandelt und fern und unhörbar zu Boden rauscht.
Nur ist das Erlebnis ein ganz anderes, wenn dieses unheimliche Blaue Licht aufscheint und eine unheimliche Kraft am Fell und an den Ohren und am Caipirinha zu zerren beginnt, die Zierkirsche einfach wegfliegt, die sauren Gürkchen hinterher. Und dann rasseln Primeln, Dachziegel, Sperlinge und frisch gewaschene Strümpfe vorbei, Papierhütchen, Tischdecken und ab und zu ein Wiesel, zwei Enten oder ein halbes Schwein.
Da macht Feiern keinen Spaß.
Auch wenn die Strippe am Schornstein hält. Und der Schornstein.
Aber nach jedem UFO-Überflug wieder in den Keller stiefeln zu müssen, um neues Bier zu holen, das ist irgendwie anstrengend. Und manchmal kommt's auch vor, dass man den Kasten grade oben hat, da kommt das nächste Riesending vorübergerauscht und entführt die ganzen zwölf Flaschen.
Auf dem Mars können die sich jetzt besaufen mit dem ganzen Bier.
Aber eigentlich trink ich es ganz gern selber. In klaren Nächten.
Heinzi war ein bisschen beleidigt. Auf mich hat er in diesem Sommer gerechnet.
Aber manchmal muss man auf Abenteuer auch verzichten können. Besonders dann, wenn man hinterher immer von Schwanz bis Ohr nach Kerosin stinkt.
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