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Schwarwels Fenster zur Welt: Vorgang „Schnickenfittich“

Satire - Jetzt täglich!
Text: Ilse Schnickenfittich / Sekretariat
Es sei mir also ein innerer Reichsparteitag *, heute endlich einmal den Generalsekretären der Einheitspartei CDU/CSU ** im Folgenden die ersten Flatulenzen eines Überwachungsstaates *** mit losgelassenem Geheimdienst ausführlichst nicht nur zu attestieren – Nein. Es sollte auch Zeit bleiben, der Ironie der Geschichte zwischen der Gestapo einer NSDAP, dem Stasiapparat einer SED und dem einer regierenden CDU/CSU ein wenig Raum zu geben.

Dabei wird es heute die vordringliche Lernaufgabe sein, sich in Contenance und Meinungsfreiheit gründlichst zu üben. Vor allem für Friedrich **** den Lebenden, aber auch für alle restlichen Scheindemokraten *****. Wir müssen jetzt alle mal ganz, ganz tapfer sein.

Ein Geheimdienstapparat ist immer im Dienste des aktuellen Jobanbieters unterwegs, weshalb ja auch der eine oder andere nach der Wende fröhlich wechseln konnte. Da von rot, wie noch einst 45 von braun immer rasch hinüber zu scheinbar bunt. Welche Aufgaben er dabei wahrnimmt, hängt von der jeweilig ausgestellten Stellenbeschreibung ab. In der aktuellen steht für rund 2.500 bei Rechts-Weg-Horch und Links-Guck eigentlich der Schutz der Demokratie im Namen des Volkes.

In der vorangegangenen der Schutz eines schrumpelnden Machtapparates samt seiner greisen Trottel und in der davor galt es jeden zu finden, der auch nur die Zähne ein paar Sekunden zu lange zeigte. Da konnte man sogar noch ohne einen Ton gesagt zu haben, geholt werden.

Immer gingen und gehen die Schnüffelnasen dabei den Phobien des jeweiligen Auftraggebers nach, zur Not müssen diese auch erfunden werden.

Allen gemein scheint nun doch bis heute, dass gesucht, ausgespäht und überwacht wird, wer eine andere Meinung vertritt. Was bloße Behauptung scheint, ist aktuell einfach belegbar. Man kann gern ein paar Ausländer wegnieten, Rassenhass aktiv zelebrieren, Andersdenkende von der Straße treten und ganze Landstriche unbeachtet terrorisieren, es handelt sich hier um ganz normale Straftaten.

Aber das mit den Worten – dass ist verkrusteten Betonköpfen noch immer in allen Regimen das größte Problem gewesen. Begonnen bei der Ahndung von Wehrkraftzersetzung, über Knast für Geschriebenes oder eines Umsiedlungswunsches nun hin zu abweichenden Ideen bei der Linkspartei.

Nicht wahr Herr Friedrich? Um Sie muss ich mir ab sofort keine Sorgen mehr machen, Sie haben sich da jetzt klar positioniert: NPD ist gleich Linkspartei. Oh Herr – gib mir ein einfaches Weltbild und ich komm gut durch den Tag im bayrischen Hinterwald.

Um die Tagesschau sorge ich mich nun auch nicht mehr. Die 15 Minuten waren voll von Geldthemen, umgefallenen Schiffen und noch ein wenig Wulff-Rehabilitierung in einem minutenlangen Beitrag über den toten Friedrich. Ein bisschen Werbefernsehen für die Bundeswehr in Personalnot, Lippenbekenntnisse zu schrecklichen Nazitaten als Beruhigungspille und ein wenig Ausland als Würze vor dem Wetter.

Davon, dass der Verfassungsschutz 27 vorrangig ostdeutsche Linksabgeordnete des Bundestages abhört und Friedrich der Lebende **** dies mit der Überwachung der NPD gleichstellte? Die Redaktion hatte Wichtigeres zu erzählen, als über die merkwürdige Fokusverschiebung beim kurzfristig eingesprungenen Chef des Geheimdienstes und die alte "Feindeslage Ost" zu schwadronieren.

Was in der heutigen Tagesschau um 20 Uhr also auffiel, war nicht das was gezeigt wurde. Sondern dass, was nicht gezeigt wurde. Das kennt man schon von der Aktuellen Kamera – da fehlte irgendwie auch immer etwas und den Inhalt in der Zeitung fand man zwischen den Zeilen – also da, wo heute manchmal schon in der Zeile überhaupt nichts mehr steht. ******

Ich verlange die umgehende Einbeziehung meiner Person auch ohne jemals in irgendeiner Partei gewesen zu sein – hier Ilse Schnickenfittich aus Grimma bei Leipzig - in die Überwachungsarbeit des Verfassungsschutzes. Vielleicht kommt dann anstelle der ausgedünnten Polizei wenigstens irgendjemand helfen, wenn es mir an den Kragen geht.

Als einschlägiger Rechtsextremist müsste ich selbst dann noch allein klarkommen, weshalb ich aufgrund fehlender schwarzer Judogürtel um eine Einstufung als freischwebende Linksradikale bitte.

Ich finde also, mit diesem Text habe auch ich ein wenig die mir aus früheren Zeiten gut bekannte Aufmerksamkeit und Zuwendung erneut redlich verdient und hoffe auf baldigsten Telefonkontakt.

Nachfolgende Anmerkungen habe ich zur besseren Einordnung vor allem für Herrn Friedrich und die nachfolgende Aktenlage zum operativen Vorgang „Schnickenfittich“ angefügt. Ich hoffe darauf, dass im Interesse der Steuerzahler eine kostengünstige Bearbeitung möglich ist.

* nicht von mir, Fernsehmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein gab diesen Begriff in der Halbzeitpause des ersten Gruppenspiels Deutschlands bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 im ZDF zum Besten, tätig ist sie da natürlich heute noch. Ich gehe davon aus, dass sie vom Verfassungsschutz genauestens beobachtet wird.

** gemeint die Partei der Einheit und der Mitte – was beides pure Propaganda ist

*** Der Begriff Überwachungsstaat beschreibt ein Szenario, in dem ein Staat seine Bürger mit allen zur Verfügung stehenden und staatlich legalisierten Mitteln überwacht. (Wiki) – siehe auch Wiki, Überwachungsstaat – in der Liste fehlt eventuell ein Land oder wird demnächst nachgetragen

**** ersetzt wurden hier Formulierungen wie: Friederich, der arge Wüterich, da er dafür seine Vergleiche zu besonnen herauslässt oder Friedrich der Kleine (hier könnten Rückschlüsse auf die Manneskraft möglich sein) sowie Friedrich der Dritte – was aus gegebenem Anlass nahelag, aber eine unglaubliche Überhöhung darstellen würde

***** Scheindemokraten - siehe auch Kapitalokratie: in einer dominant vom Kapital beherrschten Gesellschaft kann der Demos nicht vorn im Namen stehen. Weshalb sich leider gewählte, eigentlich dem Wähler verpflichtete Volksvertreter in Scheindemokraten verwandeln könnten oder es eben schon getan haben

****** Die Tagesthemen haben sich dann später des Themas angenommen



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