Leo Kasek: Der Floßgraben und ein weit gedehnter Unterhaltungsbegriff
Bernd Reiher
09.03.2010
Leonhard Kasek.
Es gab Neuigkeiten in dieser Woche, zum Thema Floßgraben und Baumfällungen. Ein Naturschutzgebiet ist er, das aber im nördlichen Teil oberhalb der weißen Brücke. Weder das Leipziger Umweltschutzamt noch das sächsische Umweltministerium haben im Vorfeld Ausnahmegenehmigungen für Baumfällungen erteilt.
Anzeige
Post kam mittlerweile auch aus dem Leipziger Amt für Stadtgrün und Gewässer. Von Angela Zabojnik, jener Frau, die in dieser Angelegenheit als federführend für die städtische Seite gilt. Sie schickte Ende der Woche eine Stellungnahme zu diesen Vorgängen.
Zur Notwendigkeit dieser Maßnahme erklärte sie: „Der Floßgraben schlängelt sich auf zirka 2,6 Kilometer Länge von der Brückenstraße bis zur Mündung in die Pleiße. Die Flanken des zwischen vier und zehn Meter breiten Gewässers werden im wesentlichen von Ahorn- und Eschenbäumen gesäumt.“ Der Graben unterliege als Gewässer zweiter Ordnung „in seiner Unterhaltungslast der Kommune.“
Dessen Unterhaltung sei nach Sächsischem Wassergesetz eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung. Dabei seien „das Gewässerbett für den Wasserabfluss zu erhalten, die Ufer durch standortgerechten Bewuchs und in naturnaher Bauweise zu sichern.“. Deswegen hätten vom 15. bis zum 19. Februar zwischen Weißer Brücke und Kläranlage Markkleeberg „notwendige Unterhaltungsmaßnahmen“ stattgefunden.
„Unaufschiebbare Verkehrssicherungsmaßnahmen“ nannte Leipzigs oberste Wasserfrau die Maßnahmen, die in den letzten Wochen am Floßgraben nötig gewesen seien. Weil die Standfestigkeit einiger Bäume „nicht mehr gewährleistet war und sie ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Öffentlichkeit“ darstellten.
„Unterhaltung“ als Lizenz für Sägearbeiten im Schutzgebiet. Dass der Begriff angesichts der Tragweite dieser Maßnahmen arg strapaziert wird, finden nicht nur die Leipziger Umweltschützer. Dass hier auch aus Behördensicht die Grenze zum genehmigungspflichtigen Ausbau deutlich überschritten wurde, zeigt sich an einem Schreiben des Sächsischen Umweltministeriums. Titel: „Abgrenzung Ausbau und Unterhaltung von Gewässern und Deichen“.
Baggerarbeiten im Floßgraben im südlichen Auwald.
Foto: Bernd Reiher
Gewässerunterhaltung nach §28 WHG, so heißt es in diesem Papier vom Mai 2009, sei „die Pflege und Entwicklung eines Gewässers sowie die Erhaltung eines ordnungsgemäßen Abflusses und an schiffbaren Gewässern die Erhaltung der Schiffbarkeit.“ Der Begriff „Pflege“ umschreibe die Erhaltung eines bestimmten Gewässerzustandes während „Entwicklung die gezielte Hinführung auf einen positiven Zustand meint“.
Gewässerausbau hingegen, so das SMUL darin weiter, sei nach §31 WHG die „Herstellung, Beseitigung oder wesentliche Umgestaltung eines Gewässers oder seiner Ufer.“ Eine Umgestaltung sei wesentlich, wenn „sie den Zustand des Gewässers und/oder seiner Ufer auf Dauer in einer für den Wasserhaushalt (zum Beispiel für die Schifffahrt, den Naturhaushalt oder das Landschaftsbild) bedeutsamen Weise verändert und deshalb eine Planfeststellung erforderlich ist.“
Ob tatsächlich Unterhaltung oder doch eher Ausbau – während die Arbeiten in den letzten Tagen besonders auf Markkleeberger Seite eskalierten, schrieb Angela Zabojnik in ihrer Stellungnahme schließlich auf die Frage nach den nicht eingeschalteten Umweltverbänden: „Gemäß des Sächsischen Wassergesetzes ist geregelt, dass die Gewässerunterhaltung eine Pflichtaufgabe darstellt.“ Eine zwingende Beteiligung Dritter sehe der Gesetzgeber nicht vor. Zabojnik: „Obwohl die Stadt Leipzig stets einen engen Kontakt zu den anerkannten Naturschutzverbänden hält, wurde es versäumt, diese zu informieren. In diesem Zusammenhang hat es aber nachträglich eine plausible Erläuterung hinsichtlich der durchgeführten Maßnahmen für die anerkannten Verbände gegeben.“
Dieses Treffen fand am Dienstag vergangener Woche statt. Mit dabei waren unter anderem Leipzigs NaBu-Mann Leo Kasek und der Bündnisgrüne Stadtrat Norman Volger. Beide bestätigten im Nachgang dieses Waldspazierganges, dass Zabojnik sich für die mangelnde Kommunikation entschuldigte. Kasek und Volger sprachen aber auch von vorerst zerstörtem Vertrauen zwischen beiden Seiten. Und betonten, dass der mögliche Ausbau das weitaus größere Problem an der Sache sei. Weil der nicht ohne Genehmigungsverfahren und Beteiligung der Öffentlichkeit geschehen darf.
