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Audio: Schlussredaktion beim Leipziger Frauenbuchprojekt eingeläutet

Vanessa Raab
Spannende Gespräche beim Frauenbuchprojekt.
Spannende Gespräche beim Frauenbuchprojekt.
Foto: Vanessa Raab
Das Buchprojekt „8 km² Integration - der Leipziger Westen aus interkultureller, subjektiver Frauensicht“ läuft seit über drei Monaten und befindet sich in den letzten Zügen. Die deutschen und ausländischen Teilnehmerinnen haben in den vergangenen vier Wochen ihre Geschichten zu Papier gebracht.

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Am Freitag, 30. September, haben sich die Frauen wieder im Café Kap West in Plagwitz getroffen, um die fast fertigen Texte noch einmal zu besprechen. Nun geht es ans Redigieren, Fotos einfügen und Seiten gestalten. Das erste gedruckte Exemplar ihres Buches werden die Frauen Ende Oktober in Händen halten.

Russischer Borschtsch und andere Köstlichkeiten

Die Projektleiterinnen Eva Brackelmann und Katharina Kleinschmidt haben sich seit dem letzten Meeting im August mit den Teilnehmerinnen zu Einzelgesprächen getroffen, meist bei den Frauen zu Hause, um ihnen beim Verfassen der Texte zu helfen. Dabei wurden sie von vorne bis hinten mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt.

„Bloß nichts vorher essen, wurde uns immer gesagt, ich koche was“, schwärmt Eva Brackelmann in Gedanken an den riesigen Topf Borschtsch. „Das Witzige dabei: man erwartet ja immer, dass Spanierinnen auf jeden Fall Tortillas machen können. Aber dem ist nicht so. Eine Teilnehmerin hat erzählt, dass ihre Freunde das mal verlangt hätten, sie aber erst mal nachgucken musste, wie das geht.“ Eine wichtige Erkenntnis, wie die Projektleiterinnen finden. Denn nur weil jemand aus einem bestimmten Land kommt, heißt das noch lange nicht, dass dann auch alle typischen Gerichte bekannt sind. Ein Vorurteil, was durch das Buchprojekt – zumindest innerhalb der Gruppe – abgebaut ist.

Treffen des Frauenbuchprojekts im Café Kap West in Plagwitz.
Treffen des Frauenbuchprojekts im Café Kap West in Plagwitz.
Foto: Vanessa Raab

Das Kreuz mit dem Kopftuch

Von einem weiteren Vorurteil erzählt die neue Teilnehmerin Semahat. Als Kleinkind kam die gebürtige Türkin ins rheinland-pfälzische Koblenz. Vor über zehn Jahren zog sie dann nach Leipzig um. Semahat ist Muslimin und trägt deshalb ein Kopftuch - und das war schön öfter Gesprächsstoff ihrer Mitmenschen.

„Da war ich einmal in der Straßenbahn, da haben Leute über mich geredet, von wegen warum die Frau denn ein Kopftuch trägt. Entweder die hat ihre Haare verloren oder ihr Mann verbietet es ihr. Die dachten, ich verstehe kein Deutsch, hab ich aber. Da bin ich dann hin und meinte: Meine Haare sind in Ordnung, aber die muss keiner sehen. Und mein Mann verbietet mir gar nichts. Ich trage das Kopftuch freiwillig. Ich bin froh, dass ich dann umsteigen musste, denn sonst wäre ich ausgerastet,“ berichtet Semahat sichtlich erregt. Ihre Geschichte wird im Buchkapitel „Interreligiosität“ zu lesen sein.

Textübersetzung nicht ganz einfach

Mit einem anderen Problem haben die Dolmetscherinnen zu kämpfen, sind die meisten Originaltexte ja nicht auf Deutsch verfasst, sondern in der jeweiligen Muttersprache der Teilnehmerinnen. Helena hat Gedichte geschrieben - auf Spanisch. Blanca hat alle Mühe, die poetischen Texte anzupassen. „Ich habe Gedichte immer nur in die andere Richtung übersetzt. Es kann sein, dass ein paar Reime verloren gehen“, gibt sie zu, „aber ich gebe mein Bestes.“

Gesprächsrunde beim Frauenbuchprojekt „8 km² Integration.
Gesprächsrunde beim Frauenbuchprojekt „8 km² Integration.
Foto: Vanessa Raab
Larisa hat schon Swetlanas russischen Text in eine deutsche Passform gebracht. Darin geht es um ihre Berufserfahrungen als Direktorin eines Kulturhauses und ihren Umzug nach Deutschland. Swetlanas ganz persönlicher Werdegang ist sehr ergreifend beschrieben und wird im Kapitel „Kulturelle Identitäten“ erscheinen.

Buch voll von tollen Geschichten

Die Projektleiterinnen sind sehr zufrieden mit der Arbeit ihrer Frauen. „Das wird großartig. Ich hoffe, die 130 Seiten reichen aus, um alle Texte unterzubringen,“ hat Eva Brackelmann ein bisschen Angst vor der geschriebenen Flut. Acht Kapitel sollen am Ende das Buch unterteilen. Denn die Acht hat einen besonderen Grund. Sie spielt auf die Größe des durch den Europäischen Sozialfonds geförderten Gebiets, den Leipziger Westen, an - nämlich 8 km². Die Projektleiterinnen hoffen, diese Verbindung auch durchziehen zu können.

Am 28. Oktober treffen sich die Projektteilnehmerinnen dann wieder. „Bis dahin gibt es noch viel Arbeit. Die Texte müssen redigiert werden, die Grafikerin wird dann das Layout machen, um das Buch in den Druck schicken zu können, um es dann noch mal gegenzulesen und etwaige Fehler zu beheben“, sagt Brackelmann. Die feierliche Veröffentlichung ist dann am 15. Dezember.

Stärken vor Ort

Das Frauenbuchprojekt „8 km² Integration - der Leipziger Westen aus interkultureller, subjektiver Frauensicht“ ist Teil des Bundesprogramms „Stärken vor Ort“. Wie der Name schon sagt, sollen hierbei die Stärken der Frauen gefördert werden, um einen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu finden. So niedrigschwellige und wohnortnahe Mikroprojekte wie das Frauenbuchprojekt helfen aber nicht nur dabei.

Die soziale Integration steht für Eva Brackelmann viel mehr im Vordergrund. „Gerade bei diesem Projekt werden ja die Probleme, die die Frauen im Leipziger Westen haben, genau benannt und erkannt. Denn die Geschichten sind ja real erlebt.“ Konkret fehlt den Teilnehmerinnen zum Beispiel ein Frauentreff nach interkulturellen Maßstäben oder auch der interreligiöse Dialog. Brackelmann wünscht sich, dass das Buch ein paar Augen, vor allem auf politischer Ebene, öffnet.

Stärken vor Ort-Programm: www.staerken-vor-ort.de

 
Beitrag zum Buchprojekt 8 km² Integration
Audio & Foto: Vanessa Raab


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