Zum geplanten Verkauf von HL komm und perdata: Stadtwerke-Geschäftsführer Raimund Otto im Audio-Interview
Vanessa Raab
19.01.2012
Raimund Otto.
Foto: SWL
Raimund Otto ist seit 2005 kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Leipzig. Er ist in die Verkaufsprozesse um HL komm und perdata eingebunden, allerdings führt er die Verhandlungen nicht. Die obliegen der LVV, der Muttergesellschaft. Was er zu den geplanten Vorhaben sagt und wie sich die Verkäufe konkret auf die Stadtwerke auswirken, hat er im Interview mit der Leipziger Internetzeitung erzählt.
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Für die SWL bedeuten die Verkäufe eine gravierende Veränderung, denn sie verlieren ihre Gesellschafterstellung und werden zukünftig nur noch als Kunde auftreten. „Es mag als Kontrollverlust erscheinen“, entgegnet Raimund Otto. Es wird darauf vertraut, dass „in einer fairen Partnerschaft“ diese Dienstleistung erhalten bleibt.
Die SWL sollen also neben der LVV-Gruppe der wichtigste Kunde bleiben – nur die Gewinne gehen dann eben an den neuen Gesellschafter. Dafür bekäme man ja den Kaufpreis, so Otto. Die Frage ist nur, ob der sich auf die Zukunft hin rechnet. Denn das Knowhow und die Kompetenz, die ein Unternehmen liefert, könnte gerade in diesen beiden Branchen mehr Wert sein, als jetzt vielleicht angenommen.
Raimund Otto; Geschäftsführer der Stadtwerke Leipzig.
Foto: SWL
Das ist zumindest die Mahnung, die zum Beispiel das Antiprivatisierungsnetzwerk Leipzig (APRIL) ausspricht. Wenn der Stadtrat einer Komplettveräußerung der LVV-Enkel perdata und HL komm zustimmt, dann werde eine für die Konzerngruppe wichtige IT-Dienstleistung aus dem Haus gegeben und der Ausbau des Breitbandnetzes in Leipzig einem anderen anvertraut. Es werde damit Abhängigkeit statt Mitgestaltung von zukünftigen Entwicklungen herauf beschworen.
Auch die sensiblen Verbraucherdaten von SWL oder KWL-Kunden werden nach dem perdata-Verkauf einem Unternehmen überlassen, das nicht mehr zur LVV-Gruppe gehört. Darin sieht der Stadtwerke-Geschäftsführer aber kein Problem, da hier ja ganz besondere Datenschutzbestimmungen greifen.
Die Perdata ist 1999 als gemeinsamer IT-Dienstleister für die Stadtwerke, Wasserwerke und Verkehrsbetriebe gegründet worden. Daneben hat die Perdata aber auch Aufträge am sogenannten Drittmarkt, wozu zum Beispiel die Stadtwerke Detmold oder die Stadtreinigung Hamburg gehören. Die HL Komm investiert seit 1997 unter anderem in ein Glasfaserkabelnetz, das für Telefonie und Internet genutzt wird.
Und nun sollen diese 100%igen Töchter der Stadtwerke Leipzig komplett verkauft werden. Für die Perdata liegt ein Angebot von arvato systems über 18 Millionen Euro vor. Wer die HL Komm am Ende nun kaufen möchte, ist noch nicht klar. Das Gebot der Berliner versatel AG sei nicht zufriedenstellend und solle noch nachgebessert werden – bis jetzt scheint da aber nichts passiert zu sein.
Und über den neuen Bieter Global Connect, der anscheinend 74,9% der HL Komm kaufen möchte, gibt es schon gleich gar keine Informationen. Vom laufenden Verfahren und Vertrauensschutz ist da die Rede und davon, dass Spekulationen nicht gut wären für die Mitarbeiter, meint der Stadtwerke-Geschäftsführer Raimund Otto.
Bei der Debatte um die Neuausrichtung der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft geht es auch immer um die Grundsatzfrage, ob Breitbandnetz und Telekommunikation zur Daseinsvorsorge gehören oder nicht. Diese Definition überlässt Raimund Otto gern dem Stadtrat: „Da hat das politische Gremium eine Einschätzungspriorität.“
Am 25. Januar wird die Leipziger Ratsversammlung über die umfangreiche LVV-Vorlage abstimmen. Dazu will der Stadtwerke-Chef aber keine Prognose abgeben. Nur soviel: Wenn der Komplettverkauf von Perdata abgelehnt wird, dann platzt der Deal mit arvato. Und die Verhandlungen beginnen von vorn.
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