Schwarwels Fenster zur Welt: Alte Rechnungen
Satire - Jetzt täglich!
Text: Ilse Schnickenfittich / Sekretariat
24.01.2012
Böser Laden, böser Hussein, böser Achmadinedschad. Böse! Sagt Amerika. Und Europa und Israel. Also die, die schon eine Bombe zur Verfügung haben. So eine tolle Fat Lady mit der man erst dem bösen Kommunismus Angst machen wollte und dann selbst Angst davor bekam, als auch andere sie bauten. Also „Wer hot´s errfundän?“.
Die Geschichte der Atombombe ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Die Guten dürfen sie haben, die Bösen nicht. Jaja, die Ilse. Stellt sich einfach auf eine höhere Warte und schaut von dort herab. Auf eine Geschichte gegenseitiger Ölerpressungen seit 1973, eine Marionettenregierung der USA, die aus dem Land gejagd wurde und eine zunehmende Radikalisierung eines ehemals schönen Landes, nach einem „Bruderkrieg“ gegen den Irak. Mit den Russen als Waffenlieferanten, den amerikanischen Schnellfeuergewehren vor der Nase und einer Million gemeinsamen Toten in der Bilanz eines Stellvertreterkrieges.
Und wie die Geschichte schon bewiesen – auch Freunde der Amerikaner haben keine Garantie auf Dauer – kann man also auch auf der anderen Seite ganz gut leben. Das Risiko scheint das Gleiche bislang.
Also wurde fröhlich isoliert, bis die Ummantelung so dick wie eine Panzerhaut wurde, muslimische Eiferer an die Macht kamen und die vernünftigen Menschen im Land an der Wand endeten. Irgendwie traf man sich beim Thema Iran immer zweimal mit nem Stein am Kopf.
Jetzt könnte man direkt mal überlegen, warum das iranische Regime den Westmächten zwar bisher jede Menge Öl verkauft, aber ihnen eben nicht traut. Und offenbar an einer eigenen Bombe schraubt, vielleicht auch um einem erneuten Krieg gegen sich einen dicken Riegel vorzuschieben. Denn die Jägerstaffeln kreisen schon, also werden die ersten europäischen Umbestellungen beim schwarzen Gold organisiert. Die Chinesen wirds ebenso freuen, wie die Türken - gerade sinkt der Preis für sie.
So ist das mit den veränderten Perspektiven. Die kann man sogar einnehmen, ohne schon wieder auf jemanden anderen mit dem Finger zu zeigen. Denn wo zwei sich streiten, sind immer beide dumm oder gierig. Meist beides. 2013 könnte Achmadinedschad abgewählt werden. Vielleicht kommt dann ein Neuer – mit ganz viel Mut und Vertrauen in die Menschheit. Er wird beides brauchen, wenn er als erster die alten Rechnungen verbrennen geht.
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