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Kater am Mittwoch: Katers Nachtgesang

Der Kater
Aoooooouuuu! - Ajawouuuuuu! - Ajajawajawouuuuuu! - Hört sich doch gut an so mitten in der Nacht, wenn die Leute friedfertig und mit Gebratenem gefüllt auf ihren Balkonen sitzen, das Bier in sich hineinlaufen lassen und nach Sternschnuppen Ausschau halten.

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In Leipzig bewegen sich die Sternschnuppen ja so schön langsam von Nord nach Süd und haben dabei auch noch hübsche Blinklichter an. Und sie machen auch noch Brororororommmm dabei. So ein langgezogenes russisches Brororororoooom, Sie wissen schon, das immer mal aussetzt und dann ganz erschrocken anspringt, als hätte sich die Sternschnuppe daran erinnert, dass sie für eine echte Sternschnuppe zu langsam ist und runterfällt, wenn sie nicht fleißig Borrrooorrooomm macht. Auf Kyrillisch eigentlich.

Aber Kyrillisch hab ich nicht auf meiner Tastatur. Jetzt könnte ich auch noch hübsch die Funksprüche aus dem Tower bildlich darstellen, die man bis zu uns hört, weil die Verbindung bei dem ganzen Borroorrorroommm wohl zu schlecht ist. So ein fernes, heiseres: „Dawai, dawai!!!“

Und man merkt, der Bursche im Tower hat schon seit 15 Minuten „Dawai! Dawai!“ gerufen. - Und dann setzt das Borroromm manchmal aus, die Sternschnuppe sackt ein bisschen ab. Und wahrscheinlich kommt dann das "Dawai! Dawai!" endlich durch, erweckt Bororommm aus dem Dusel und der Motor springt wieder an. Und elegant torkelt Borrrroorrrommm dann weiter dem Horizont entgegen.

Wenn es weg ist, hört man auch mein schönes Auuuuoiuuuoioi! wieder. Und irgendwo unten von einem der Balkone kommt der Refrain: "Ruhe da oben! Ich komm sonst rauf!"

Oujujuoioioiouhuuu!

"Verdammtes Mistvieh! Ich hol dich runter!!!"

"Ujohuhohuhoooo!!!"

Und dann knallt's manchmal. Der emsige Ruhestifter besitzt ein Luftgewehr. Und auf den Dachziegeln irgendwo in der Nähe macht es Ploing! und Pläng! - Was man natürlich nur hört, bis der nächste Borrororrroorommm vorüberzieht. Das dauert dann wieder. Und wenn Ruhe ist, bin ich wieder dran: Ajoijoijoiuujujuhhuuuuuu!


„Aber was hast du nur?“ - Gestern hat Fridolin mit mir zusammen den Abend auf dem Dach gefeiert. Fridolin singt nur, wenn's hell ist. Danach schnasselt er gern einen mit mir. Am liebsten meinen Eierlikör. Aber von Katerstimmungen hat er keine Ahnung. Schon gar nicht von diesen Stimmungen kurz nach der Dämmerung, wenn man merkt, dass die fesche Rote vom Nachbarhaus doch nicht gekommen ist, obwohl sie es versprochen hatte. Und Giacomo ist auch nicht da, obwohl er es versprochen hatte. Da kann man eigentlich nur Oiojoiajooojujoooo! machen. Zumindest in den Pausen zwischen Borrorrommm und Pläng! Pläng!

Fridolin ist ein Vogel. Dem macht das nichts aus, wenn keiner auf sein Tirülö reagiert. Aber als anständiger Kater erwartet man spätestens beim sechsten oder siebenten Ajoijoijoijoijuuuuu! irgendeine Antwort. Meinetwegen aus der Kochstraße oder vom Schletterplatz. Aber nichts. Kein Laut. Jedenfalls keiner, der das Katerherz erfreut, wenn der Mond sich aus den Wolken schält und die nächste Sternschnuppe etwas schwankend hinterm Horizont verschwunden ist.

Dann hört man zwar das Pläng! Pläng! wieder und das Fluchen des Burschen mit dem Luftgewehr. Aber der Bursche ist nachtblind. Das Pläng! wird manchmal zum Plirr!, wenn er wieder einen Blumentopf oder eine Vase auf einem Fensterbrett getroffen hat. - Oiojoijoijoijoijoi!!! - Plirr!!! - "Mistvieh verdammtes, wenn ich dich erwische!!!"

"Aber was hassu nur?", fragt Fridolin besorgt. Hält mir aber lieber sein Gläschen hin. Sorge und Mitleid sind ja zwei verschiedene paar Schuhe. Oder Vogelfüße, um beim Thema zu bleiben.

Sagen könnte ich ihm ja nichts. Wie erklärt man einem Vogel, wie ein Kater sich fühlt so ganz ohne Antwort auf ein herzhaftes: Ojojujamaoioioi!!!

"Amma Kadda, gibse mir nochn Schlock?"

Jammamajamma. Ja natürlich!

"Isch legga. Musche nich jamman."

Ich jammere doch nicht.

"Isch nichsoschlimm. Hasche nochn Schlock?"

Am Ende hab ich eben doch wieder den Samariter gespielt und Fridolin in sein Nest getragen. Er hätte die Flasche beinah geschafft. Aber am Ende haben ihm die Füße versagt. Und gesungen hat er am nächsten Tag auch erst kurz nach Mittag, als die andern Fridoline alle schon fast fertig waren. Und ein bisschen komisch hat sich sein Türülürlü doch angehört.

Eher wie Toilöroilüroioiooi. Oder so ähnlich. Kam mir ein bisschen bekannt vor. Manchmal wundert man sich ja, wo die Biester das alles aufschnappen.

Meint: Der Kater.


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