Audio: Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige in Leipzig
Vanessa Raab
22.07.2011
Abschied von den Verstorbenen.
Foto: Vanessa Raab
Seit 1998 wird jedes Jahr bundesweit der Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige begangen. Initiiert wurde dieser Gedenktag vom Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V. In Leipzig haben am Nachmittag Angehörige, Freunde, aber auch jahrelange Begleiter wie Sozialarbeiter oder Ärzte bei einer Andacht in der Nikolaikirche Abschied von den Verstorbenen nehmen können.
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Rund 50 Menschen waren gekommen, um bei der Andacht an diejenigen zu erinnern, die ihre Drogensucht nicht überlebt haben. In Leipzig sind im vergangenen Jahr fünf an ihrer Drogenabhängigkeit bzw. der damit verbundenen Begleit- und Lebensumstände gestorben. Diese Zahl bleibe zum Glück konstant, auch wenn natürlich jeder Tote einer zu viel sei, sagte Sylke Lein, Suchtbeauftragte der Stadt Leipzig. Die Konstante erklärt sich Lein zum einen aus der auch ungefähr gleichbleibenden Anzahl an Drogenabhängigen insgesamt. Zum anderen seien die Hilfeangebote einfach niedrigschwelliger, mehr und besser geworden und auch Therapie-Methoden hätten sich über die Zeit verändert. „Das in der Summe wirkt“, so Lein.
Rund 50 Menschen waren zur Andacht gekommen.
Foto: Vanessa Raab
In diesem Jahr war der Gedenktag allerdings anders organisiert. 2010 gab es neben der Andacht noch ein Rahmenprogramm. Stände verschiedener Beratungsstellen haben über Suchtkrankheiten informiert, bunte Luftballons mit Wünschen wurden in den Himmel geschickt und Blumen an die Kirchenmauer niedergelegt. Diesmal wurde der Ort der Trauer auf die Kirche und die Andacht beschränkt. Diese „abgespeckte Version“ hatte folgende Gründe: 1. die heftige Debatte um die städtische Drogenpolitik in den vergangenen Monaten und 2. vorbeieilende Passanten mit einem derart emotionalen Thema zu überfallen, sei nicht der richtige Weg gewesen. Eine Auswertung habe ergeben, dass diese Art der Konfrontation eher Ablehnung als Interesse bringe, erklärte Sylke Lein. Und genau das wolle ja verhindert werden, dass Drogenabhängige noch weiter stigmatisiert würden.
Wenn es nach aufkommenden Haltungen in führenden sächsischen Polizeikreisen ginge, könnte dieser Gedenktag abgeschafft werden. Warum müsse noch solchen Menschen gedacht werden, die kriminell und Drogenabhängig sind? Aber genau das ist die falsche Herangehensweise, die in den letzten Wochen vehement kritisiert wurde. Pfarrerin Ulrike Franke wies in ihrer Andacht zum Gedenktag genau auf diesen Misstand hin: "Menschen, die durch eine Krankheit wie der Drogensucht nicht mehr zur Mitte der Gesellschaft gehören, stehen irgendwann an der Kante, an der ein Fehltritt lebensgefährlich sein kann." Es müsse sich "auf Augenhöhe" begegnet und nicht ausgrenzt und isoliert werden. Aus dem "wir" und "die da" müsse wieder ein "du" und "ich" wachsen. Der diesjährige Gedenktag stand deshalb unter dem Stern der Menschenrechte.
Nur wer vergessen wird, ist wirklich tot.
Foto: Vanessa Raab
Die Andacht dauerte rund 45 Minuten, bei der zum einen Pfarrerin Ulrike Franke Worte an die Anwesenden richtete, aber auch Gedichte von anonymen Verfassern verlesen wurden. Auf jeden Wortbeitrag folgte ein musikalischer Einspieler von Anne Liskowsky am Saxophon und Gabriele Wadewitz an der Orgel. Das Licht von Kerzen und weise Worte wie im Titel „Let it be“ von den Beatles füllten die Nikolaikirche mit Emotionen.
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