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Video: Ab dem 23. November frohlockt der Leipziger Weihnachtsmarkt

Ralf Julke
Die neuen Glühweinbecher.
Die neuen Glühweinbecher.
Foto: Ralf Julke
In der Petersstraße wird gehämmert und geschraubt, im Salzgässchen wird Schmuck angeheftet, auf dem Mark wird Grünzeug verteilt, Buden stehen im Weg, Leitungen werden verlegt, ein Gabelstapler transportiert die ersten Kisten durch die Gänge. Alle Jahre wieder wird Leipzigs Weihnachtsmarkt montiert.

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Bis zum 23. November muss alles fertig sein. Dann schaltet die Stadt auf Weihnachtsmodus. Dann wird am Markt das Licht ausgeknipst, die Turmbläser lassen die "Waits Performance" vom Balkon des Alten Rathauses erschallen. Der Weihnachtsbaum erwacht zum Lichterglanz und dann geht auf dem ganzen Markt nicht nur das Licht an, sondern der Budenzauber los, der jedes Jahr mittlerweile um die zwei Millionen Gäste nach Leipzig lockt.

Es ist der jährliche Höhepunkt für das Marktamt, das den Markt - der mittlerweile zu den beliebtesten des Landes gehört - irgendwie immer wieder neu in die Innenstadt zaubern muss. Ein Werk, das das Amt für Wochen in Atem hält. Nicht nur die 260 Buden müssen besetzt werden - was kein Problem der Menge ist: Über 500 Gewerbetreibende aus Ost und West und Nord und Süd und Nah und Fern bewerben sich jedes Jahr.

"1990 hatten wir 70 Prozent Händler aus dem Westen", erinnert sich Marktamtsleiter Herbert Unglaub. Heute sind es zu 70 Prozent solche aus dem Osten der Republik. Obwohl darauf, so Unglaub, erst geachtet wird, wenn die anderen Kriterien erfüllt sind: Attraktivität, Bewährtheit, Zuverlässigkeit. Denn: Schön muss es sein, angenehm und stilvoll. Keine Unterwäsche und keine Trainingsanzüge. Und nicht jeder zweite Stand eine Bude zum Schlemmen.

Vorsicht, Glas! - Herbert Unglaub mit neuem Pittiplatsch-Baumbehang.
Vorsicht, Glas! - Herbert Unglaub mit neuem Pittiplatsch-Baumbehang.
Foto: Ralf Julke

"27 Prozent der Stände bieten gebrannte Mandeln, Nüsse, Waffeln, Imbiss, Glühwein", sagt Unglaub. "Nicht mehr und nicht weniger." Weihnachtlich soll es sein auf dem Markt, aber nicht jahrmarktmäßig. Die Mischung kommt an, wie es scheint. Die Warnung sollte für alle Eiligen sein: Ab dem 23. November wird es eng in der Leipziger City. Dann kommen mit Einbruch der Dunkelheit die Kurz- und Weiterangereisten, dann drängeln die Busse und die ihnen entströmenden Reisegruppen.

Die etwas neckische Einladung des Marktamtsleiters: "Wer dichte Menschentrauben mag, der kommt am Freitag, Samstag und Sonntag noch Leipzig." Dann wird es kuschelig. Auch wenn der Leipziger Weihnachtsmarkt nicht, wie andernorts - auf einen Platz beschränkt ist. Den hat Unglaub schon seit fünf Jahren nicht für sich: Drei Viertel des Leipziger Marktplatzes darf er in diesem Jahr mit dem Weihnachtsmarkt bespielen. Etwas mehr als letztes Jahr, da überließen ihm die Tunnelbauer von der DEGES nur drei Fünftel des Platzes.

Er stellt trotzdem nicht mehr Buden hin. "Wir haben dafür die Gänge breiter gelassen und vor allem den Platz vor der Bühne", sagt Unglaub. Denn da singen am 23. November um 17:15 Uhr, wenn der Oberbürgermeister den Markt feierlich eröffnet hat, wieder die Thomaner. Da wird es eng vor der Bühne.

Womit man dann beim anderen Puzzle-Spiel des Marktamtes wäre: Wohin mit den Buden, die nicht auf den Markt passen? - "Aber das haben wir ja in Leipzig noch nie anders gemacht", sagt der Marktamtsleiter. "Wer den Leipziger Weihnachtsmarkt besucht, der macht immer auch einen kleinen Stadtbummel."

Die neuen Motive auf den Leipziger Glühweinbechern 2010.
Die neuen Motive auf den Leipziger Glühweinbechern 2010.
Foto: Ralf Julke

Deswegen steht der Budenzauber auch wieder in einem Teil der Petersstraße, im Salzgässchen, im Böttchergässchen (wo auch wieder der "größte Adventskalender der Welt" steht, bespielt von 23 Leipziger Schulen und den Schülern der Musikschule) - außerdem in der Grimmaischen Straße. Der Nikolaikirchhof wird wieder zum Schauplatz der Feuerzangenbowle, der Naschmarkt zum Historischen Weihnachtsmarkt. Auf der Thomaswiese wird der Märchenwald für die Knirpse aufgebaut, die gern herausfinden, was an den aufgebauten Märchen nun alles falsch ist.

Auf dem Augustusplatz kampieren wieder die Finnen, deren Zelt in den Vorjahren immer aus den Nähten platzte, weil die Leipziger augenscheinlich Flammlachs und Glögi ausgesprochen lecker finden. Die zwingende Folge: 2010 kommen die Finnen mit zwei Zelten.

