Vorgeschmack auf 2011: Erste Digedag-Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum
Ralf Julke
17.03.2010
Auf den Spuren der Digedags.
Die richtig große Digedag-Ausstellung wird es erst im Herbst 2011 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig geben. Zu viel gibt es noch zu erforschen. Erst im Juli 2009 schafften drei Transporte das gewaltige Lebenswerk von Johannes Hegenbarth aus Berlin nach Leipzig, vielen besser bekannt als Hannes Hegen.
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Mit diesem Namen zeichnete er 223 Hefte des Mosaik, das im Verlag Neues Leben erschien und in dem bis 1975 die "quirligen Helden Dig, Dag und Digedag" durch Amerika reisten oder mit Ritter Runkel durchs Mittelalter. Der 1925 geborene Grafiker hatte seine Sammlung mit rund 48.000 Blättern und Einzelobjekten dem Zeitgeschichtlichen Forum übergeben. Da ging schon eine spürbare Welle der Faszination durchs Land. Immerhin waren die Digedags nicht nur das, was heutige Schnellsprecher als "Kult-Comic der DDR" bezeichnen, auch wenn die Anlehnung an erfolgreiche Comic-Serien aus Westeuropa und den USA unübersehbar sind.
Volles Foyer zur Ausstellungseröffnung: ein neues Pilgerziel für Mosaik-Freunde.
Foto: Ralf Julke
Auch das Mosaik ist - wie mehrere Medien-Kreationen der DDR - ein Versuch gewesen, ein Bedürfnis zu befriedigen, das sich mit der plumpen Parteipropaganda nicht befriedigen ließ. Es sprach junge Leser an, ihre Neugier, ihre Abenteuerlust und - ihre Sehnsucht in die weite Welt. Das verbindet sich zwar insbesondere mit dem Namen Hannes Hegen - doch dahinter stand eine richtige Mannschaft. Anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen, alle
Vierteljahre ein Heft für 95 Pfennige zu produzieren und später monatlich eines für 60 Pfennige. Ein Heft, das schnell zu dem wurde, was inhaltsreiche DDR-Medien bis zum Schluss immer waren: Bückware. Das Schicksal teilte sich das "Mosaik" mit der "Wochenpost", dem "Eulenspiegel" und dem "Magazin". Mit dem Unterschied: Es waren die jungen Leser, die nach diesen Heften fragten oder sich über ein Abonnement freuten wie die Schneekönige.
Und wer zu spät geboren wurde oder zu spät zu sammeln anfing, der schaute in die Röhre - oder begann zu "kaupeln", versuchte, von anderen die zerlesenen Hefte zu bekommen in der Hoffnung, irgendwann einmal die Hefte mit den niedrigen Nummern in die Hand zu bekommen. Da wurde auch so mancher zum Sammler, dem man es heute nicht unbedingt ansieht. Rainer Eckert zum Beispiel, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums, 1950 in Potsdam geboren.
Stolzer Besitzer einer zerlesenen Nr. 1 des Mosaik: Rainer Eckert.
Foto: Ralf Julke
Am Dienstag, 17. März, als sich das Foyer des Zeitgeschichtlichen Forums füllte mit einem unerwartet großen Publikum, zog er sich extra weiße Baumwollhandschuhe an. Er hatte seine eigenen Mosaik-Archivalien mitgebracht. "Mit fünf Jahren habe ich angefangen zu sammeln", erzählte er und sorgte für ein anerkennendes Raunen. In diesem Raum war er nicht der einzige, der alle Mosaik-Hefte von Nr. 1 an besitzt - aber damit ist er trotzdem ein selten Glücklicher. Nur sehen natürlich die ersten Hefte entsprechend aus. Natürlich habe er etwas getan, was den Heften überhaupt nicht gut bekam, erzählte er: Sie immer wieder gelesen.
Und wenn die Hefte zerlesen waren, hat er sie geflickt - mit Klebestreifen, Heftpflaster und Nadel und Faden. "Vom archivarischen Standpunkt eine Sünde", erzählte er. "Die Restaurierungsversuche eines Kindes eben."
Aber es ist ja nicht seine Sammlung, die jetzt zu sehen ist. Das Zeitgeschichtliche Forum zeigt eine erste Erkundung dessen, was Johannes Hegenbarth - der bis heute das Copyright für die Digedags besitzt und zurückgezogen in Berlin lebt - dem Haus der Geschichte übergeben hatte. Und dazu gehören die Ur-Formen dessen, was sich dann in den 1950er Jahren zu den Digedags entwickelte, genauso wie die großen Entwürfe für Planetenlandungen, Schifffahrten oder Burg Rübenstein, auf der Ritter Runkel das Licht der Welt erblicken sollte.
Die kleine Vorab-Ausstellung zeigt auch, dass das Mosaik von Anfang an Mannschaftsarbeit war. Johannes Hegenbarth, der von 1947 bis 1951 an der HGB in Leipzig studiert hatte und danach als Karikaturist für diverse Berliner Medien seine Brötchen verdiente, war ab 1955 Herausgeber des Mosaik, war anfangs der Ideengeber und der Stilmacher. Doch ohne eine echte Aufgabenteilung in eine Mannschaft begabter Co-Autoren hätte das Projekt nicht funktioniert.
Lothar Dräger wurde zum wichtigsten Textautor, Joachen Arfert zum Haupt-Coloristen, und nicht nur Horst Boche, Lona Rietschel und Irmtraud Winker-Wittig waren für die hochwertigen Zeichnungen zuständig - auch Hegenbarths Frau, die Grafikerin Edith Hegenbarth, geborene Szafranski, ist aus dem Kosmos der Mosaik-Schöpfer nicht wegzudenken. Viele der unverwechselbaren Figurinen wurden von ihr entworfen. Dazu gehört auch Ritter Runkel höchstselbst.
Skizzen zeigen, aus welcher Kobold-Familie die Digedags entstammen.
Foto: Ralf Julke
Das wird in der kleinen Ausstellung ebenfalls erstmals öffentlich gewürdigt. Man bekommt einen kleinen Einblick in die Arbeit der Restaurateure, man sieht auch einige Arbeiten der beiden Hegenbarths, die fürs Theater entstanden sind. Man bekommt auch ein paar Einblicke in die Herkunft einiger Motive, die im Mosaik zur Kulisse der abenteuerlichen Handlung wurden.
Was aber bei aller Faszination nicht mehr übersehen werden kann, ist die politische Dimension der Comic-Serie, die zwar 1975 endete, weil sich Hegenbarth im Streit vom Verlag Neues Leben trennte. Aber gerade weil sie junge und immer ältere Leser begeisterte, hatte sie auch ihre Wirkungen - regte den Einen an, Geschichte zu studieren, und im Anderen nährte sie das Fernweh. Und nicht ohne Grund machte das Mosaik-Team nach dem Rückzug von Hannes Hegen alias Johannes Hegenbarth mit einer eigenen Serie weiter, den Abrafaxen.
 
Rainer Eckert über die Digedags, seine eigene Sammelleidenschaft und weitere Vorhaben des Zeitgeschichtlichen Forums
Aber natürlich ist auch die Wirkungsgeschichte noch ein offenes Forschungsfeld. Damit soll sich am 9. Mai ein Workshop im Zeitgeschichtlichen Forum beschäftigen, zu dem auch Mosaik-Freunde eingeladen sind. Bis dahin kann, wer neugierig ist, die Foyer-Ausstellung "Auf den Spuren der Digedags. Erste Erkundungen" im Zeitgeschichtlichen Forum besuchen. Sie ist vom 17. März bis zum 16. Mai zu sehen.
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