Schwarwels Fenster zur Welt: Verbrecherbande
Satire - Jetzt täglich!
Text: Ilse Schnickenfittich / Sekretariat
03.04.2012
Jetzt wird’s also endlich eng für Schäuble, denkt sich Harald M.. Die Schweiz macht sich auf gegen diese miesen Wirtschaftsspione aus dem bösen Nachbarland zu Felde zu ziehen. Alle sind nun fällig, die sich der Mittäterschaft schuldig gemacht haben! Apropos Mittäterschaft – da war doch etwas vor der berühmten Daten-CD?
Harald M. geht es gut. Eigenes Unternehmen, ein paar Angestellte auf Billiglohnbasis mit regelmäßigen Zuschüssen von der örtlichen Arge und hier und da ein kleines Bargeldgeschäft am Rande. Einmal im Jahr geht’s dann zum Wochenendseminar „Schweizer Anlagemöglichkeiten und Steuersätze“ irgendwo im lauschigen Züricher Kanton. Manchmal bekommt er auch Besuch von einem Berater, der längst gut mit seinem Steuerberater (ein honoriger Mann – FDP-Mitglied von altem Schrot und Korn!) befreundet ist.
Dann amüsieren sie sich gemeinsam über die viel zu hohen Steuersätze eines raffgierigen Staates und singen ein Hohelied auf das Bankengeheimnis, Zweitwohnsitze und den gelassenen Reichtum im schönen Schweizer Bankenland. Wenn er mal alt ist, will er weg aus diesem harten, kalten Deutschland – seinem Geld hinterher.
Denn längst hat Harald erkannt, dass Deutschland bröckelt. Keine anständigen Kitas, das Bildungssystem kommt gern mal ohne Lehrer aus und seine Kinder sollen es ja mal besser haben. Und ständig steigen auch noch diese üblen Sozialabgaben und erst das marode Rentensystem. Da zahlt er schon aus Prinzip nichts mehr ein – ist ja eh nachher alles weg.
Den Plan ins schöne Amerika auszuwandern hat er gleich wieder unters Kopfkissen geschoben, als er den gequälten Ausdruck seines Schweizer Freundes sah. Die bestehen auf Herausgaben der Informationen und drohen mit wirtschaftlicher Isolation? Übel, übel dieses kommunistische Regime jenseits des großen Teiches, keinen Respekt vor Datenschutz und der unternehmerischen Kraft der eigenen Landsleute.
Deshalb nimmt er Gefahren auf sich – Geldbündel in den Autotüren, doppelter Kofferraumboden – so eine Reise einmal im Jahr bringt ja auch Nervenkitzel und ein wenig Adrenalin in die Blutbahn.
Was Harald M. jedoch stört, ist diese kriminelle Energie, mit der sein eigener Staat gegen ihn vorgeht. Wo kommen wir denn da hin, wenn nun schon der Staat illegal Informationen über ihn ankauft, seine Schweizer Freunde gar erpresst und das Bankengeheimnis einfach missachtet! Eine Verbrecherbande und eine Verschwörung bis hinauf in diese korrupten Politikerkreise. Neid und Missgunst, soweit das Auge reicht.
Na so geht es aber nicht, denkt sich Harald, wenigstens ein Staat hat sich an die Regeln zu halten. Sehen auch seine Schweizer Freunde so, denn nun legen sie endlich diesen Steuerfahndungsbütteln das Handwerk. Knast – mindestens fünf Jahre! Damit sie wieder lernen, das Eigentum anderer Leute zu respektieren! Kapiert in diesem unsozialen Land nur noch die FDP, der erbärmliche Rest ist schlicht unwählbar.
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