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Tagesübersicht Leipziger Internet Zeitung
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Kater am Mittwoch: Spinne am Morgen

Der Kater
Sie kennen ja diese Tage: Man wacht auf, die Sonne quält sich durch dicke Wolken, 'ne dicke Tüllgardine und müde Augenlider, es ist nicht richtig Sommer und auch nicht richtig Weltuntergang. Und eine fette gelbe Spinne glotzt einen an, fünf Millimeter von der Nasenspitze entfernt. Heidewitzka.

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Da reagiert man im Schlaf, schafft das Unglück mit einem Tatzenhieb aus der Welt, lässt es verschwinden, dreht sich noch einmal auf die grüne Seite - und dann hat man diesen beißenden Geschmack auf der Zunge, Kratzen im Hals, Spinnenbeine am Maul und so ein ganz blödes Gefühl. Auch wenn nicht der 13. ist. Aber mit einer fetten gelben Spinne im Magen ist jeder Tag ein Dreizehnter.

Erst brennt es nur, dann fängt der Magen an zu glühen, und dann merkt man, wie sich das flaue Gefühl anfängt im Bauch auszubreiten, in die Beine quillt und langsam in den Kopf aufsteigt. Da hilft auch nichts, mit eingeklemmten Schwanz noch stöhnend aus dem Korb zu kriechen und sich irgendwie in Richtung Streukiste zu bewegen, irgendwo zwischen Perserteppich und Hutständer erwischt es einen, schwappt in den Kopf, und dann weißt du, dass der frühe Sieg mal wieder eine Niederlage war, dass Reflexe dazu da sind, sommermüde Kater in die Bredouille zu bringen, dass man nicht alles fressen sollte, was sich am frühen Morgen schon regt. Zumindest, wenn es mehr als vier Beine hat.

Meistens ist dann nur das Frühstück verdorben.

Kommt auf die Größe und Farbe an.

Aber dicke gelbe Spinnen sind ja nicht ohne Grund gelb. Das hat der große Schöpfer aller Schöpfungen ja so eingerichtet. Für kleine, unerfahrene Katzen. Das lernt man schon im Kindergarten (nebst einigen seltsamen Dingen über Lebensräume und Wohngemeinschaften - wozu ich Spinnen eigentlich nicht zähle, Spinnen gehören in den Zoo).

Aber sie wissen ja, wie das ist: Man passt einfach nicht auf. Und ehe man noch wach ist, steckt man mitten im Malheur. Und weiß genau, dass jetzt auch kein Abführmittel mehr hilft, kein Eierlikör und auch kein Apfelkompott. Man kriegt es sowieso nicht runter. Denn wenn das Gift erst mal das Jägerhirn erreicht hat, ist der Jäger kein Jäger mehr, dann verabschieden sich Krallreflexe und Jagdmuskeln aus der Verfügungsgewalt, man spürt die Schnurrhaare nicht mehr und hat spätestens beim Überschreiten der Küchenschwelle das Gefühl, dass man irgendwie aus dem eigenen Körper ausquartiert wurde.

Man bewegt sich noch. Und irgendwie scheinen die Einsatzbefehle auch noch die einzelnen Truppenteile nur auf Umwegen zu erreichen. Auch wenn sie unterwegs ein bisschen herumbummeln, zwischendurch ein Nickerchen machen und eher sporadisch bei linker Pfote, rechtem Fuß, linkem Fuß, rechter - nee, war's nicht doch linke Pfote? War jetzt nicht der rechte Fuß dran? - Nein. War er nicht, der linke Fuß hat noch nicht reagiert, ist noch irgendwo hinten beim Hutständer, aber das war schon vor 'ner Stunde ...

Autsch.


Wenigstens meine Nase ist schon in der Küche. Meine Ohren aber noch nicht. Sie sind noch dabei, herauszufinden, was mein linker Fuß gerade anstellt und was da so quietscht. Was meine Augen machen, weiß ich nicht. Sie sind beide mit sehr unterschiedlichen Dingen beschäftigt. Wobei ich vermute, dass eins sich unter die Wäschekommode verirrt hat, wo irgendein Rabauke haufenweise Papier von Stieleispackungen hingestopft hat.