Und dann ist auf dem Augustusplatz immer noch genug Platz für das große Zelt der Modelleisenbahner , das Herbert Unglaub eigentlich nicht mag. "Aber wir haben in der Innenstadt einfach keinen überdachten Raum mehr, in dem wir die Modellbahnausstellung unterkriegen. Alle entsprechenden Räumlichkeiten sind weg", sagt er.

Dafür wird diesmal der Wochenmarkt an den acht Tagen, in denen er zwischen dem 23. November und 22. Dezember stattfindet, Teil des Weihnachtsmarktes. Denn diesmal ist auch der Richard-Wagner-Platz als Ausweich verbaut. "Deswegen wird der Wochenmarkt in der Zeit auf dem Augustusplatz direkt vor der Oper stattfinden", sagt der Marktamtsleiter. Und weiß: Nach zwei Tagen haben sich Händler und Kunden dran gewöhnt.

Die Waren für die Verkaufsbuden werden angeliefert.
Die Waren für die Verkaufsbuden werden angeliefert.
Foto: Ralf Julke

Und ab Samstag, 27. November, kommt auch der bei den Kindern beliebte Spezialist für die großen Gaben wieder in Amt und Würden: Dann trudelt nämlich der Weihnachtsmann auf dem Hauptbahnhof ein - Gleis 23, so gegen 11 Uhr. Vorher macht das Bergmannsblasorchester Schlema dort ordentlich Lärm, wie sich das gehört, wenn Potentaten in Leipzig einfahren. Mit Kutsche wird der Mann dann zum Markt geschafft. Da muss er dann arbeiten - und zwar für alle Kinder, die das jetzt unbedingt wissen wollen: immer von Mittwoch bis Sonntag von 16 bis 16;45 Uhr.

Und für die großen Kinder gibt es am 18. Dezember wieder Weihnachten wie dahoam: Dann marschieren wieder 700 Bergleute mit Blasmusik zum Augustusplatz. Bergmannparade, wie aller zwei Jahre.

Ansonsten ist da noch das kleine Augenzwinkern des Marktamtsleiters für die Geschichtsbücher. Das adventliche Markttreiben in Leipzig soll nämlich bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Er möchte so gern an den seit 1459 belegten Neujahrsmarkt anknüpfen.

„Diese Tradition soll sich auch weiterhin alljährlich in der Leipziger Innenstadt fortsetzen“, sagt Marktamtsleiter Herbert Unglaub. „Der gute Ruf des Leipziger Weihnachtsmarktes begründet sich in seiner Kinderfreundlichkeit, der festlichen Ausgestaltung, der Ausgewogenheit der Angebote und seinen vielen Extras.“

Die weihnachtliche Dekoration wird angebracht.
Die weihnachtliche Dekoration wird angebracht.
Foto: Ralf Julke

Und das kommt augenscheinlich an: 2009 kamen weit über 2.000 Reisebusse und Sonderzüge nach Leipzig. „Das Konzept, verschiedene Bereiche der Innenstadt einzubeziehen und unterschiedlich zu gestalten, hat sich seit Jahren bewährt“, so Unglaub. Der diesmal auch dem Eigenbetrieb für Stadtreinigung eine besonders deftige Aufgabe gestellt hat: Schluss mit den Müllbergen zum Weihnachtsmarkt. Ab 2010 gilt die mobile Abfallbeseitigung. Heißt im Klartext: Früh, bevor die Gäste kommen, holt die Stadtreinigung den angefallenen Müll ab. Die Budenbetreiber müssen pünktlich zur Abgabe ihres Mülls erscheinen. Unglaub hofft, dass das reibungslos klappt und 2010 keine Müllstapel den Markt verunzieren: "Es sieht doch so unschön aus."

Neu ist diesmal: Das Stadtbüro verwandelt sich in eine Wichtelwerkstatt. Hier dürfen Kinder - betreut vom Netzwerk Haushalt Leipzig e.V. und der Agentur 2sense - basteln nach Herzenslust, wenn ihre Eltern mal einen Glühwein in aller Ruhe trinken wollen. Bastelbeitrag: 1 Euro.

Niegelnagelneu ist auch das historische Zwei-Etagen-Karussell an der Ecke Salzgässchen/ Katharinenstraße. Wer sich erinnert: 2009 ist es kurz vor Eröffnung des Marktes durch einen Kurzschluss bedingt abgebrannt. Da war nicht nur der Besitzer geknickt. Er hat es nach dem abgebrannten Vorbild wieder neu bauen lassen.

Und neu sind in diesem Jahr auch Weihnachtsbaumanhänger, die die Käthe Wohlfahrt Gmbh (Mitausrichter des Weihnachtsmarktes) an ihrem Stand präsentiert: "Sandmännchen und seine Freunde" - aus Glas. Was natürlich die Spannung zum Fest in kinderreichen Familien erhöhen dürfte: Kommt Klein-Lucie an den Pittiplatsch? Versucht Klein-Leon das Schnatterinchen vom Baum zu fischen?

Wer spannende Weihnachten mag, ist also in Leipzig vom 23. November bis 22. Dezember an der richtigen Adresse. Und das Pfand für den Glühweinbecher beträgt 2,50 Euro. 60.000 Becher mit neuem Motiv kommen diesmal zum Einsatz.

www.leipzig.de/weihnachtsmarkt

 
Am 23. November öffnen sich die Tore des Leipziger Weihnachtsmarktes.
Quelle: info tv Leipzig

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