Siehste, das hat man nun davon. Erst macht man einen großen Geburtstagseinkauf, sackt sich die Tüte voll mit schicki-micki Karo-Hemdchen, Hosen und Schlabberschörts und einem WM-Wimpel - und dann kommt - wenn man grad im hübschen Freisitz die fette Beute feiert, eine gnubbelschwarze Wolke und ritsch ...
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... ist alles nass. Das schnuckelige Karo-Hemdchen für 29,99 aus dem Superkaufhaus, die schnittige Hose für sagenhafte 39,99 im "Sale"-Angebot, die schnafte Mütze mit Rähmchen für 19,99 aus der Designerabteilung - alles nass ...
... nasser ...
... am nassigsten.
Vorm Spiegel sah ich da drin aus wie ein Graf im Urlaub, wie ein Formel-1-Fahrer bei der Siegesfeier. Wie ein Fußballtrainer im Finale. Der ganze Spiegel in der An- und Umkleide-Kabine hat gestrahlt. So ein hübsches Katerchen hat der sein Lebtag noch nicht gesehen. Faltenfreier Sitz am Bäuchlein, straffe Lage an den Oberarmmuskeln. Extra eingehäkeltes Pflegeschildchen: "Hiermit erwerben Sie ein Qualitätsprodukt aus dem Hause Schnörkel Schnörkel."
Und im Freisitz sah's vorhin auch noch schnieke aus. Die Mädels sind gar nicht mehr vorbeigekommen in der Straße, haben geguckt und sich die Lippen geleckt und getuschelt. Aber getraut hat sich keine. Vielleicht, weil sie glaubten, da sitzt ein Star, ein berühmter, bekannt aus Dings und Bums. Einer, der seinen Prosecco geschüttelt trinkt und nicht gerührt. Und dabei guckt, als müsse er jetzt gleich mal filmreif die Welt retten.
Aber die Welt war gerade mit 'ner Menge Wasser beschäftigt, das sich in großen fetten Wolken über die Stadt und die Boulevards und meinen gemütlichen Freisitz schob. Die Mädels quiekten, als die ersten Regentropfen runterplatschten. Als die zweiten runterplatschten, waren die Mädels alle in den Passagen verschwunden. Nur ich saß da mit meinen tollen Klamottagen, die sich jetzt liebevoll wieder dem Kreislauf des Lebens anheim gaben. Die Nähte lösten sich mit stillem Grinsen auf, die Perlmuttknöpfe kullerten unter den Tisch, der Stoff verlor sein berauschendes Karomuster und begann sich langsam in einen Wischlappen zu verwandeln.
Sie können sich vorstellen, dass die gestrengen Damen aus dem Superkaufhaus, in das ich den Bembel dann logischerweise wieder zurückschleppte, keineswegs Neigung zeigten, die Putzlappen wieder zurückzukaufen. Eine hatte sogar die Chuzpe, mir einen Ersatz aus dem gleichen Sortiment anzubieten. Zum selben Preis.
Aber als ich den nicht wollte, weil ich bis heute der Meinung bin, dass Putzlappen so teuer eigentlich nicht sein sollten, blieb dann nur noch die Einberufung der Chefetage, die dann als gestrenger Wirbelwind dahergerauscht kam und mir ausführlich erklärte, dass kein Jacken-Hosen-und-Hut-Hersteller dafür garantieren könne, dass seine Qualitätsprodukte ...
... beim ersten Regen so aussehen, miau???
Hat sie zwar nichts mehr gesagt. Aber ihre Kassenwärterin angewiesen, mir die Hälfte der Spesen zu erstatten. ("Wir wissen ja nicht wirklich, was sie mit den Sachen in der letzten Stunde angestellt haben.")
Ich hätte den Klumpatsch sogar wieder mitnehmen dürfen.
Hab ich aber lieber nicht.
Bin, wie Papa und Mama mich erschaffen haben, nach Hause gelaufen. Schröder hat den Mund nicht zubekommen. Und Amalia hat ganz neidisch geguckt.
Nicht wegen meiner hübschen Muskeln. Und auch nicht wegen meiner schönen Augen. Aber bis zum nächsten Großwaschgang bin ich jetzt hübsch blau kariert. Und im Nacken hab ich jetzt in hübscher Goldschrift irgendwas stehen mit "Schnörkel Schnörkel Qualitätsprodukt". Und teurer als ein Friseurtermin von Amalia war's am Ende auch nicht.
War also, so betrachtet, ein erfolgreiches Geburtstags-Shopping. Und vor allem kneift nix unter den Achseln.
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