Das andere ist - glaube ich - mit der Verfolgung einer Stubenfliege unter der Küchenlampe beschäftigt.

Aber garantieren kann ich für nichts. Ich sende zwar die notwendigen Befehle aus, aber irgendwie ist das Schlachtfeld etwas unübersichtlich. Schröder, der am Küchentisch sitzt und sein Frühstücksei verzehrt, schaut mich ein bisschen komisch an, weil ich ihm den Schinkenstreifen nicht aus der Hand fresse. Aber wie stellt man das an, wenn man nicht weiß, wo die eigenen Zähnchen geblieben sind? Auf den Befehl "Zuschnappen" reagieren sie zwar, aber sie beißen jedes Mal auf etwas, das sich anfühlt wie ein alter Latsch. Ob's ein alter Latsch ist, weiß ich nicht, denn dazu müsste ich auch was schmecken können. Aber seit ich die blöde gelbe Spinne ...

Nur nicht dran denken.

Vielleicht sollte ich den Einheiten den Befehl zum Rückzug geben.

Vielleicht hab ich's auch schon getan.

Jedenfalls meldet mir mein linkes Ohr, dass sich mein rechtes Auge jetzt ein wenig mehr westwärts orientieren sollte, damit die ganzen Leute nicht ohne Orientierung gegen den Türrahmen rammeln.

Vielleicht kam der Befehl sogar noch rechtzeitig. Denn mein rechtes Auge - oder ist es doch das linke? - zeigt mir ein komisches grünbefelltes Wesen, das auf vier Pfoten sanft aus der Küche entschwindet, knapp am Türrahmen vorbei, zehn Zentimeter über den Dielen, ein bisschen komisch grinsend, als träume es beim Laufen oder sei damit beschäftigt, sich mit seinen vier Beinen zu unterhalten (Jetzt du! Jetzt du! - Nein, du noch nicht! Warte! Gleich! Jetzt, bist du dran ...)

Wir sehen die Schwanzspitze noch elegant aus der Küche gleiten.

Sag mal: Und was machst du hier?

Ich?

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Mehr Kater am Mittwoch
Seit 2005 hat der Kater in der L-IZ ein Zuhause gefunden.
Es sind zumindest sonderbare Momente, wenn man genau weiß, dass alle anderen mittlerweile im anderen Zimmer sind und man das nicht sehen kann, weil man sich auf eine verwunderte Stubenfliege zu fokussieren versucht.

"Brumm?", macht die. Und hat natürlich recht. Aber wie stellt man das an, die Perspektive zu ändern, wenn der zugehörige Kopf gar nicht da ist?

(Ich weiß: Das geht vielen Leuten fast täglich so. Aber ich bin nicht viele Leute. Meistens bin ich nur Drei. Und meistens sind wir uns auch einig, wo wir alle hin wollen und wo wir gerade sind. Meistens gibt es nur ein paar Differenzen zwischen meinem Magen, meiner Nase und dem Türschloss. Aber das sind lösbare Differenzen. Man muss einfach nur demokratisch abstimmen. Und meistens stimmt die Mehrheit dann für den Magen -)

Nur heute nicht.

Heute macht jeder seins.

Linkes Auge guckt sich Stubenfliege an. Rechtes Auge ist mit zerknülltem Stieleispapier beschäftigt. Magen geht es schlecht. Und der Rest schwebt mehr oder weniger koordiniert auf den Katerkorb zu, um sich dort für den Rest des Tages vor der Welt in Sicherheit zu bringen. Und abzuwarten, bis das Taumeln im Kopf aufhört. Was dauern kann. Meint zumindest der Schwanz. Der Kopf hat heute keine Meinung mehr. Er ist mit Taumeln beschäftigt.

Es gibt solche Tage. Da bleibt man am besten in der grünen Wolldecke liegen und wartet, bis die Sonne auch fertig ist mit der Arbeit. Dann macht man einfach die Augen zu und schläft noch mal drüber. Sofern die Augen noch vor Sonnenuntergang zurückfinden ins Nest. Aber Stubenfliegen sind auch spannend.

Auf ihre Art. Besonders, wenn sie nicht wissen, was das gelbe Auge von ihnen will, so ganz ohne Kater dran.

Meint: der Kater.


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