Bereinigte Ufer: der Floßgraben nach der Entholzungsaktion.
Foto: Bernd Reiher
Kasek sagte der L-IZ am Mittwoch zu seinen Eindrücken von diesem Waldspaziergang: „Die haben ganz eindeutig den Begriff Herstellung von Verkehrssicherheit sehr weit gedehnt.“ Er berichtete auch von auszubaggernden „Taschen“, die dabei erstmals erwähnt wurden und an den Ufern des Floßgrabens vorgesehen seien. Ausweichbuchten, um der drohenden Enge – 70 Paddel-Boote pro Stunde sind es in Spitzenzeiten schon jetzt – Herr zu werden. Seiner Meinung nach habe das Treffen drei Ergebnisse gebracht.
Erstens: Es sind ständige Konsultationen vereinbart.
Zweitens: Die abgeholzte Strecke wird neu bepflanzt, mit Weichholzgewächsen und Erlen.
Drittens: es wird ein Monitoring gemacht, wo „genau ermittelt werden soll, was passiert, wenn das freigegeben wird.“ Deutlicheres von ihm im Audio-Interview.
 
Leo Kasek zu den aktuellen Vorgängen am Floßgraben
Norman Volger fügte im Nachgang hinzu: „Eine Entwicklung des Floßgrabens, welche die Belange der Natur und der Bevölkerung berücksichtigt, ist nur mit und nicht gegen die Naturschutzverbände und die Öffentlichkeit möglich. Das Amt für Stadtgrün und Gewässer hat hoffentlich aus diesem Kommunikationsdesaster gelernt und wird sich zukünftig an die bisherigen guten Spielregeln des Miteinander halten. Wenn man aber über die Stadtgrenze hinaus nach Markkleeberg schaut, wird einem schon mulmig. Der dortige rigorose Ausbau wird nicht die Lösung für Leipzig sein können.“
Viele Fragen sind es auch in dieser Woche, die noch ungeklärt blieben. Ist der Floßgraben überhaupt schon als Verkehrsgewässer gewidmet? Haben Landesregierung und Landesdirektion wirklich nur Nebenrollen in diesem Spiel? Warum erfüllen die Umweltschutzbehörden ihre Kontrollfunktion nicht? Ist es tatsächlich Rechtsbeugung durch Behörden, was am Floßgraben, besonders in Markkleeberg geschieht? Wird der Floßgraben tatsächlich undicht, wenn seine Lehmschicht angebaggert wird? Und: Warum eigentlich ein wellenarmes LeipzigBoot, um die Floßgraben-Ufer zu schonen, wenn die angebaggert werden, damit es überhaupt durchkommt?
Am Abend des 8. Februar 2012 präsentiert das Konfuzius-Institut Leipzig in der Moritzbastei originäre Rockmusik aus China. Die 3er Formation Chan, bestehend aus Gitarre, Bass und Schlagzeug, verbindet Punk, Funk und Rock mit traditionellen chinesischen Elementen. mehr…
2010 trat das Leipziger Forscher-Team um Svante Pääbo erstmals an die Öffentlichkeit mit der Meldung, sie hätten aus einem winzigen Teil eines fossilen Fingerknochens aus der Denisova-Höhle in Südsibirien eine (vorläufige) Fassung des Genoms erstellt. Immerhin ein heißes Eisen: Es war das Genom eines dritten Vertreters der Menschheit. mehr…
Während „normale“ Menschen bei knackigen Minusgraden bibbernd in beheizten Räumen auf bessere Zeiten warten, zieht es einige Mitglieder des Tauchsportvereins „Leipziger Delphine“ gerade jetzt an ihr Hausgewässer, den Kulkwitzer See. Und das aus gutem Grund, denn die strengen Fröste der vergangenen Tage haben den „Kulki“ zufrieren lassen. mehr…
Ein Kompromiss ist ein Interessenausgleich auf der Basis der kleinsten gegenseitigen Verärgerung. Vorangegangen ja gegenseitige Beleidigungen und Provokationen – je nach Naturell laut oder hinter den Kulissen. Im Backstagebereich wird ein Krieg vorbereitet. Solang es ein gerechter ist, solls uns wohl recht sein. mehr…
Lange ließ Jean-Jacques Annaud nichts von sich hören. Zuletzt inszenierte der 67-Jährige, dem das Kino Meisterstücke wie "Der Name der Rose" oder "Sieben Jahre in Tibet" verdankt, im Jahr 2004 das mäßige Tiger-Drama "Zwei Brüder". Sein Spätwerk "Black Gold" ist eine pathetische Zeitreise zurück an die Anfänge des Öl-Booms in der arabischen Welt. mehr…
