Video: Grundsteinlegung für Sanierung der Kongresshalle - 30 Millionen Euro Investition
Matthias Weidemann
30.09.2010
Grundsteinlegung für die Kongresshalle.
Foto: Matthias Weidemann
Es gibt wohl kaum einen alteingesessenen Leipziger, der mit der Kongresshalle am Zoo nicht irgendeine Anekdote oder Erinnerung verbindet. Wenige Bauwerke haben sich so in das Gedächtnis der Messestädter eingegraben, wie dieses 110 Jahre alte geschichtsträchtige Gebäude.
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Stellvertretend dafür stand am Mittwoch der Direktor des Leipziger Zoos, Jörg Junhold, am Rednerpult vor der Baustelle der Kongresshalle, anlässlich der Grundsteinlegung zur deren Sanierung.
Der Nordflügel der Kongresshalle wurde abgebrochen.
Foto: Matthias Weidemann
Unter den zahlreichen geladenen Gästen auch Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok sowie Kulturbürgermeister Michael Faber, die schmunzelnd und nachdenklich den Ausführungen des Zoochefs lauschten: „Die Kongresshalle ist ein besonderes Kleinod Leipzigs, ein Stück der Stadtentwicklung und der Kulturgeschichte Leipzigs. Die Kongresshalle war der erste Berührungspunkt mit dem Zoo und dem kleinen Jörg Junhold vor 40 Jahren, als meine Eltern Tagungen und Kongresse besuchten. Ich erinnere mich sehr gut, als ich mit meinem Bruder und meiner Mutter hier draußen auf der Terrasse in den Kongresspausen gesessen habe, um anschließend ganz in Familie durch den Zoo zu schlendern. Es ist mir eine persönliche Freude, heute den Grundstein für das zweite Leben der Kongresshalle legen zu dürfen. Wir haben lange darum gerungen.“
Mit den Mitteln aus dem Konjunkturpaket II erhielt die Stadt Leipzig im Jahr 2009 die Möglichkeit, eine jahrelang brachliegende innerstädtische, traditionsreiche Immobilie zu sanieren und für die Erweiterung der Kapazitäten im Kongressgeschäft zu nutzen. Insgesamt sollen 30 Millionen Euro in das Projekt investiert werden.
Jörg Junhold: „Wenn die Kongresshalle hoffentlich im Jahre 2013 in Betrieb gehen wird, wird sie eine wichtige Rolle im Zoogeschehen spielen. Als Ort für hochrangige Kongresse und Veranstaltungen, wird sie im Gleichklang mit der Leipziger Messe eine wichtige Rolle spielen.“ Die Sanierung der Kongresshalle ist die größte geförderte Einzelmaßnahme in der Stadt und im Freistaat Sachsen. Bauherr ist die Zoo Leipzig GmbH.
Bei der Grundsteinlegung: Jörg Junhold, Sven Morlock, Michael Faber (v.l.).
Foto: Matthias Weidemann
Kulturbürgermeister Michael Faber, selber im Aufsichtsrats des Zoos meinte: „Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, dass der Zoo zusätzlich zum Großprojekt Gondwana-Land noch mit dieser Aufgabe betraut wurde. Aber der Zoo ist ja dafür bekannt, solche Projekte zuverlässig zu stemmen.“
Blick in den Großen Saal.
Foto: Matthias Weidemann
Im ersten Bauabschnitt, der bis zum 31. Juli 2011 fertig gestellt sein soll und ein Investitionsvolumen von 12,2 Millionen Euro aufweist, werden Bereiche des Nordflügels und Südflügels instand gesetzt. Der Abriss von alter Bausubstanz im Bereich des Nordflügels läuft bereits seit August, danach erfolgen der Rohbau, der Einbau der Haustechnik und der Ausbau.
Die Kongresshalle am Zoo blickt auf eine langjährige Tradition als Mehrzweckhalle zurück. Eröffnet wurde sie nach nur 18 Monaten Bauzeit am 29. September 1900. Im Auftrag des damaligen Zoodirektors Ernst Pinkert entwarf der Architekt Heinrich Rust das „Bürgerliche Gesellschaftshaus“. Die Kongresshalle bildete sich im Laufe der Jahre als Wahrzeichen der Stadt heraus und bestimmte wesentlich einen Teil des Leipziger Kulturlebens. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Halle, insbesondere der „Große Saal“, für Kongresse, Messen, Tanzwettbewerbe und Konzerte gleichermaßen genutzt. Das Gewandhaus zu Leipzig gastierte ebenfalls in den Räumlichkeiten, wie das Theater der Jungen Welt.
Zoodirektor Jörg Junhold (M.) erklärt Kulturbürgermeister Michael Faber (links) und Wirtschaftsminister Sven Morlock (rechts), wie's einmal werden soll.
Foto: Matthias Weidemann
Nach und nach kam es zur Verlagerung der großen Veranstaltungen. Es folgte die Schließung im Jahr 1989. Immer wieder gab es Initiativen, die Halle wiederzubeleben, die letztendlich am Fehlen der finanziellen Mittel scheiterten. Im Rahmen des 125-jährigen Zoojubiläums 2003 fand die Sanierung der Außenfassade statt. 2007 zog das Krystallpalast Varieté in den „Großen Saal“ ein und bespielte diesen bis zum Sommer 2010.
Einer, der nicht zu den geladenen Gästen gehörte und den Reden sicher mit einer Träne im Knopfloch gelauscht hätte, ist der Direktor des von der Schließung bedrohten Naturkundemuseums Dr. Rudolf Schlatter. Die Kongresshalle war unter anderem als neuer Standort für sein Haus im Gespräch gewesen und hätte seiner Meinung nach gut zum Zoo gepasst. Mit den 30 Millionen, die für die Kongresshalle aufgebracht werden, hätte man sein Museum übrigens fast drei Mal wieder auf Vordermann bringen können.
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