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Kater am Mittwoch: Überlebenstipps im Straßenverkehr

Der Kater
Manche Kater und Kätzinnen fragen mich ja gern: "Wie machst du das eigentlich, immer wieder heil über die Straße zu kommen? Andere in deinem Alter sind längst im Himmel, haben alle neun Leben verloren, sind als Briefmarke geendet - hast du einen besonderen Schutzengel?" - Nö, hab ich nicht, aber ich kann lesen.

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Ist ja nicht so, dass die Leipziger Autofahrer schlimmer sind als die aus Groitzsch, Schleiz oder Hockenheim. Die meisten halten sich an die Regeln, bleiben innerhalb der Fahrbahnmarkierung, bremsen auch mal, wenn sie Elefanten oder Walfische auf der Straße sehen. Alles andere ist eine Frage der Reaktionsgeschwindigkeit.

Und es gilt die einfache Faustformel: Je kleiner das straßenüberquerende Subjekt, umso länger dauert es bis zur Brems- oder Ausweichreaktion des Autofahrers.

"Aber das hat doch nichts mit deiner Lesekunst zu tun!"

O doch. Denn die Bremsgeschwindigkeit hängt ja auch vom Alter des Fahrzeugführers ab. Mit 66 Jahren mag ja das Leben erst anfangen - aber wenn die Augen nachlassen, sollte man sich nicht unbedingt noch als Flugzeugpilot, IWH-Chef oder Formel-1-Fahrer bewerben. Dann sieht man zwar das kleine flinke Objekt vielleicht noch, wie es mit entsetzter Miene, wehenden Ohren und jagendem Herzchen vor einem über die Piste wetzt - aber ehe Füße und Hände glauben, was sie über längere Umwege von den Augen erfahren, dauert es so seine Zeit. Jeder Arzt weiß das und sagt seinen Lieblingskunden: "Am besten, Sie machen ein bisschen langsamer in nächster Zeit ..."

"Aber mit Lesenkönnen hat das trotzdem nichts zu tun."

Doch. Denn wie ihr ja teilweise aus leidvoller Erfahrung wisst, ist der Mensch ein seltsames Wesen und lebt nach dem Motto: "Je oller, desto doller ..."

"Ja, wo du's sagst. - Aber was gibt's da zu lesen? Sie kommen doch auch nur angebraust, schauen dich noch an, wenn sie dich sehen, und bremsen trotzdem nicht. Im Gegenteil. Schwupps, sind sie vorbei. Und unsereiner liegt ohne Bein in der Gosse ..."

"Mir hat einer den Schwanz abgefahren. Dabei war ich schnell."

"Siehst ja, wie wir aussehen. Und nirgendwo gibt's ordentliche Ersatzteile. Wie machst du das also? Was liest du, was wir nicht lesen?"


Einfach die Nummernschilder, Freunde. Solltet ihr auch machen. Wenn ihr ein Schild L-OP 1946 seht, würde ich euch raten, lieber zu warten, bis er vorbei ist.

"Den kenn ich. Der hat gestern einen Dackel überfahren."

Wenn ihr ein Schild mit L-PI 1941 seht, solltet ihr lieber von der Bordsteinkante zurücktreten.

"1941? - Hat das was mit dem Krieg zu tun?"

Nö. Nur mit dem Geburtsjahr. Sind ja die Menschen so stolz drauf. Manchmal ist es auch das Jahr, in dem sie ihre Fahrerlaubnis bekommen haben.

"So wie L-PO 1936?"

"Ist das die Oma mit dem Blumenhütchen?"

"Kennst du die auch?"

"Natürlich kenn ich die. Ich hatte Glück, dass es nur die Windschutzscheibe war."

"Mich hat sie mit dem Seitenspiegel erwischt."

"Also liest du nur die Nummernschilder?"

Was soll ich sonst tun? Wenn sie niemanden auf der Straße sehen, fahren sie ja so langsam, dass dumme Katzen glauben, sie hätten da eine prima Chance, noch über die Straße zu kommen.

"Und was tun kluge Katzen?"

Sie bleiben stehen und lesen das Nummernschild. Und warten, bis es scheppert.

"Warum denn scheppert? Wenn die so langsam fahren, passiert doch nichts."

Der klugen Katze passiert nichts. Da habt ihr recht. Aber weiter hinten sitzt dann meistens eine dumme Katze ...

"Und du meinst ...?"

Ist so meine Erfahrung. Aber wenn ihr lebensmüde seid, könnt ihr's ja mal bei L-OM 1927 versuchen.

"Warum warten wir hier eigentlich? Die Straße ist doch frei!"

Bis auf L-OM 1927.

"Männo, der ist doch noch Lichtjahre weit weg. Wir gehn jetzt rüber."

...

Wenn es dann gescheppert hat, kann man tatsächlich in aller Ruhe die Straße überqueren. Nur neue Freunde muss man sich dann suchen. Möglichst welche, die lesen können.

Meint:

Der Kater


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