2011 organisierten Neonazis in Sachsen in etwa genauso viele Konzerte wie im Vorjahr. Dies ergab eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz. Nach Angaben von Innenminister Markus Ulbig (CDU) registrierte der Verfassungsschutz die Planung von 44 Konzerten. mehr…
Kreativität muss ja irgendwann erst einmal beginnen. Design, Fotografie und nicht zuletzt ihre wundervollen Songs, zusammen mit dem griechischen Elektrokünstler Kostas, sorgen für Aufsehen – und Bewegung. Am 9. Februar stellt Minette nun zum ersten Male aus. Vernissage. Richtig mit Getränken und Freunden und Staunenden. Wenn Minette die neue Vivienne Westwood ist, können alle Leser sagen, sie sind bei den ersten Schritten dabei gewesen. Interview. mehr…
Das unschöne Loch am Burgplatz „begeistert“ die Leipziger seit über 16 Jahren. Der englische Eigentümer hat auch nach mehrmaliger Anfrage seitens der Stadt nicht reagiert. Es herrscht weiter Unklarheit, was AMEC/KIG mit diesem überaus zentral gelegenen Grundstück anfangen will. Doch der Stadtverwaltung reicht es jetzt. mehr…
Dass in den entscheidenden Ämtern und Behörden in Sachsen noch immer nicht begriffen wurde, was die demografischen Veränderungen im Land eigentlich bedeuten, zeigte gerade der Vize-Vorsitzende des Beamtenbundes, Helmut Overbeck, mit seiner Forderung nach einem sogenannten "Demografie-Tarifvertrag". Gleichzeitig diskutiert die Politik über einen "Demografie-Faktor" im Finanzausgleich. Auch zum Entsetzen der beiden SPD-Abgeordneten Wolfgang Tiefensee und Dirk Panter. mehr…
Sachbeschädigung, Körperverletzung, räuberische Erpressung, Diebstahl, Drogenbesitz. Lucas K. (22) war schon zehnfach vorbestraft, als er am Montag, 6. Februar, im Amtsgericht auf der Anklagebank Platz nahm. Vor fünfeinhalb Jahren kam der Arbeitslose das erste Mal mit der Justiz in Kontakt. mehr…
Auch wenn alles mit rechten und gerechten Dingen zugeht, wird wohl jeder Kustos einer Sammlung bei solch einer Aktion heimlich die eine oder andere Träne wegdrücken. Weil öffentlich, wäre das politisch unkorrekt. 44 Kleinode spätantik-byzantinischer Alltagskultur wurden kürzlich in Leipzig als Eigentum des Berliner Museums für Byzantinische Kunst identifiziert und kehren nun ins Bode-Museum in die Bundeshauptstadt zurück. mehr…
Konrad Riedel, Stadtrat der CDU, macht sich Sorgen um den Winterdienst, die Kleingärtner und die Rentner. Alles gut und schön. Kürzlich veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung einen Beitrag darüber, dass der CDU-Abgeordnete im Leipziger Stadtrat eine Fahrradsteuer für Leipzig wünscht. Dann könne man von den Einnahmen die Radwege vom Schnee befreien. Mit der Kfz-Steuer geschehe das doch auch für die Fahrbahnen. mehr…
Rotlicht an. Es wird heiß am Donnerstag, 9. Februar, ab 20 Uhr im Helheim (Weißenfelser Straße 32). Das Leipziger PerformanceTheaterKollektiv FormLos stattet Volly Tanner einen Besuch auf seiner Terrasse ab. mehr…
Die Straße des 18. Oktober ist lang. Länger, als mancher denkt. Sie beginnt am Bayrischen Platz, führt schnurstracks zum Deutschen Platz und danach quer durchs alte Messegelände zum Völkerschlachtdenkmal. Eigentlich ist sie auch die Magistrale der Alten Messe, auch wenn sie derzeit nicht so aussieht. Aber sie soll wieder so aussehen. Stückweise ab 2013. mehr…
In „Voland & Quists Literatursalon“ im Horns Erben (Arndtstraße 33) tritt am Freitag, 10. Februar, ab 20 Uhr die Dresdner Lesebühne Sax Royal auf. Sax Royal sind der Kolumnist, Blogger und Moderator Michael Bittner, der Poetry-Slam-Bühnenheld Julius Fischer („Ich will wie meine Katze riechen“), der Lyriker und Prosaist Roman Israel, der Erzähler, Cartoonist und E-Orgel-Alleinunterhalter Max Rademann sowie Stefan Seyfarth. mehr…